Beiträge im Archiv August 2012

21
Aug

Zero Plugs von Black Forest Audio

Zero Plug M

Die sogenannten Zero Plugs der Firma Black Forest Audio gibt es für offene Ausgänge von Hifi-Komponenten (Zero Plug C)  als auch für nicht belegte Steckdosen (Zero Plug M). Sie sollen die hochfrequenten Störungen, die durch diese Buchsen ins Stromnetz, bzw. in die Geräte eindringen können, abhalten und dadurch der Anlage zu einem saubereren Klangbild verhelfen. Was den Aufbau anbelangt, so kann man von außen nicht viel mehr erkennen als einen Kunststoffstopfen, der im Falle der C-Plugs mit einer Metallhülse versehen ist. Nichts deutet darauf hin, dass sich irgendwelche Schaltungen dahinter verstecken könnten. Über den Aufbau schweigt sich auch  die Website von Black Forest Audio aus. Ein Zero Plug kostet um die 25 Euro.

Dass es hochfrequente Störungen gibt und dass diese sich auf den Klang auswirken können, scheint mir hinreichend belegt, insofern war ich auf die Wirkung der Plugs gespannt. Ich habe die Plugs (5 C-Plugs und einen M-Plug) in mehreren Konfigurationen ausprobiert. Ich verschloss damit zunächst die vier offenen Ausgänge meines Accuphase DP-700, da laut Stereo-Testbericht das die deutlichsten Auswirkungen versprechen soll. Den M-Plug steckte ich in den letzten freien Steckplatz meiner Vovox-Netzleiste. Weitere freie Dosen gibt es bei mir nicht, da die Anlage einen eigenen Stromkreis hat.

Aber ganz egal, in welcher Konfiguration – C-Plugs allein, zusammen mit dem M-Plug, M-Plug allein – ich konnte auch nach längerem Hören keinerlei Unterschiede feststellen.

Fazit: In meiner Anlage hatten die Zero Plugs keinen positiven Einfluss.

20
Aug

Restaurantkritik Adis Edelmann Stuttgart-Ost

Wo Fritten Edelmänner sind

„Schmeckt sauguad!“ entfuhr es spontan meinem siebenjährigen Co-Testesser, als er die ersten Adis Edelmann-Pommes frites verspeist hatte, und seine Begeisterung kannte kaum noch Grenzen, als der Kellner auf die Bitte nach Ketchup in einem Korb ein Ensemble diverser Heinz-Saucen servierte. Man erlebt es ja häufig, dass sich auch gehobene Restaurants mit Kinderessen wenig Mühe geben, insofern ist die Bezeichnung „Gesalzene Edelmänner“(3,80 Euro) für die handgeschnittenen, knusprig gebräunten und mit Meersalz gewürzten Fritten durchaus angemessen. Vor einem Jahr wurde das Adis Edelmann eröffnet, und bei unserem abendlichen Besuch ist sein großer, über 200 Plätze fassender Biergarten gut gefüllt. Man sitzt hier gemütlich zwischen Linden und Kastanien, die sauberen Holztische sind mit Kräutertöpfchen dekoriert, eine Relax-Ecke mit Liegestühlen lädt zum Abhängen ein. Das Restaurant selbst ist in coolem Lounge-Stil gehalten, mit schwarzen Ledersesseln und orangefarbener Beleuchtung – ein richtig schicker Laden, der auch der SKG Gablenberg als Vereinslokal dient.

