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Mrz

Trio Müller-Schott im Mozartsaal

Maurice Ravels Klaviertrio führt ein wenig ein Schattendasein auf den Konzertpodien, was insofern schade ist, als es eines der klangsinnlichsten Werke  dieser Gattung überhaupt ist. Aber vielleicht liegt gerade hierin der Grund für die Zurückhaltung: das Stück ist nicht nur technisch anspruchsvoll, man benötigt zur adäquaten Realisierung auch eine klangliche Palette, die deutlich über das hinausgeht, was vor allem von Streichern normalerweise gefordert wird.

Insofern ist es ein ideales Werk für das Trio Müller-Schott, das nach dem zurzeit wohl erfolgreichsten (und vielleicht auch besten) deutschen Cellisten, dem 34-jährigen Münchner Daniel Müller-Schott benannt ist und nun im Mozartsaal ein grandioses Konzert gegeben hat. Müller-Schott hat mit der Geigerin Viviane Hagner und dem Pianisten Jonathan Gilad ein Trio gebildet, das in mancherlei Hinsicht neue Maßstäbe setzen dürfte. Alle Vorbehalte, die man haben kann, wenn sich vielbeschäftigte Solisten zur Kammermusik zusammenschließen, lösten sich hier schon nach kurzer Zeit in pures Wohlgefallen auf: denn was die Drei gerade im Trio von Ravel an atmosphärischer Dichte, klangfarblicher Finesse und emotionaler Dringlichkeit offenbarten, verschlug einem fast den Atem. In berückender Manier legte das junge Trio offen, was Ravel diesem klingenden Zaubergarten an Stimmungen eingeschrieben hat: das schwere, exotische Parfum im „Modéré“, das gezügelte Feuer im „Pantoum“, das versonnene Kreisen der „Passacaille“ und schließlich die chinesisch-pentatonischen Assoziationen im Finale, dessen rauschhafte Steigerungen hier in fast orchestral anmutender Klangfülle ausgespielt wurden.

Nun verfügen die Streicher zwar auch über herausragende Instrumente – Viviane Hagner spielt eine Stradivari-Geige, Müller-Schott ein Cello von Matteo Goffriller – doch es ist eben gerade die Sensibiliät, mit der beide ihre Klangfarben immer abhängig vom Gehalt der Musik wählen. Weit entfernt von bloßem Schönklang faszinieren gerade bei Viviane Hagner die manchmal fahl-gedeckten, manchmal spektral schimmernden Töne, die sie in immer neuen Abstufungen mischt. Das passt zu Müller-Schotts seidig-sonorem, ebenfalls ungemein wandlungsfähigem Ton. Der Franzose Jonathan Gilad bildete dabei immer einen sicheren pianistischen Rückhalt für die Streicher – sowohl beim Eröffnungsstück, Beethovens Es-Dur Trio op.1/1, aber auch bei Tschaikowskys groß angelegtem Klaviertrio a-Moll:  großer, sinfonischer Atem, poetische Verinnerlichung und schmerzliche Emphase fanden hier aufs Glücklichste zusammen. (Stuttgarter Zeitung)

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