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TIDAL PREOS-D

Wie ich auf meinem Bericht von der High End 2013 in München beschrieben habe, war ich von der Vorführung der Firma TIDAL AUDIO stark beeindruckt: eine Gesamtperformance, wie ich sie in dieser Perfektion noch kaum einmal – vielleicht noch nie – gehört habe. Frappierend war dabei vor allem die ungeheure Durchsichtigkeit des Klangbilds, eine fast schon unheimliche Neutralität, die sich weit von allem anderen abhob, was sonst so auf der Messe zu hören war – Brodmann  ausgenommen, die ihre Lautsprecher allerdings klanglich nur suboptimal präsentierten.

TIDAL AUDIO PREOS-D

TIDAL AUDIO PREOS-D

Auf jeden Fall nahm ich mal Kontakt auf zu Jörn Janczak, dem Gründer und Chef von TIDAL, dessen Firma in Hürth bei Köln sitzt. Am Telefon wurde schnell klar, dass wir, was die Ansichten über Hifi anbelangt, auf der gleichen Wellenlänge sind – was mich angesichts der Vorführung auch nicht wunderte. Auf jeden Fall schlug mir Herr Janczak vor, doch mal eine seiner Vorstufen auszuprobieren.

Vorstufe, nun gut. In meinem Bericht über die Accuphase C-3800 habe ich ja meiner Begeisterung über dieses Gerät ausreichend Ausdruck verliehen, das immerhin als eine der weltbesten, wenn nicht als DER beste Vorverstärker überhaupt gilt. Die C-3800 würde ich behalten bis ans Ende meiner Hifi-Tage. Dachte ich.

Jedenfalls kam ein paar Tage später ein Flight Case mit dem Preos-D an – ja tatsächlich, die OVP von TIDAL Geräten sind massive Flight Cases, die wahrscheinlich einen Sturz vom Hochhaus überstehen würden. Darin war ein schwarzes Kästchen mit einem Anschaltknopf, einem Lautstärkeregler und einem Eingangswahlschalter: der Preos-D.

Der heißt so, weil er, im Gegensatz zum Vorgängermodell Preos, auch einen integrierten D/A Wandler hat. Davon aber später mehr. Jedenfalls schloss ich den Preos-D mal über Cinch (XLR-Eingänge besitzt er nicht) an meinen DP-700 und dann symmetrisch an die M-2000 an, nicht ohne hier zuvor die Phasenlage umzukehren – Accuphase verwendet bekanntermaßen eine andere XLR-Belegung.

Was dann passierte, damit hätte ich niemals gerechnet. Denn es war, als ob man nicht nur einen, sondern gleich mehrere Schleier weggezogen hätte: meine Brodmann VC7 lebten förmlich auf, das Klang besaß plötzlich eine ungekannte Transparenz, bis in den letzten Winkel durchhörbar und aufgefächert, als könnte man in den Aufnahmeraum regelrecht hineinsehen, bzw. -hören. Ich legte, wie immer in solchen Fällen, einige meine Lieblings-CDs ein, die ich seit Jahren in- und auswendig kenne: „My Song“ von Keith Jarretts Quartett mit Jan Garbarek aus den 70er Jahren, Billy Joels „Turnstiles“, auch einige Klassik-CDs aber der Eindruck blieb immer derselbe. Als hätte man die letzten Unschärfen aus dem Klang entfernt, erschienen Stimmen und Instrumente völlig realistisch, in ihren natürlichen Dimensionen. Mehrere Querchecks mit der C-3800 bestätigten das Ergebnis. Die C-3800, so unwahrscheinlich mir das zunächst selber schien, legt tatsächlich eine Art Weichzeichner über den Klang, zoomt sie dezent auf, sodass das Klangbild etwas fülliger, runder wird. Es ist im Grunde dasselbe, was ich in meinem Hörbericht über die A-200 geschrieben habe. Nicht dass das nicht gut klingen würde, ich vermute gar, dass viele Hörer diesem farbigen Klang den Vorzug geben würden. Aber das ehrlichere, in meinem Verständnis audiophilere Klangbild vermittelt der Preos-D.

Und damit nicht genug. Denn auch der Vergleich der Wandler des DP-700 mit dem DAC des Preos brachte dasselbe Resultat: nicht in dem Umfang wie bei der Vorstufe, aber dennoch deutlich wahrnehmbar, ist auch die Auflösung des Preos-DAC dem Wandler des DP-700 überlegen.

Ich muss zugeben, dass ich einigermaßen erschüttert war, nicht zuletzt deshalb, als ich von der Neutralität von Accuphase eigentlich immer überzeugt war. Aber Accuphase-Geräte besitzen – das macht der Vergleich deutlich – offenbar eine klangliche Signatur, die darin besteht, den Klang etwas runder, voller zu machen, ein kleines bisschen anzufetten.

