10
Mai

Ori Kam spielt die 12 Fantasien von Telemann

Zwischen Divertissement und Kunstfertigkeit

Würde man die bachschen Partiten und Sonaten für Solovioline nicht so gut kennen, man könnte da beim Hören ins Grübeln kommen: dieses kunstvoll gesetzte Grave e-Moll mit seinen kontemplativen Linien, ist es nicht vielleicht doch ein Werk des Thomaskantors? Nein, Georg Philipp Telemann hat das Stück als ersten Satz seiner sechsten von insgesamt zwölf Fantasien für Violine solo komponiert. 1735 hat Telemann, selber ein hervorragender Geiger, diesen Zyklus veröffentlicht – etwa 15 Jahre nach Bachs epochalem Solowerk. Immer wieder findet man in den drei- oder viersätzigen Fantasien Sätze, in denen man bachsche Vorbilder herauszuhören meint, insgesamt aber sind diese Fantasien leichtgewichtiger, gefälliger angelegt – was nicht gegen ihre Qualität spricht. Dass man diese Platte mit so großem Vergnügen hört, liegt aber auch an dem Bratscher Ori Kam, der den Zyklus nun für sein Instrument transponiert und komplett eingespielt hat: mit golden lasiertem Klang, bestechender Intonation und viel Gespür für die  ambivalente, zwischen Divertissement und Kunstanspruch changierende Haltung dieser Musik.

Telemann. 12 Fantasies for solo viola.

Berlin Classics. Vertrieb Edel.

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