Beiträge der Kategorie ‘Messeberichte’

9
Jun

Messebericht High End 2014

 

Noch nie war ich so gespannt auf eine Hifi-Messe wie dieses Mal, hatten sich doch noch nie so viele interessante Aussteller angekündigt. Ich hatte mir sogar 3 Tage Zeit genommen, um auch einen großen Teil davon abklappern zu können – geschafft habe ich dann doch nicht alles. Aber der Reihe nach.

Bevor ich mich an die Liste meiner Pflichtbesuche machte, ging ich erstmal so auf gut Glück los – schließlich stößt man ja manchmal auch aus Zufall auf interessante Sachen. Also rein in den
Raum von

Estelon

Estelon Extreme

Estelon Extreme

Wie der Firmenname schon andeutet (Estonia), stammt die Boxenschmiede aus Estland. Nach München hatten sie ihr Topmodell Extreme mitgebracht, ein mannshohes, aus 2 Modulen zusammengesetzes Trumm, das optisch etwas gewöhnungsbedürftig war und von Vitus Elektronik befeuert wurde. Die Chassis stammen von Accuton, und wie der Vorführer betonte, konnte man je nach Musikgeschmack die Raumabbildung in der Höhe verändern: Klanglich nachvollziehen konnte ich es nicht so richtig, dafür fiel mir auf, dass die Lautsprecher trotz ihrer Imposanz dynamisch irgendwie gedeckelt, nicht wirklich frei klangen. Die Stimme einer Sängerin war eindeutig zu hell timbriert, dafür fuhren einem bei einem Stück mit elektronischer Musik die (Sub-)Bässe mächtig in den Magen. Nun ja.

Dann ein kleiner Abstecher zu

dCS

dcs mit Wilson

dcs mit Wilson

Der Digitalspezialist führte seine Komponenten mit Endstufen von D´Agostino und Lautsprechern von Wilson vor. Eine Anlage, die sicher mehrere Hunderttausend Euro kostet, deren verwaschenes, belegtes Klangbild aber sehr enttäuschte. Hoher monetärer Aufwand ist kein Garant für guten Klang.

Sonus Faber

Sonus Faber Amati

Sonus Faber Amati

Ebenfalls mit Elektronik von D´Agostino, dem neuen Vollverstärker nämlich, spielte in der Vorführung von audio components die Sonus Faber Amati. Ich habe hier ziemlich lange zugehört, da ich dem Erfolg dieser Lautsprecher, die mir rein optisch gut gefallen, ein bisschen mehr auf die Spur kommen wollte: ich kann tatsächlich gut verstehen, warum das vielen gefällt. Es ist ein angenehmer, durchaus hoch aufgelöster  Klang, den man vielleicht als süffig bezeichnen könnte. Die Bässe sind rund, (etwas zu füllig für mein Empfinden), dafür die Höhen etwas gemildert, ohne matt zu sein. Es gibt zweifellos neutralere Lautsprecher, die die Musik unverfälschter transportieren. Aber nicht alle mögen das.

Big is beautiful

Big is beautiful

Gespart wurde nur am Kabel

Gespart wurde nur am Kabel

Nur den Kopf schütteln konnte man freilich bei der wohl befremdlichsten Vorführung der gesamte Messe: hier liefen insgesamt sieben (!) fette  McIntosh Endstufen an einer Sonus Faber, ich glaube der AIDA, in der Mitte ein Bigscreen. Darauf liefen einige Musikvideos, manchmal auch nur Musik, sofern man den ohrenbetäubenden Krach so bezeichnen möchte. Angeschlossen waren die Lautsprecher allem Anschein nach mit Kabel-Meterware – was letzlich auch konsequent war, klang es doch wie eine miese PA-Anlage. Mich packte nach ein paar Minuten der Bloß-raus-hier-Reflex.

Tannoy/Straussmann

Boom, boom!

Boom, boom!

