21
Mai

Richard Strauss´ „Ariadne auf Naxos“ an der Staatsoper Stuttgart

Metaphern weiblicher Befindlichkeit

 

 

 

Fot:. A.T. Schaefer

Foto:. A.T. Schaefer

Für die Opernereignisse bleibt in Stuttgart weiterhin der Hausherr selbst zuständig. Die Neuinszenierung von Richard Strauss´ Oper „Ariadne auf Naxos“ wurde in der Regie des Intendanten Jossi Wieler zu einem Triumph für das Haus und sein Ensemble, das vom Publikum anschließend mit Ovationen gefeiert wurde. Nun hat Stuttgart ein besonderes Verhältnis zu dieser Oper, fand doch 1912 dortselbst die Uraufführung der „Ariadne“ am damals neu eröffneten Königlichen Hoftheater statt – ein mäßiger Erfolg, was vor allem daran lag, dass in der Erstfassung vor der eigentlichen Oper noch eine Bearbeitung von Molières „Der Bürger als Edelmann“ gegeben wurde, was keine schlüssige Verbindung war. Das vier Jahre später von Strauss neu komponierte Vorspiel ebnete der „Ariadne“ dann den Weg auf die Opernbühnen und etablierte gleichzeitig die Sicht auf das Werk als „Theater im Theater“: es geht darin um das Verhältnis von Kunst, Geld und Macht, gleichzeitig wird die eigentümliche Haltung des Stücks zwischen ernster und heiterer Oper aus der Launenhaftigkeit des Auftraggebers erklärt. Wieler dagegen deutete die beiden Protagonistinnen, die lebensmüde Ariadne und die kecke Zerbinetta, als symbolistische Metaphern weiblicher Befindlichkeit und zog daraus eine radikale Konsequenz: er machte das Vorspiel zum Nachspiel, das die eben gespielte Oper reflektiert.

 

Was kompliziert klingt, wird in Stuttgart in jedem Moment szenisch plausibel beglaubigt – ja, durch den Kunstgriff ergeben sich vielfältigste Brechungen und Perspektivwechsel, die überraschende Einsichten wie Irritationen hervorrufen. Anna Viebrock hat dazu das Foyer des Uraufführungsbaus von 1912 auf der Bühne nachgebaut – man blickt also quasi in die Vergangenheit, auf der sich das Geschehen wie in einem Traumspiel ereignet. Vom ersten Moment an wird man hineingezogen in eine surrealistische Szenerie, auf der sich wie in einem David Lynch-Film die Ebenen vermischen und chiffrenhaft zugespitzte Figuren auf- und abtreten, was zusammen mit der von Michael Schonwandt und dem Staatsorchester ungeheuer klangsinnlich realisierten Musik fast narkotische Wirkungen evoziert. Dass Szene und Musik so ineinander aufgehen liegt nicht zuletzt an einer überragenden Sängerbesetzung. Die überragende Christiane Iven verleiht der Ariadne eine somnambul verklärte vokale Intensität, das Koloraturenwunder Ana Durlovski verzückt das Publikum als  Zerbinetta, ein in weiße Spitze gehülltes Zauberwesen. Erin Caves gibt einen Bacchus, der mehr als weibliche Projektion erscheint denn als ein Mann aus Fleisch und Blut. Im Nachspiel dann brechen – halb Brecht, halb Beckett – alle Illusionen auf. Aber das muss man selber sehen. (Mannheimer Morgen)

 

 

Aufführungen am 24., 28. Mai und im Juni.

 

 

 

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