So äußerlich unspektakulär der Preos wirkt, der Aufbau hat es in sich. Er hat nicht nur eine integrierte Stromreinigung, sodass der Einsatz von Power conditionern überflüssig wird (ja, sie wirken sogar als Dynamikbremse, ich habe es ausprobiert), auch eine referenzverdächtige Phonovorstufe ist mit an Bord. Der Listenpreis des  Preos-D liegt bei knapp über 23.000 Euro, was viel ist. Doch die C-3800 kostet in Deutschland 31.000, und das ohne DAC, Stromaufbereitung und Phonoteil. Allerdings mit Holzgehäuse.

Wichtig: Da ich seit Ende 2013, mein eigenes Wohnraumstudio concert audio betreibe und damit eine Vermischung von privaten mit geschäftlichen Interessen nicht auszuschließen ist, habe ich mich daher entschlossen, diesen privaten Audiophilie-Blog ab 2014 auf allgemeine Themen zu beschränken, d.h. es gibt von mir keine weiteren Beiträge über Produkte mehr  – diese stehen ab jetzt auf meinem Blog auf concert audio.
Kommentare von Lesern können natürlich weiterhin gepostet werden.

 

 

8 Kommentare vorhanden

  • Frank Neumann
    25. Juni 2013 15:29

    Hallo Herr Armbruster
    Mir sind die Produkte der Firma Tidal bestens bekannt,habe mich mal für die Piano Diacera
    interessiert und bei Tidal angehört.Ein Traumlautsprecher in jeder Beziehung. Mich würde
    die Vorstufe im Vergleich zur C-3800/2810 interessieren,bei den Boxen fand ich den Vergleich zu allen was ich bis dahin gehört habe, auch zu meiner Consensus Lightning SE
    echt krass.
    Bis dahin
    MFG. Frank Neumann

  • Hubert Windmüller
    17. Juli 2013 12:25

    Hallo Frank

    Ich habe mich nach deinem Beitrag auch mal auf der Homepage von TIDAL umgeschaut. Es liest sich als ob die Produkte von einem anderen „Stern“ sind!
    Gehört habe ich bis dato leider live noch nichts von TIDAL.
    Ich hoffe und wünsche mir allerdings das das Thema Accuphase auf dieser tollen Plattform jetzt kein Ende findet!

    Viele Grüße
    Hubert

  • Frank Armbruster
    18. Juli 2013 07:00

    Hallo Hubert

    nein, die Accuphase-Seiten werden bleiben, allerdings wird es von mir weniger neue Postings geben. Als Forum können Sie aber weiterhin gern genutzt werden.

    Viele Grüße

    Frank

  • Harald Steinert
    19. Juli 2013 20:59

    Hallo Frank,

    ich kann mir nicht vorstellen das der Unterschied so extrem ist wie du Ihn beschrieben hast. Accuphase verkörpert das klassische japanische High End Hifi in Reinkultur und trägt es in die heutige Zeit rüber verbunden mit Perfektion und Zuverlässigkeit. Bei allen Accuphase Komponenten die ich bis hören durfte hatte ich nicht den Eindruck gewonnen das es unscharf oder wie du es beschreibst an gefettet klingt. Meine Frau und ich besuchen wenn zeitlich möglich gerne Konzerte, wir hatten vor kurzem das Vergnügen Leonard Cohen live zu erleben. Nach den ersten 10 Minuten meinte meine Frau zu mir, das klingt ja wie bei uns zuhause, auch ich hatte persönlich festgestellt wie dicht meine Accuphase Komponenten am Original sind, sei es die Natürlichkeit in der Stimmwiedergabe oder der Höhenglanz von den Saiteninstrumenten, alles ließ sich fast 1:1 in meinem Hörraum übertragen. Ab diesem Zeitpunkt wurde mir klar das meine Hifi Suche nach Perfektion ein Ende gefunden hat. Ich hoffe das du der C3800 und den Monoblöcken nicht eines Tages doch nachtrauerst und du mit Tidal deine HiFi Perfektion gefunden hast. Ich freue mich auf weitere Eindrücke über Tidal deinerseits.

