Kann man Kabel hören?
Es dürfte wohl kaum noch passionierte Audiophile geben, die Kabeln und Stromversorgung keinerlei Aufmerksamkeit widmen, selbst wenn sich in einschlägigen Internetforen die Fraktion der Kabelklangskeptiker immer noch regelmäßig zu Wort meldet. Andererseits ist das Thema derart komplex, dass es Spekulation wie Geschäftemacherei Tür und Tor öffnet: die Preiskalkulation bei High-End-Kabeln ist für Außenstehende kaum nachzuvollziehen, mit entsprechender Werbung, manipulierten Testberichten und entsprechender Imagebildung lässt sich da ziemlich Reibach machen. Auf die Spitze getrieben haben es die amerikanischen Hersteller, die es wohl einen Imagefaktor bedeutet, das teuerste Kabel anzubieten. Für eine Komplettverkabelung mit dem Nordost Odin etwa kann man leicht mal 50 000 Euro hinlegen. Bei Lautsprechern und Elektronik (Krell/Magico …..) findet man zwar ähnliche Tendenzen, aber dort lässt sich der getriebene Aufwand wenigstens noch einigermaßen objektivieren: 2000 Watt bei einer Endstufe kann man messen. Ob das klingt, ist eine andere Frage….
Bei Kabeln sind Unterschiede zwar im Hörtest nachzuvollziehen, durch die Vielzahl an möglichen Anlagenkonstellationen aber schwer zu objektivieren. Dazu kommt der bei Hörvergleichen nicht zu unterschätzende Faktor der Autosuggestion, den auszuschalten selbst Profis schwer fällt. Man weiß, dass da jetzt ein megateures Kabel aus dem Edelholzkistchen dranhängt – und flugs ist man schon etwas erwartungsfroh gestimmt. Da helfen im Zweifelsfall nur Blindtests – die aber auch ihre Tücken haben.
Ich lege deshalb Wert darauf, hier keine allgemeingültigen Aussagen über das Thema zu treffen, sondern nur über meine persönlichen Erfahrungen zu schreiben. Für das Thema sensibilisiert wurde ich erst Ende der 90er Jahre, als die Kabeldiskussion in den entsprechenden Fachzeitschriften so richtig in Gang kam. Davor hatte ich an meinen Dynaudio Contour 3.3. ein Paar günstige Mogami Ultra Pure, vom Händler als ordentliches Kabel angepriesen, ohne weitere Hörvergleiche angeschlossen. Als Cinchkabel an meinem kleinen Accuphase E-210 dienten zur Verbindung mit einem Sony CD-Spieler ein Audioquest Kabel, dessen Bezeichnung ich schon vergessen habe.
Aber dann wollte ich es doch wissen und lieh mir von der Stuttgarter Stereo Galerie (“die Kabelspezialisten”) mehrere Testpaare mittelpreisiger LS- und NF-Kabel, darunter ein Straight Wire Rhapsody, eines von HMS und ein paar andere, die ich auch schon wieder vergessen habe. Um keinen autosuggestiven Täuschungen aufzusitzen, holte ich mir meinen Freund Tom Krüger, seines Zeichens Tonmeister und oberkritischer Klangmaniac zu Hilfe. Das Ergebnis war für uns beide frappierend. Sofort nach Anschließen des ersten LS-Kabels bot sich ein in allen Belangen verbessertes Klangbild: mehr Feinauflösung, mehr Farben, bessere Räumlichkeit. Ich kaufte dann das Straight Wire und war ein paar Jahre froh damit. Die Tests von Cinchkabeln brachten dagegen kaum Unterschiede – ein Eindruck, der sich später verfestigen sollte.
Irgendwann tauschte ich das “Rhapsody” gegen ein deutlich teureres “Virtuoso”, immer noch mit der gleichen Anlagenkonfiguration – auch dieses Update war sofort deutlich zu hören.