Ebenfalls eher was für Hartgesottene war die Vorführung der Tannoy Westminster mit Elektronik von Straussmann. Diese Vorführung war quasi der Gegenentwurf zum zeitgeistigen Design-Hifi von Devialet & Co: eine Wucht die mächtigen Holzaltare von Tannoy mit dem prominent angebrachten Riesenwoofer im Zentrum, dazu passten die nach industrieller Frühzeit  aussehenden  Art Déco-Geräte von Straussmann. Ein auf seine Art konsequentes Retro-Fest mit Lautstärke im gefühlten dreistelligen db-Bereich. Boom, boom! Aber Achtung: Nur für harte Männer!
Weicheier wie ich verzogen sich da schnell in agreablere audiophile Zonen, etwa in den Raum von

Franco Serblin

Franco Serblins "Ktema"

Franco Serblins „Ktema“

Der Gründer von Sonus Faber, im letzten Jahr verstorben, baute nach dem Verkauf seiner Firma in eigener Regie weiter Lautsprecher: die Modelle Ktema und Accordo. Erstere, eine wunderschön gemachte Vier-Wege-Box in ungewöhnlicher, nach hinten konkav zulaufender Form, wurde mit super-exklusiver Röhrenelektronik der Schweizer Firma Amati betrieben und zählte für mich zu den herausragenden Vorführungen dieser Messe. Bemerkenswert war nicht bloß, dass auch das vorgeführte Musikmaterial abseits des üblichen Messe-Mainstreams war: das war endlich mal kein verfärbtes, auf Effekt getrimmtes Hifi, sondern eine ungemein realistische, klangfarbentreue und extrem hoch aufgelöste Wiedergabe, die mir sehr gut gefiel.
Der Preis für die Ktema ist beachtlich: 27.500 – in Relation zu manch völlig überteuertem Zeug auf der Messe aber durchaus angemessen.

Grimm

Einen ebenfalls guten Eindruck hatte ich von Grimm. Der holländische Hersteller baut Aktivboxen, die etwas merkwürdig altbacken aussehen, deren Design aber ausschließlich akustische Gründe hat. Nun bin ich, zugegeben, eigentlich kein großer Aktiv-Fan, und wenn ich DSP höre, gehen bei mir die Alarmlampen an, denn in der Regel ist das klangliche Ergebnis technisch und künstlich. Die Entwickler der Grimm LS1 aber scheinen es hingekriegt zu haben, den Frequenzgang so zu harmonisieren, dass es sehr natürlich, räumlich, gut aufgelöst und feindynamisch klingt. Einzig die Bassqualität empfand ich auf eher durchschnittlichem Niveau, und etwas körperhafter geht es sicher auch noch. Der Preis ist mit 25.000 Euro hoch, aber für das Gebotene durchaus angemessen.

MBL

Edelelektronik, goldbeknöpft

Edelelektronik, goldbeknöpft

Reingeschaut, bzw. -gehört habe ich wieder mal bei MBL. Ich kenne ja ziemlich viele, für die die MBL-Vorführungen immer die absoluten Messe-Highlights darstellen, nicht zuletzt deshalb wollte ich mir einen aktuellen Eindruck verschaffen. Meine Einschätzung von deren Produkten, zumindest von den vorgeführten, hat sich aber auch nach dieser Hörsession nicht geändert: Das ist gutes Hifi zu absurden Preisen, das bei mir keinerlei Haben-Wollen Reflex auslöst. Am überzeugendsten war die Vorführung einer Orgelaufnahme, das brauste schon sehr imponierend und füllte mächtig den Raum – wie in einer Kirche. Nun benötigt eine Orgel aber auch wenig räumliche Definition, und die folgende Solocelloaufnahme brachte dann die Defizite dieser Kette schonungslos ans Licht. Der Bass einfach viel zu dick aufgetragen, vor allem die Höhen nicht gut aufgelöst – die typischen Anstreichgeräusche des Bogens waren kaum zu hören. Noch unrealistischer klang eine Trompete: fett und viel zu groß, fast mit dem Timbre eines Tenorsaxofons.
Was die Preisgestaltung und die Optik anbelangt, so schein man bei MBL aber ohnehin weniger den typischen Audiophilen im Visier zu haben, sondern eher auf gut betuchte russische, bzw. arabische Kundschaft zu setzen. Die Radialstrahler kosten allein 190.000.-, die weißen Elekronikkomponenten  zwischen 20.000.- und 40.000.-. Dafür haben sie auch Goldknöpfe.

