5
Nov

Khatia Buniatishvili spielt Werke von Chopin

Bebend vor Ausdruckswillen

 

Mit ihrer Liszt-CD hat sie im letzten Jahr aufhorchen lassen – nun hat Khatia Buniatishvili eine CD mit Werken von Fréderic Chopin auf den Markt gebracht, mit der die 25-jährige Pianistin aus Georgien den Ruf bestätigt, zu den interessantesten Persönlichkeiten der jüngeren Pianistengeneration zu gehören. Was ihr vulkanisches Temperament und ihre zirzensische Technik anbelangt, erinnert Buniatishvili an die junge Martha Argerich: geradezu bebend vor Energie und Ausdruckswillen, fegt sie wie ein Orkan durch schnelle Sätze wie das Finale aus der Sonate b-Moll oder das Allegro Vivace des zweiten Klavierkonzerts f-Moll. Bei letzerem assistiert ihr das Orchestre de Paris unter Paavo Järvi: eine nachgerade ideal erscheinende Liaison, sind sich Dirigent und Solistin doch offenbar einig in ihrem Bestreben um distinkten Audruck. Da klingt nichts einfach hingespielt, und wenn Khatia Buniatishvili beim Stretta-Schluss des f-Moll-Konzertes nochmal das Tempo anzieht und die rasenden Figurationen geradezu Funken stieben, ist man fast geneigt, den Atem anzuhalten. Mag sein, dass sie (noch) nicht alles kann. Oberstimmenkantilenen wie im Seitensatz der Marche funèbre klingen mitunter etwas dünn und wenig körperhaft, und manchmal, wie im cis-Moll-Walzer op.64/2 laufen ihre Finger auch mal schneller, als es das Metrum verträgt. Doch das Grave aus der b-Moll-Sonate spielt das zierliche Energiebündel bewegend, mit herber Größe und gebrochenem Pathos. Langweilig ist das nie.

Khatia Buniatishvili: Chopin.

Sony Classical 88691971292

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