    Viele Grüße
    Harald Steinert

  • Frank Armbruster
    20. Juli 2013 06:52

    Hallo Harald

    die Unterschiede sind auch nicht extrem – es ist allerdings so, dass sich, wenn man sich in diesem Qualitätsbereich bewegt, auch absolut gesehen kleine Unterschiede sehr nachhaltig bemerkbar machen.
    Ganz ehrlich: mir war selber nicht bewusst, dass die C-3800 (und auch die M-2000) einen Eigenklang hat, die Klangereignisse etwas vergröbert – das sind Dinge, die man erst im Vergleich überhaupt wahrnimmt, und die TIDAL Komponenten haben mir diese Hörerfahrung ermöglicht. Wie gesagt: wer das nicht kennt, der vermisst auch nichts, ich habe mit meiner Accuphase-Kette auch nichts vermisst. Das Ohr hat zum Glück die Eigenschaft, sich auf die gegebenen Bedingungen einzustellen. Ich höre auch im Auto mit meiner zwar sehr ordentlichen, aber mitnichten highendigen Anlage mit viel Spaß Musik, das ist gar kein Problem.
    Was Leonhard Cohen anbelangt, so finde ich den Vergleich insofern schwierig, als er im Konzert ja über eine Saal-PA verstärkt wird. Und da ist in der Regel sogar eine kleine Hifianlage überlegen, auf jeden Fall was Tonalität und Auflösung anbelangt.
    Wie gesagt, möchte ich den Accuphase-Blog hier auch weiterführen, nur weil ich jetzt umgestiegen bin, finde ich die Sachen ja nicht schlecht!

    Viele Grüße

    Frank

  • Julien Seyerlein
    2. August 2013 23:31

    Hallo – ich sage jetzt auch eben Frank – nachdem dies doch ein sehr persönlicher Blog,
    mit sehr persönlichen Anliegen ist…

    ich kann mich dem Punkt, dass sich Bösendorfer auf der letzten HighEnd schlecht präsentiert hat nur anschließen. O.k., ich war kurz vor Ende im Raum. Es wurde schon fleißig abgebaut. Um mich als möglichen Interessenten hat sich keiner gekümmert 🙁
    Gut das ich schon ein Paar VC-7 habe ;–)
    Ich hätte gerne die großen, neuen Modelle erlebt.
    Davon stand ein Paar in der Aula. Über Geschmack lässt sich sicher streiten.
    MIr hat die Gestaltung jedenfalls nicht gefallen. Auch wenn sie zum Flügel passte.
    Ganz arg weh getan hat mir allerdings, dass die LS ohne Spikes, direkt mit der Bodenplatte auf dem Boden standen. Ist da das Geld ausgegangen? Und gibt es nicht so Unterlegdingens unter Spikes. Augenscheinlich konnte das nicht klingen. War ja auch nur zur Ausstellung gedacht – stelle ich mir vor. Oder sollte ich das vielleicht doch mal probieren?

    So, ein findiger Administrator verschiebt das jetzt an eine andere Stelle…

    Ihre Neuentdeckung weckt jedenfalls auch mein Interesse. Habe schon einen guten Artikel zu den Tidals gelesen.

    HighEnder sind ja ewig Suchende. Ich wünsche jedenfalls viele tolle neue Eindrücke mit den neuen Komponenten, viel Freude und höchsten Musikgenuss!

    Mit besten Grüßen, Julien

  • Rolf S.
    30. September 2013 11:12

    Hmmh, der Beitrag von Harald Steinert veranlasst mich jetzt, hier auch noch meinen Senf dazu zu geben.

    Scheinbar ist Leonard Cohen sehr leicht in ohrenscheinlich guter Qualität wiederzugeben….

    Was mich zu dieser Meinung veranlasst ist, dass ein Bekannter sich kürzlich ein Paar B&W 803d gegönnt hat, diese aber noch an einem Denon 7.1 Receiver (an zwei Kanälen angeschlossen) und einem Denon DVD-Player betreibt.

    Das klingt ungefähr so, wie sich eine lange S-Klasse mit dem Motor aus dem C180 Diesel fahren würde…

    Aber: Von einem analog angeschlossenen iPod Touch abgespielt, klang Leonard Cohen sogar hier richtig gut.

  • Stefan Pickl
    30. November 2013 08:26

    Sehr geschätzter Herr Armbruster!

    Ist doch schön wenn man immer wieder mal auf klangliche Perlen stößt.
    Mich würde ihre Meinung zu Devialet interessieren.
    Für mich eine der ganz großen klanglichen Sensationen der letzten Jahre.
    In HiFi der Zeitrechnung könnte man sagen wir befinden uns im Jahr 3 nach Devialet.
    Finesse, Kraft, Kontrolle, extreme Zeitrichtigkeit (alles andere klingt vergleichsweise langsam, träge) – unglaublich.

    Vielleicht bekommen Sie mal einen Devialet 170 oder 240 zum testen.
    Ich würde es Ihnen wünschen.

    Mit audiophilen Grüßen

    Stefan Pickl

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