Soulution/Magico

Nervig: Magico

Nervig: Magico

Auch die Vorführung des Schweizer Herstellers von Edelelektronik Soulution zusammen mit Lautsprechern von Magico beeindruckte vor allem mit hohen Preisen. Die Qualität der Elektronik war allerdings kaum zu beurteilen: denn an diesen in der Fachpresse völlig überbewerteten Lautsprechern klingt wahrscheinlich keine Elektronik gut: die Box nervt einfach mit zischeligen S-Lauten, den Schärfen im Hochton und dem merkwürdig gedeckelten Klangbild, das sich nicht von den Membranen lösen will.  Ob´s vielleicht auch an der Vovox-Kabeln lag?

En passant

Hier wie immer noch ein paar Kurzeindrücke.
Wie immer auf hohem Niveau war die Vorführung bei TAD: extrem sauber, detailliert, dass ich davon dennoch nach kurzer Zeit genug hatte, lag vermutlich an dem etwas technischen, leicht sezierenden Grundklang. Obwohl es eigentlich objektiv nichts zu meckern gab war das eine Anlage, bei der ich nicht wirklich entspannen konnte.  Wahrscheinlich hat es damit zu tun, dass das menschliche Ohr sehr sensibel auf Störungen reagiert – selbst wenn der Verstand nichts auszusetzen hat, besitzt der Gehörsinn sein eigenes Verständnis von tonaler Wahrheit.

Sauber, aber technisch: TAD

Sauber, aber technisch: TAD

 

 

 

 

 

 

Ähnliches würde ich von Nubert sagen, deren Hörraum einer der am besten besuchten der gesamte Messe war. Ja, der Schorndorfer Hersteller hat sich ein treues Stammpublikum erarbeitet, was nicht von ungefähr kommt: denn das ist zwar nicht der audiophile Traum, aber gutes Hifi ist es allemal – und das, anders als bei TAD, zu sozialverträglichen Preisen.

Nichts Wertendes werde ich über die Vorführungen von TIDAL und Brodmann Acoustics schreiben, biete ich doch die Produkte beider Firmen in meinem Studio an. Allenfalls sei erwähnt, dass TIDAL sein neues Lautsprechermodell Contriva G2 vorgestellt hat und Brodmann seine Lautsprecher mit der sehr avancierten Elektronik von Thrax präsentierte. Auf die Neuauflage der Piano Cera von TIDAL (die dann Piano G2 heißen wird) muss man dagegen offiziell noch bis nächstes Jahr warten – mit etwas Glück aber ist sie bereits im Herbst in meinem Studio zu hören.

Große Boxen, kleiner Raum: Marten

Große Boxen, kleiner Raum: Marten

Eine superteure Anlage hatte auch der schwedische Hersteller Marten in einem viel zu kleinen Raum aufgebaut. Über die Qualität kann man ehrlicherweise nicht viel sagen, da die Monsterlautsprecher Coltrane Supreme 2 (Preis über 230.000.-) wohl einen weitaus größeren Hörabstand benötigt hätten als hier möglich war. Die Elektronik kam von darTZeel, verkabelt war mit Strippen von Jorma Design, und den Strom lieferte ein Power Conditioner von Gigawatt.

Ordentlich klang auch die Vorführung von Devialet mit Lautsprechern von B&W, wenn man mal von den bekannt aufgedickten Bässen dieser Lautsprechermarke absieht.

The Vario`s

Hifi macht Spaß: The Vario´s

Hifi macht Spaß: The Vario´s

Und auch was richtig Lustiges gab es auf dieser High End, das ich keinesfalls unter den Tisch fallen lassen möchte: The Vario´s nennt sich die italienische 3-Mann-Firma, die die wohl originellsten und lustigesten Lautsprecher der Welt baut – eigentlich eher Designobjekte, die darüberhinaus aber gar nicht mal schlecht klingen. Diese Skulpturen vermitteln sogar eine Botschaft, die sich manch verbissener High End Fanatiker mal hinters gestresste Ohr schreiben könnte (da will ich mich selber gar nicht ausnehmen…): Letztendlich geht es darum, Freude zu haben an der Musik. Und etwas Spaß kann nie schaden.

2
Jun

High End München 2013

Stimmen Stimmen?

