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Mrz

Xuefei Yang spielt Bach auf der Gitarre

Transparent im dichtesten Gestrüpp

Eigentlich gibt es kaum einen Grund, weshalb man Bachs Cembalo- oder Violinwerke ausgerechnet auf der Gitarre spielen sollte. Die Zahl überzeugender Originalaufnahmen ist groß und Transkriptionen von fremder Hand haftet leicht der Verdacht des Epigonalen an. Andererseits sind in den letzten Jahren einige Gitarreeinspielungen von Bachs Werken für Solovioline entstanden, denen man durchaus künstlerische Autonomie bescheinigen kann, etwa die Aufnahmen von Frank Bungarten für das Label Dabringhaus&Grimm. So war es wohl nur eine Frage der Zeit, wann sich der erste Gitarrist an die bachschen Solokonzerte wagen würde. Die in China geborene und in London lebende Gitarristin Xuefei Yang hat nun gleich drei davon für ihr Instrument eingerichtet – ein heikles Unterfangen, das man aber insgesamt als gelungen bezeichnen kann. Zwar hat sie ihr im Programmhefttext formuliertes Ziel, die Stücke so klingen zu lassen, als seien es „eigenständige Gitarrenwerke“ in ihrer Einrichtung des Cembalokonzerts BWV1052 verfehlt: zuviel sträubt sich da unüberhörbar gegen die Idiomatik der Gitarre. Dennoch: Mit welch technischer Bravour Xuefei Yang die horrenden Schwierigkeiten dieser Bearbeitung meistert, ist spektakulär. Selbst im dichtesten polyfonen Gestrüpp bleibt ihr Spiel transparent und schlüssig durchphrasiert, die solistische Besetzung des Orchestersatzes mit dem Elias String Quartet trägt das ihre zum lichten Gesamteindruck bei. Deutlich entspannter gelingen ihr die Violinkonzerte BWV1041 und BWV 1042, die über weite Strecken tatsächlich klingen, als hätte Bach sie für sechs Gitarrensaiten geschrieben. Und nur im Presto der ebenfalls eingespielten Sonate BWV1001 erliegt Yang einer alten Gitarristenkrankheit: die irre flinken Finger laufen da mitunter schneller, als es das Metrum verträgt.

Xuefei Yang. Bach Concertos. EMI Classics.

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