Richtig los ging es dann, als ich mit den Dynaudio Confidence 5 meine bis heute immer noch aktuellen und bis dato unübertroffenen Lautsprecher erworben hatte und diese dann mit besserer Elektronik immer weiter ausreizte. Ich probierte erst ein Straight Wire Crescendo: ein Kabel, das den Klang stärker verändert als alle Kabel, die ich bis heute kennengelernt habe. Der Spitzname zuhause war wegen seiner erheblichen Dicke “Python”. Es war, als hätte man einen Bass-Booster zugeschaltet: der untere Mitten- und Bassbereich wie aufgeblasen, zunächst irgendwie imposant, aber alles andere als neutral. Ein Kabel, das man eigentlich nur zur Kompensation bassschwacher Anlagen einsetzen kann. Da ich es aber – wie fast alles in meiner Anlage – gebraucht gekauft hatte, konnte ich verlustfrei weiterverkaufen.
In Folge probierte ich dann ein Kimber KS 3035 – sehr transparent und feinzeichnend – und ein Silent Wire LS 38, das mir sogar noch etwas besser gefiel. Die Unterschiede zwischen diesen schon sehr hochpreisigen Kabeln waren zwar insgesamt kleiner, aber doch klar nachvollziehbar. Kaum zu glauben, dass es noch viel besser geht, aber das ging es dann doch, und zwar mit den LS-Kabeln von Klang Manufaktur, die der Entwickler Manuel Löffler in Handarbeit produziert und die noch in kaum in Fachmagazinen getestet wurden. Bei den sogenannten “RIO” LS-Kabeln handelt es sich um Flachbandkabel aus Reinsilber. Der Unterschied an meiner bis dahin schon sehr highendigen Anlage war so, dass man den Kabeln den vielbeschworenen “Komponentenstatus” ohne Vorbehalt zuerkennen kann. Wieder war Tom Krüger (danke, Tom!) kritischer Mithörer, und wir beide nahmen eine Steigerung aller wichtigen Faktoren wie Auflösung, Basspräsenz und Dynamik wahr, die wir so nicht erwartet hatten. Die 3 Meter Testkabel der Firma audition 6 erwarb dann Tom für sein Studio, ich konnte das andere Paar in 2 m ergattern. Ob es kabelmäßig noch besser geht? Man soll nie nie sagen.

Klang Manufaktur RIO
Völlig anders sieht es mit NF-Kabeln aus. Lange Zeit brachten meine Hörvergleiche hier immer dasselbe Resultat, ob symmetrisch oder Cinch: gar keines. Beim direkten Umschalten am Vorverstärker von einem Eingang auf einen anderen, gab es so gut wie keine nachvollziehbaren Unterschiede zwischen hochpreisigen Kabeln und einem Accuphase-Standardkabel. Ich hatte wirklich viel gestest, Kimber KS 1130, Silent Wire NF-38, sogardas Superreferenzkabel Kimber KS 1136, mit immer demselben Ergebnis. Ich verwendete deshalb einige Zeit zwei günstige symmetrische Kabel von Vovox .
Anders ist es mit dem Nordost Valhalla, mit dem ich nun seit einiger Zeit höre. Zwar sind die Unterschiede nach wie vor nicht dramatisch, aber vor allem die Höhenauflösung erscheint mir signifikant verbessert, als würde ein Schleier weggenommen.
Ein bisschen was geht also auch hier.
PS: Hat irgendjemand mal ein Kabel der Firma Schnerzinger gehört? Die Vermarktungsstrategie ist, vorsichtig formuliert, etwas eigenwillig. Es gibt keine Tests von externer Seite, weder von Print- noch Online-Magazinen, dafür eine ganze Latte euphorischer Kundenbewertungen, die aber genauso gefaked sein können wie die Posts auf Audiogon oder im Hifi-Forum. Ich hatte sogar schon mal deren Kontaktformular ausgefüllt, leider hat sich daraufhin keiner gemeldet. Dabei würde ich die Dinger gerne mal hören…vielleicht würde ich ja auch zum Schnerzinger-Fan?!
18.05.2012 Nachtrag: ein Mitarbeiter der Firma Schnerzinger hat sich telefonisch bei mir gemeldet und sich für den Verzug entschuldigt. Er hätte im Moment keine Testkabel zur Verfügung, würde mich aber auf die Liste seines Außendienstmitarbeiters setzen, der sich dann bei mir wg. eines Tests melden würde. Ich berichte weiter….
10 Kommentare vorhanden
3. Oktober 2011 10:57
Hallo Frank,
meine C5 betreibe ich mit Lautsprecherkabel von Hensler-Elektronik das JH88.