 

Ein persönlicher Bericht von der High End Messe in München 2013

 

Nachdem mir im Vorjahr die Zeit zu knapp wurde, um auch nur jene Aussteller abzuklappern, die ich mir vorgenommen hatte, plante ich diesmal großzügiger: einen knappen Nachmittag und den ganzen folgenden Tag hatte ich zur Verfügung. Das sollte reichen – dachte ich.
Aber leider hatte ich nicht damit gerechnet, dass Ohren keine grenzenlos belastbaren Organe sind: nach ein paar Stunden in wechselnden Hörstudios stellen sie zwar ihre Funktion nicht ein, melden dem Großhirn aber eindeutig den Zustand von Überforderung. Dann braucht auch der willigste High Ender eine Pause.

TAD

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Teuer und gut: TAD

Einige Hersteller wollte ich aber auf jeden Fall besuchen, darunter auch die Firma TAD, ein Kürzel für „Technical Audio Devices“. Das ist eine Tochterfirma von Pioneer, die sich vor allem in der Studioszene einen Namen gemacht hat, seit einigen Jahren aber auch das klassische Home Hifi Segment mit hochpreisigen Produkten bedient.
In München hatten sie eine Kette mit dem Teuersten aufgebaut, was der Katalog hergibt. Allein die Lautsprecher Reference One kosten 70.000 €, für die Monoblöcke M600 und die Vorstufe C600 sind zusammen nochmal über 90.000 hinzulegen, und auch der CD-Spieler D600 schlägt mit satten 31.000 zu Buche. Damit ist auch der Anspruch definiert: das sollte Ultra High End sein. Und das ist es auch.
Die Kette spielte ungemein sauber und körperhaft, mit einem auf einnehmende Art unspektakulären Klang, der sich auf einem präzisen wie dezenten Bassbereich aufbaut. Signifikant, dass diese Vorführung – im Vergleich zu den meisten anderen – gar nicht besonders laut war, denn das brauchte sie gar nicht, konnte man doch schon in besserer Zimmerlautstärke jedes Detail hören. Die ersten Hörbeispiele waren Jazz, der wirklich sehr realistisch klang, hoch aufgelöst, impulsstark, mit realistischen Abmesssungen der Instrumente. Wirklich gul.
Hellhörig wurde ich, als dann eine CD von einer meiner Lieblingsjazzsängerinnen, nämlich von Ida Sand, eingelegt wurde. Deren Stimme kenne ich nämlich von diversen Aufnahmen sehr gut, und ich war etwas irritiert, dass diese über die TAD-Kette leicht eng, minimal gequetscht klang und auch die tiefen Frequenzbereiche etwas überbetont waren. Ein Eindruck, der sich bei den darauf zu hörenden Aufnahme mit Männerstimmen bestätigte. Damit deutete sich schon an, was ich im Verlauf der vielen Hörsessions während der Messe noch feststellen würde: nichts ist so schwer realistisch darzustellen wie menschliche Stimmen. Selbst sehr gute Anlagen wie diese von TAD können da mitunter Schwächen offenbaren.

 

Canton

Bei Canton hörte ich aus Neugier mal rein, denn diese Firma besaß in meiner Jugend einen exzellenten Ruf. Wer es sich damals leisten konnte, kaufte sich Cantonboxen, und mit seinen Reference-Modellen ist der legendäre deutsche Boxenpionier auch heute wieder in den Ranglisten der einschlägigen Magazine ganz oben zu finden. Dass das aber vermutlich weniger mit den Qualitäten der Lautsprecher als mit der Anzahl der dortselbst geschalteten Anzeigen zu tun haben dürfte, zeigte die Vorführung der Reference DC 1.2 leider sehr deutlich. Der Vorführer hob eindringlich die Qualität der eingebauten Mitteltöner hervor und spielte zum Beleg eine Live-Aufnahme mit vier verschiedenen Männerstimmen. Das hätte er mal lieber lassen sollen. Die Stimmen tönten verfärbt und tonal unausgewogen, mit zischigen S-Lauten, bei Instrumentalstücken dann bullerten die Bässe fast wie in Özgürs tiefergelegtem Golf an der Ampel. Ich empfinde das wie Car-Hifi in Großformat. Fehlt nur noch der Wunderbaum.