Dass das Konzept des Lokals aufgeht, liegt aber vor allem daran, dass man hier einen überzeugenden Weg zwischen Bodenständigkeit und kulinarischem Anspruch gefunden hat, der den Ansprüchen eines unterschiedlichen Publikums gerecht wird. Die Sommerkarte, so wurde uns erklärt, sei dabei schlichter als die außerhalb der Gartensaison, hebt sich aber trotzdem ab vom üblichen Biergarteneinerlei. Die Albleisa (4,10 Euro) sind leicht angeröstete Brote mit einer Curry-Linsen-Creme – nichts Spektakuläres, aber von ebenso tadelloser Produktqualität wie das mit frischen Tomaten und Parmesanspänen belegten Bruschetta (4,20 Euro). Auch Standardgerichten wie Maultaschen oder Wiener Schnitzel gewinnt man hier noch neue Facetten ab: Die Bezeichnung „Ta-schen“ ist eine Anspielung auf die in Wan-Tan-Manier ausgebackenen, mit köstlichem Brät gefüllten Maultaschen, die den bunten Salat (9,80 Euro) trefflich zieren. Das Parmesanschnitzel mit Preiselbeeren (11,90 Euro) bringt eine italienische Note in den Klassiker aus Omas Küche. Vegetarierern sei die köstliche Auberginenlasagne (8,90 Euro) ans Herz gelegt, Fleischliebhabern der fabelhafte Zwiebelrostbraten (17,80): ein mürbes, saftiges Trumm von Rindfleisch auf einem leichten, mit Rotwein abgelöschtem Fond, dazu Rosmarinkartoffeln. Dass diese, einer weit verbreiteten Unsitte gemäß, ungeschält sind, lässt sich verschmerzen, zumal, wenn man danach noch an der Mangocrème im Gläsle (4,90 Euro) samt Schokoladeneis naschen darf. Der Service ist auf Zack, verbessern lässt sich dagegen die Weinkarte: nicht nur was die Deklaration, sondern auch was die Auswahl der Weine anbelangt, könnte eine Beratung von kompetenter Seite das Niveau des Adis Edelmann deutlich heben. Man will hier schließlich mehr als bloß ein Biergarten sein.

(Stuttgarter Zeitung)

 

 

Adis Edelmann

Albert-Schäffle-Str. 6
70186 Stuttgart

Tel.: 0711-64518045

Öffnungszeiten:

Mo-Sa ab 17:00 Uhr, So ab 12:00 Uhr

www.adis-edelmann.de

14
Aug

Wahrheit oder Voodoo?

Das Angebot an (angeblich) klangverbesserndem Hifi-Tuning ist fast unübersehbar geworden. Nun zählen Kabel und Stromversorgung schon lange zum Pflichtprogramm, mit dem sich jeder Audiophile beschäftigen muss. Ob es aber nötig ist, seine CDs mit einer Spezialtinktur abzureiben oder in einen Entmagnetisierer zu legen, ob man seine Fußbodenheizung mittels Aktivatorstab behandeln oder im Raum Diffusoren aufstellen muss, das erscheint mir noch keineswegs hinreichend geklärt.  Testberichte von Fachzeitschriften darf man in diesem Zusammenhangruhig  skeptisch sehen: deren Abhängigkeit von Werbekunden ist evident und dürfte sich auf manches Testurteil auswirken.

Ich werde deshalb in dieser Rubrik regelmäßig Tuning-Zubehör unter die Lupe nehmen. Unvoreingenommen, aber mit einer kritischen Distanz. Soweit es möglich ist, werde ich Hörvergleiche auch unter Blindtestbedingungen durchführen.  Für Tipps in jeder Richtung – positiv oder negativ – bin ich dankbar.