Ist ein kleiner Tip von mir. Die Kabel sind zwar nicht in Fachzeitschriften getestet worden, aber Herr Hensler macht seine Sache gut und die Leute sind begeistert.
Beste Grüße
Süleyman
20. April 2012 16:59
Hallo Frank,
.
nun habe ich meine C schon einige Wochen, auch ein bisschen experimentiert und muss Dir recht geben. Angeblich soll man bei der C 5 selbst die kleinsten Veränderungen hören. Leider gehöre ich nicht dazu
Einen Doppelnetzfilter für CD und Vorverstärker, Padi-Feinsicherungen, XLR-Kabel von Heavens Gate Audio (angeblich € 2.400,-), andere Stromkabel, LS-Kabel, Lovan Geräte-Platte, andere Spikesteller brachten alles keine wirklich hörbaren Erfolge. (Leider klappte es nicht mit dem Testen der Klang Manufaktur Rio-Kabel, Heiko hat nicht mehr geantwortet). Gute CD´s (SACD´s) wie z.B. von Stockfisch klingen berauschend, andere grottenschlecht. Nun werde ich mal Versuche mit einem neuen CD-Player (Linn Akurate oder T+A SACD 1250 R) machen.
Gruß Rainer
21. April 2012 09:27
Hallo Rainer
was für Endstufen hast du denn dran?
Gruß Frank
21. April 2012 11:26
Hallo Frank,
. Vincent SP-991+ mit Vorsufe SA-93. Ich habe doch die modifizierten C 5.
steht alles schon bei Dir unter Deinem Lautsprecher-Forum
Sagt Dir der schweizer LS-Hersteller Acustik-Lab etwas, Referenz-LS war der Stella Elegans? Ach ja, was sagst Du zu dem SACD-Player T+A D 10, habe da ein Angebot vorliegen?
Gruß Rainer
22. April 2012 10:41
Hi Rainer
T&A kenn ich gar nicht, leider….aber dass Du keine Unterschiede bei deinen Experimenten hörst, ist sehr merkwürdig. Vielleicht stimmt was in deiner Kette nicht, oder die Modifikationen sind doch nicht das Gelbe vom Ei.
Hast Du denn deine C5 mal mit einer originalen vergleichen können?
Andererseits: der Stress gehört zur C5 dazu…..bei mir klang es am Anfang auch nicht
Grüße
Frank
22. April 2012 20:50
Hallo Frank,
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bin in Verbindung mit Olaf aus Rosengarten, liegt bei mir in der Nähe. Vielleicht sind durch die Modifikationen die Empfindlichkeit etwas kompensiert worden. Habe gestern die Stockfisch Audio-Test-CD erhalten. Der absolute Wahnsinn, die Boxen klingen zum Dahinschmelzen. Ich hatte zuvor mal die bereits erwähnte Akustic-Lab Stella Elegans mit Manger Schallwandler (Neupreis Anfang 2000 ca. € 26.000) an einer sündhaft teuren Levinson Anlage gehört. Hatte meinen CD-Player und einige ausgesuchte CD´s mit. Der Raum war kleiner als meiner, und die Boxen standen ziemlich nah an der Wand. Der Klang war auch nicht besser, die bei mir grottenhaft laufenden CD´s klangen da genauso schlecht. Vielleicht erwarte ich einfach zuuuuuuuuuuuuuuuuu viel
Gruß Rainer
3. Mai 2012 14:29
Hallo Frank,
ja, die Kabel sind ein sehr kontroversielles Thema. Von der „Industrie“, den Zeitschriften und natürlich den Händlern gepusht, logischerweise, bei den Preisen sind das ja ordentliche Zusatzumsätze. Was das ganze dann wirklich bringt, muss man dann selbst erfahren, eine unvorhergenommene Meinung bekommt man ja nur schwer. Klar, für den Händler ist viel Geld drinnen und der Verbraucher, der gerade 2000€ für ein banale Kabelverbindung ausgegeben hat, muss das ja auch sich selbst gegenüber rechtfertigen.