 

Raidho

Teuer, aber mäßig: Raidho C 4.0

Teuer, aber mäßig: Raidho C 4.0

Dass Dänen gute Lautsprecher bauen können, ist ja bekannt, Dynaudio und Dali beweisen es seit Jahren. Mit Raidho ist seit einiger Zeit ein weiterer Hersteller auf dem Markt, der bereits einige Lorbeeren in Form guter Testberichte einheimsen konnte und in München sein Topmodell C 4.0 präsentierte. Angesichts des Verkaufspreises von 85.000 € bietet sich freilich an dieser Stelle ein kleiner Exkurs an:

Warum muss High End so teuer sein?

Wer sich die Preise für High End betrachtet, der kann den Eindruck gewinnen, dass manche Firmen es geradezu darauf anlegen, die teuersten Produkte im Sortiment zu haben. Klar, auch früher gab es schon sündteures Hifi. Mittlerweile aber sind bei Elektronik fünfstellige Europreise fast schon die Regel, bei Lautsprechern wird es nicht selten gar sechsstellig.
Nach meiner Einschätzung gibt es für diesen Trend vor allem zwei Gründe.
Der eine ist in den neuen, außereuropäischen Märkten zu suchen. Vor allem in Fernost, In Russland und den arabischen Ländern gibt es eine relativ neue, extrem statusorientierte Käuferschicht, für die Geld nur insofern keine Rolle spielt, als sie genug davon haben. Da braucht es nicht günstig zu sein, im Gegenteil: nur wenn es möglichst teuer ist bietet der Kauf einen ausreichenden Distinktionsgewinn. Ein Händler berichtete mir, dass sich auf einer Messe ein Russe nach dem Preis der ausgestellten Kette gefragt habe, immerhin die Spitzenprodukte der Firma. 120 000.- € antwortete der Händler, worauf der Russe gelangweilt abgewunken habe. Zu billig, meinte er. Bei 300 000.- wäre man vielleicht ins Geschäft gekommen.
Darauf haben die Firmen reagiert. Und zwar nicht nur dadurch, dass die Produkte immer teurer, sondern, vor allem was Boxen anbelangt, auch immer größer werden. Denn wo es mehr um Status als um Klang geht, ist mit feinen Zweiwegmonitoren kein Staat zu machen. Da müssen es schon übermannsgroße Monsterkisten sein. Wie die kingen, ist eine andere Frage.
Der andere Grund erschließt sich, wenn man sich die Bestenlisten der Hifimagazine anschaut, wo die Qualität der Lautsprecher quasi in einem direkten Verhältnis zum Verkaufspreis zu stehen scheint, nach dem Motto: teurer ist immer auch besser. Das ist zwar de facto absurd, aus Marketingperspektive aber nachvollziehbar. Denn mal angenommen, die Isophon Berlina RC11, Listenpreis 150.000 €, stünde nicht als teuerste Box des Testspiegels von Stereoplay auch ganz oben, sondern da, wo ich sie klanglich platzieren würde, nämlich auf jeden Fall deutlich hinter die Dynaudio Focus 380 (6200.-): Was wäre das für eine Blamage! Stereoplay hätte da wohl auf absehbare Zeit keine Anzeige von Isophon mehr zu erwarten.
Ich will damit nicht sagen, dass teure Boxen nicht auch sehr gut sein können. Aber gesteigerter technischer Aufwand geht durchaus nicht zwangsläufig auch mit besserem Klang einher.

Damit wären wir jetzt wieder bei

Raidho und der 85.000 Euro teuren C 4.0, von der ich ehrlich gesagt einigermaßen enttäuscht war. Zwar war die Auflösung durchaus ordentlich, aber das Ungetüm hatte den für viele Lautsprecher dieses Kalibers typischen, vorlauten Blubberbass, dazu war das Klangbild insgesamt merkwürdig verhangen: die Anblasgeräusche eines Saxophons waren mehr zu erahnen als zu hören. Hätte ich mehr erwartet.

 

ADAM AUDIO

Weniger erwartet habe ich dagegen von Adam Audio. Ich bin nicht unbedingt ein Aktivfan, dazu finde ich die Lautsprecher von Adam ausnehmend hässlich, dass ich sie niemals in mein Wohnzimmer stellen würde. Aber klanglich war ich angenehm überrascht: Sehr feine Auflösung, tonal stimmig, differenzierte Bühnendarstellung. Alle Achtung.