14
Aug

Wisch und weg

Das AHP-Klangtuch

Nein, aus eigenem Antrieb hätte ich es mir nicht gekauft. Ein Mikrofasertuch, mit dem man CDs abwischt, die danach sauberer klingen sollen…haha, wie soll denn das gehen!?
Es war dann bei der Vorführung der neuen Accuphase Endstufen A-200 in Mannheim, als der PIA-Vertreter Winfried Andres vor dem Einlegen die Scheiben mit so einem Tuch abwischte und davon offenbar sehr überzeugt war. Dazu muss ich sagen, dass Andres auf mich keineswegs den Eindruck eines leichtgläubigen Esoterikers machte, ganz im Gegenteil: es ist von einem Hardware-Vertreter ja zu erwarten, dass er die Wirksamkeit von Klangbeeinflussern abseits der Geräteebene von Berufs wegen eher kritisch sieht.
Wie auch immer: da Probieren über Studieren geht, habe ich mir ein AHP-Klangtuch (es gibt auch noch andere Hersteller) bestellt und die (Blind-)probe gemacht. Dazu habe ich mir die Seriennummern zweier identischer SACDs (Dark Side of the Moon von Pink Floyd)  notiert und dann eine davon nach Vorschrift mit dem Tuch behandelt. Danach habe ich beide gemischt, so dass ich nicht mehr wusste, welche ich gerade in der Hand hatte und abwechselnd in den Player (Accuphase DP-700) gesteckt. Bei den ersten beiden Tracks musste ich noch 2-3 Minuten hören, bis ich einen deutlichen Unterschied feststellen konnte, als ich den Versuch dann zum vierten und fünften Mal machte, konnte ich nach wenigen Sekunden die beiden SACDS unterscheiden. Der Unterschied ist tatsächlich ziemlich krass. Auch wenn es sich merkwürdig anhört: das Abreiben der CDs macht den Klang sauberer, vor allem Stimmen kommen definierter, die Auflösung erscheint deutlich verbessert, die Musik klingt entspannter. Der Versuch mit zwei meiner eigenen Duo Favori-CDs brachte dasselbe Resultat.

Fazit: das Klangtuch wirkt. Eine ähnliche Steigerung dürfte es für knapp 30 Euro kaum geben.

12
Aug

Ben van Oosten spielte beim Internationalen Stuttgarter Orgelsommer 2012

Näselnde Gelehrsamkeiten

Ben van Oosten

So war das im Barock: wenn einem Komponisten ein gutes Stück gelungen war, brauchte der keinerlei Skrupel zu haben, dieses mittels Bearbeitung möglichst vielen Instrumenten zugänglich zu machen. Bachs festliches E-Dur-Präludium etwa mit seinem filigranen Arpeggienwerk kennt man vor allem aus der Partita für Solovioline BWV 1006 wie aus der Suite E-Dur für Laute. Doch Bach hat es auch für eine Kammermusikbesetzung mit konzertierender Orgel bearbeitet, aus der wiederum es Marcel Dupré für Orgel solo eingerichtet hat. Die euphorisierende Wirkung des Werks erscheint in der Orgelversion gar gesteigert, und so ist gut nachzuvollziehen, warum es nun der Niederländer Ben van Oosten zu Beginn seines Konzerts innerhalb des Internationalen Stuttgarter Orgelsommers gespielt hat.

Trotz des schönen Wetters war die Stiftskirche gut besucht: Es scheint sich mittlerweile herumgesprochen zu haben, dass da in Stuttgart mitten im Sommerloch jährlich ein Festival stattfindet, innerhalb dessen man – für ein bescheidenes Entgelt – einige der weltbesten Organisten hören kann. Zu denen zählt auch Ben van Oosten, der innerhalb seines historisch geordneten Programms drei Jahrhunderte durchmaß: nach zwei Bearbeitungen von Werken Bachs streifte er mit Mendelssohns Präludium und Fuge e-Moll kurz die Romantik, ließ dann mit César Francks Fantaisie A-Dur einen der französischen Orgelheroen zu Wort kommen und beendete die einstündige Orgelreise mit vier Stücken des Bach-Bearbeiters Marcel Dupré – nicht ohne dem Publikum vorher mit „Der Schwan“ aus Saint-Saens´“Der Karneval der Tiere“ noch eine hinreißende Preziose serviert zu haben. Gerade bei Dupré zeigte van Oosten die überwältigenden Klangmöglichkeiten der Mühleisen-Orgel: In den Turmglocken evozierenden Akkordballungen des „Carillon“, den ironisch gebrochenen, näselnd intonierten Gelehrsamkeiten des „Canon“ und der zurückgenommenen, strengen „Légende“, ehe dann im „Final“ die Klangwogen wie beim jüngsten Gericht kulminierten. (Stuttgarter Zeitung).

