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Mrz

Rudolf Buchbinder spielte Beethovens späte Sonaten

Unbeteiligt

Es zählt zu den Mysterien der Musik, dass das, worauf es ankommt, nicht ganz leicht zu haben ist. „Das Wichtigste in der Musik steht nicht in den Noten“, wusste Gustav Mahler, und so kann der Notentext als Chiffre gelten: eine Hilfe für den Interpreten bei der Suche nach jenem Ausdruck, den der Komponist im Sinn hatte. Auch wenn das Ergebnis naturgemäß unterschiedlich ausfällt, so bedarf es dazu vor allem: Einfühlung. Ohne die Fähigkeit des Musikers zur Imagination bleibt auch beschlagenstes Virtuosentum bloßes Handwerk. Die späten Klaviersonaten Beethovens verlangen gar noch mehr – hier sollte der Musiker in der Lage ist, das Manuelle gleichsam zu transzendieren, und das nicht erst in der sphärischen Trillerapotheose, mit der Beethovens seine letzte Sonate op.111 beschließt. Auf jeden Fall verlangt diese Musik ein fühlendes Herz – im Finale der E-Dur Sonate op. 109 weist schon die Satzüberschrift auf die geforderte Haltung hin: „Gesangvoll, mit innigster Empfindung.“
Wenn alles passt, kann der Eindruck gerade dieser Werke gewaltig sein. Man erinnert sich an Abende mit Alfred Brendel oder Grigory Sokolov, nach denen man beglückt, bewegt, nach Hause ging. Umso ernüchternder erschien am Dienstagabend im schwach besetzten Beethovensaal die mechanistisch-kalte Manier, mit der Rudolf Buchbinder Beethovens letzte drei Klaviersonaten herunterspulte. Auch wenn er nie als Charismatiker galt, so hat man ihn doch kaum einmal derart uninspiriert gehört wie an diesem Abend. Ohne spürbare innere Beteiligung absolvierte Buchbinder, der als Beethovenspezialist gilt, diese Gipfelwerke der Klavierliteratur. Keine Aura, nirgends nur ein Hauch von Poesie, Entrücktheit gar. Nicht in den Variationen von op. 109, wo das Thema am Ende profan wiederkehrte, als sei dazwischen nichts passiert, nicht in der grandiosen Fuge von op.110, die etüdenhaft dahinschnurrte und schon gar nicht in den Arietta-Variationen von op.111, die endeten, als würde das Licht ausgeknipst. Der Beifall war höflich, aber endenwollend.

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