Zuerst zu den Cinch-Kabeln. Vor Jahren hatte ich noch ein billiges Beipackkabel, ich lieh mir dann eines von Linn, konnte aber, sehr zum Unverständnis des Händlers, keinen Unterschied hören. Momentan hab ich ein gebrauchtes Synergistic Research, kein Unterschied zum Kimber KS-1021 Select ist zu hören. Mag sein, wenn man stundenlange Klangseziererei betreibt, dass man den einen oder anderen Klangparameter als verschieden heraushören kann, ich habs nicht gemacht und mein persönliches Fazit betreffend Signalkabeln ist, dass sie keine (oder vielleicht nur winzige) Klangveränderungen bringen.
Etwas anders sieht es bei Lautsprecherkabeln aus. Mein erstes Kabel, das dünne, braun-schwarze Kimber wechselte ich gegen ein kürzeres, dickeres, grau-schwarzes des gleichen Herstellers. Wow, es war zwar nur ein kleiner Schritt, aber alles klang luftiger, detaillierter. Später hab ich mal ein XLO gegen ein Synergistic getauscht, der Bass wurde präziser und kräftiger, mehr Details waren zu hören. Es war ebenfalls nur ein kleiner Schritt, aber das Investment in ein gebrauchtes Kabel sah ich gerechtfertigt. Ein blaues Wunder erlebte ich mal mit einem Kimber Monocle, hier kam es mit meinen Lautsprechern zu Schwingungen, die Höhen klirrten unheimlich, ein Kabeltausch konnte das beheben. Fazit für mich: Lautsprecherkabel haben einen gewissen Klangeinfluss, wichtig ist auch der richtige Fit. Ob der Anschaffungspreis (neuer) High-End-Feuerwehrschläuche gerechtfertigt ist, muss dann jeder selbst entscheiden.
Du siehst, oder hörst, deine Erfahrungen decken sich dann auch im Wesentlichen mit deinen.
Gruss aus Wien,
Joachim
3. Mai 2012 15:53
Hallo Joachim
danke für dein Posting, ich bin ja beruhigt, dass es nicht nur mir so geht, dass ich bei NF-Kabeln kaum Unterschiede hören kann. Ich vermute einfach, dass der Suggestivfaktor so groß ist, dass man den Kunden hier von Händlerseite einiges einreden kann. Irritiert war ich bloß, ich schrieb es bereits, dass ich zwischen Netzkabeln deutliche Unterschiede hörte, übrigens auch durch Austausch meiner Steckerleiste, eine solide, aber relativ günstige von irgendeinem Internethändler gegen eine Vovox textura….das hätte ich nicht gedacht. By the way: Schau doch mal spaßeshalber auf die Seite von Schnerzinger.com – ich weiß nicht, ob das ein Riesenbluff ist oder ob da was ernstzunehmendes hintersteckt….werde die mal anrufen bei Gelegenheit.
Viele Grüße
Frank
12. Mai 2012 08:32
Guten Tag Herr Armbruster,
ich habe die Schnerzinger-Kabel gehört und danach meine komplette Musikanlage damit ausgerüstet. Um mich kurz zu halten: Schnerzinger.com aufrufen, unter Kundenstimmen Ulrich Sch. anklicken, dann können Sie meine Meinung zu diesen für mich einmaligen Kabeln lesen. Mit Fa. Schnerzinger Kontakt aufnehmen, Hörtermin vereinbaren und sich vor Ort unvoreingenommen mit den eigenen Ohren von den sehr ernstzunehmenden Produkten überzeugen. Ich bin der Meinung, auch Sie werden über die klanglichen Ergebnisse erstaunt sein!
Beste Grüße
Ulrich Schulz
15. Mai 2012 19:54
Hallo Herr Armbruster,
ich kenne die Schnerzinger-Kabel und nutze sie in meiner Anlage. Um es kurz zu machen: Ich bin überzeugt, dass alle Kundenkommentare echt sind. Diese begeisterten Kommentare entsprechen meinen eigenen Erfahrungen. Ich habe meine Meinung zu Schnerzinger im audiogon geschrieben (Member Uli).
Wenn Sie ins Ruhrgebiet kommen, vereinbaren Sie einen Termin bei Schnerzinger in Dortmund. Die Erfahrung wird einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Oder vielleicht kontaktieren Sie mich, wenn Sie mal nach Frankfurt kommen.
Grüße – Uli
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