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Jan

Das Neujahrskonzert des Stuttgarter Staatsorchesters unter Lothar Zagrosek

Wo bleibt das Lächeln?

Man kann darüber streiten, welche Ausrichtung mit dem Begriff Neujahrskonzert verbunden ist, aber gehört so ein bisschen nachsilvesterliche Feierstimmung nicht eigentlich dazu? Ein wenig Champagnerlaune, mit Musik, die unvernünftig ausgelassen macht, bevor der schnöde Alltag wieder einkehrt? Nun muss es nicht immer „An der blauen Donau“ sein, und ohne den Radetzkymarsch geht es sicherlich auch. Aber dass es genug Beschwingtes gibt, das gleichwohl nicht totgespielt ist, konnte man etwa beim Neujahrskonzert vor zwei Jahren mit dem Dirigenten Leopold Hager, der Sopranistin Natalie Karl und dem Tenor Matthias Klink erleben: manche mögen sich daran erinnern, das Publikum war kollektiv hingerissen seinerzeit. Die Musik hatte jedem ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Mit „Ein Lächeln“ war auch das Neujahrskonzert 2013 der Staatsoper unter der Leitung des langjährigen GMD Lothar Zagrosek im voll besetzten Opernhaus untertitelt. Doch das Lächeln blieb Ansage. Denn statt eines frisch-fröhlichen Jahreseinstands hörte man ein langweiliges Konzert, wie es auch in einer beliebigen Aboreihe hätte stattfinden können, mit einem Programm, das man getrost als konfus bezeichnen kann.

Es ging los mit einzelnen Sätzen aus Opern und Balletten von Jean-Philippe Rameau, die der vom Publikum freundlich begrüsste Lothar Zagrosek zu einer Suite zusammengestellt hat. Musik voller Esprit, rhythmischer Finesse und melodischem Reiz, die aber nur zur Geltung kommt, wenn sie mit der gebotenen Feinheit musiziert wird – was hier nur ansatzweise der Fall war. Die Tempi waren zackig, aber die rhythmische Gestaltung starr und unflexibel – von Leichtgkeit, Grazie, gar Eleganz keine Spur. Dazu kommt, dass sich moderne Orchester mit ihren obertonreichen Instrumenten damit grundsätzlich schwer tun. Das können Barockensembles einfach besser.

Mit zwei Konzertarien Mozarts demonstrierte Simone Schneider dann ihre große Kunst. Die Sopranistin, die derzeit als Donna Anna in Andrea Moses´ Don Giovanni-Inszenierung brilliert, sang zunächst „Vado, ma dove?“, das Mozart als Einlage zu einer Oper von Vicente Martin y Soler komponiert hat, und danach „Bella mia fiamma….Resta, o cara“, eine Auftragsarbeit Mozarts für die Sängerin Josefina Dusková. In letztere hat Mozart einige chromatische Klippen eingebaut, die Simone Schneider aber mit einer Grandezza umschiffte, die Staunen machte: trotz der pauschalen Begleitung durch das Orchester war ihr Auftritt ein Höhepunkt.

Leider der einzige. Komplett deplatziert im Kontext eines Neujahrskonzerts erschien Olivier Messiaens Mozart-Hommage „Un sourire“: ein introvertiertes Klangstück, bei dem das imaginierte Lächeln eher nach innen gewendet erscheint. In der trockenen Akustik des Opernhauses kam es überhaupt nicht zur Geltung. Kein Wunder, dass das Hüsteln und Tuscheln im Publikum zum Ende hin immer vernehmlicher wurde.

Zum Abschluss dann Beethovens achte Sinfonie. Wenn sie gut gespielt wird, steht man als Hörer wie unter Strom, und Lothar Zagrosek begann auch mit Verve. Doch auch hier verpuffte die Energie schon vor der Durchführung, auch der zweite und dritte Satz kamen kaum vom Fleck. Im Finale stimmte immerhin das Tempo. Es kann nur besser werden im neuen Jahr. (StZ)

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