19
Okt

Michael Bublé in der Porsche-Arena Stuttgart

Ironie ist nicht seine Stärke. „I´m a seller“, gesteht Michael Bublé gegen Ende seines Konzerts in der mit 4500 Besuchern gut gefüllten Porsche-Arena – was angesichts von mehreren Millionen verkaufter CDs ja so falsch nicht ist – und schaut dabei betont verwegen. Außerdem sei er gar nicht nett, eher ein Kotzbrocken, und singe ohnehin nur für die Mädels. Die jedenfalls kommen nach Michaels Bemerkung, dass zwei Stunden auf dem Hintern sitzen wohl reichen würde, in Scharen nach vorne an die Bühne gestürmt, um bei Klassikern wie „That´s life“ kollektiv ihre Fotohandys zu zücken.

Man kann sich fragen, was die Renaissance des Swing ausgelöst hat, der – siehe Roger Cicero – mittlerweile sogar Popdomänen wie die des Grand Prix d´ Eurovision erreicht hat. Ob es die Sehnsucht nach den goldenen Zeiten ist, als die Entertainer noch Stil und Charisma hatten?

Michael Bublé jedenfalls hat sie alle studiert, die Frank Sinatras und Bobby Darins. Jede Geste ist perfekt antrainiert, und sein kerniger Bariton sorgt im Verbund mit der glänzenden Big-Band dafür, dass Titel wie „ I´m your man“ oder „Me and Mrs. Jones“ tatsächlich fast so klingen wie die Originale. Der Sound in der Halle ist akzeptabel, Bublé schlittert elegant über den polierten Boden und singt überwiegend Titel aus seinem aktuellen Album „Call me irresponsible“, darunter auch seinen selbst komponierten Hit „Lost“. Der hat zwar mit Swing wenig zu tun, zeigt aber gerade deshalb einen authentischeren Michael Bublé als jenen, der sich sonst mitunter etwas aufgesetzt bemüht, ein cooler, großer Entertainer zu sein. „My English is not so good!“. Ironie ist nicht seine Stärke. (Stuttgarter Zeitung)

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