2
Aug

Restaurantkritik Das Piri Reis auf der Waldebene Ost

Ein Vereinslokal als orientalischer Traum

Deftiges aus dem Holzofen: Das Piri Reis auf der Waldebene Ost bietet bietet osmanische Küche

Vom Abend- ins Morgenland sind es nur ein paar hundert Meter durch die Waldebene Ost. Wer dann das Restaurant Piri Reis betritt, fühlt sich in eine andere Kultur versetzt: Von den arabisch anmutenden Lampen über die mit Orientteppichen bezogenen Polster bis zur Wanddekoration ist hier alles wie aus 1001er Nacht eingerichtet – das Ergebnis einer umfangreichen Renovierung, im Zuge derer aus dem einst tristen Vereinsheim nun ein kleiner orientalischer Traum geworden ist, mit einem gemütlichen großen Gastraum und einem kleineren, zeltähnlichen Anbau für die warme Jahreszeit. Zwar ist das im letzten Frühjahr eröffnete Restaurant auch die Vereinsgaststätte des türkischen Sportvereins SV Özvatan. Doch vor allem am Wochenende, wenn hier türkische Musiker spielen, zieht das Piri Reis (dessen Name sich auf einen osmanischen Seefahrer bezieht) auch ein erkleckliches Publikum von außerhalb an.

Die Küche des Piri Reis, so erklärt der Betreiber Akdeniz Refik, ist osmanisch ausgerichtet. Eine Attraktion ist dabei der große Holzofen, in dem nicht nur Klassiker wie Lammkeule und Pide zubereitet werden, sondern auch köstliche Schmorgerichte: wie das Kalbfleisch mit Auberginen, Zucchini, Tomaten und Paprika im Tontopf (11,90 Euro), ein aromatischer Eintopf aus Fleisch und kräftig gewürztem Gemüse, wie man ihn aus Mittelmeerländern in unterschiedlichen Varianten kennt. Auch Grillgerichte findet man einige auf der Karte des Piri Reis. Den Fleischspießen auf dem gemischten Grillteller (14,90) allerdings hat die Hitze merklich zugesetzt, auch das Lammkotelett wirkt mitgenommen. Ein begleitender Dip könnte da, auch angesichts ebenfalls eher trockener Beilagen wie Reis oder Pommes frites, das Essvergnügen steigern. Nämliches gilt für das Lamm aus dem Holzofen (21 Euro): das zarte, aromatische Fleisch wird auf einem Teller Reis serviert, garniert mit einem dicken Zwiebelring, Tomatenscheiben und rohen Paprika. Deftige, wohlschmeckende Landküche, der etwas kulinarische Raffinesse gleichwohl nicht schaden würde. Die findet man im Piri Reis bei den Vorspeisen: Vor allem die diversen, feinen Pasten auf dem kleinen Vorspeisenteller (7,50 Euro) erfreuen den Gaumen mit frischen Minze- und Korianderaromen. Die Auswahl an Gerichten ist im Piri Reis groß, von den fünf Nachtischen auf der Karte waren an diesem Abend aber nur zwei zu bestellen, darunter das süß-nussige Halva aus dem Ofen (5,50 Euro): eine genussvolle Möglichkeit, eventuelle Leerstellen im Magen auszukleiden.

Mit Rücksicht auf jugendliche Sportler und muslimische Sitten wird im Piri Reis kein Alkohol ausgeschenkt. So muss man sich mit Wasser, Säften oder Soft Drinks begnügen. Eine Warnung sei an dieser Stelle ausgesprochen: Salgam Doaganay soll im osmanischen Kulturkreis ein Nationalgetränk sein. Für hiesige Geschmäcker ist das herbe Gebräu aus Steckrübensaft hingegen eine echte Mutprobe.

 

Piri Reis. Restaurant & Cafè. Waldebene Ost 231, 70186 Stuttgart.

Tel. 0711/470 80 48. Geöffnet bis 23 Uhr, Freitag und Samstag bis 3 Uhr. Montag & Dienstag Ruhetag. www.pirireis.de