 

DYNAUDIO

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Giftig: Evidence Platinum

Ein Besuch hier war natürlich Pflicht, zählt die dänische Lautsprecherfirma bekanntermaßen seit vielen Jahren zu meinen Favourites: Gerade die „normalen“ Lautsprechermodelle von Dynaudio wie die aus der Contour- oder der Focus-Reihe finde ich nach wie vor State of the Art, Besseres ist für das Geld schwer zu finden. Etwas schwerer tue ich mich seit einiger Zeit mit den Spitzenprodukten der Firma wie etwa der neuen Evidence Platinum (64.500.-). Die war nicht beim Dynaudiostand selber, sondern gegenüber bei OCTAVE an einer Monsterkette mit riesigen Monoblöcken zu hören. Tja, was soll ich sagen? Auch hier gilt: größer und teurer ist nicht immer besser. Klar, das war ein unglaublich straffes, durchhörbares Klangbild, in seiner unspektakulären Aufgeräumtheit und Diskretion typisch Dynaudio. Aber wieder offenbarte die Stimmwiedergabe Schwächen: Scharfe S-Laute und leicht gequetscht sang da Peter Green,auch so ein klein bisschen harsch, giftig, unrund, in etwa so, wie ich auch die aktuellen Confidence-Modelle im Ohr habe. Woran das liegt? Keine Ahnung. Vielleicht gefällt das ja den Ölscheichs.

 

 

 Gauder Akustik

Da wir gerade bei Isophon waren: Isophon heißt jetzt, nach dem Entwickler der Boxen, Gauder. Das ist aber auch die einzige Neuigkeit, denn klanglich finde ich die Kisten immer noch mau, dem Schild „Bester Lautsprecher der Welt“ zum Trotz, das neben der Berlina RC11 hing. Auch hier entlarvte die Stimmwiedergabe tonale Schwächen, in diesem Fall sang Diana Krall etwas quetschig und scharf, dazu wummerte der Bass schier die Ohren zu. Nein, danke, die 150 000 Euro, sofern ich sie hätte, würde ich lieber für was anderes ausgeben.

 

TIDAL   

Best of show: TIDAL

Best of show: TIDAL

Für Tidal vielleicht. Die Vorführung des deutschen Ultra High End Spezialisten, der hierzulande noch wenig, in den USA dafür schon ziemlich bekannt ist, war für mich eines der Highlights der Messe, in der Gesamtperformance vielleicht sogar „Best of the Show“, weshalb ich mich auch etwas wunderte, dass der TIDAL-Hörraum eher durchschnittlich frequentiert war – High End auf diesem Niveau dürfte man bei kaum einem Händler jemals hören können, was auch daran liegt, dass TIDAL, ahnlich wie TAD, das alleroberste Preissegment bedient: der Wert der hier vorgestellten Anlage dürfte die 300.000 Euro Grenze deutlich übersteigen. Wer aber soviel Kohle ausgeben kann, kriegt dafür auch ordentlich was geboten.
Bei dieser aus einer Analogquelle gespeisten Anlage gab es wirklich gar nichts zu meckern. Egal ob Pop, Klassik oder Jazz, hier klang alles absolut stimmig: das beginnt mit einem vorbildlich sauberen, knochentrockenen Bass (Paukengrollen etwa klang adäquat mächtig, aber ohne dass dabei, wie bei Backes & Müller oder Konsorten, gleich die Wände einzustürzen drohen), dazu kommen eine geradezu explosive Dynamik, feinste Auflösung und eine Bühnenabbildung, die hier, anders als oft behauptet, wirklich realistisch wirkt. Ein großes Klangbild entsteht dabei nicht durch Aufzoomen der Instrumente, sondern durch Auffächern der Klangereignisse und Rauminformation.
Auch optisch sind die Komponenten fabelhaft gemacht, die Lautsprecher (hier war es das zweitgrößte Modell. die Agoria, Gewicht 440 kg, Preis um die 85.000 €) glänzen mit einem wunderbaren Makassarfurnier. Angetrieben wurden sie von gleich vier TIDAL-Monoblöcken, verkabelt war alles mit Argento Audio, ein Stereoset des Flow Master Reference Lautsprecherkabels kostet 9400 Euro. Pro Meter.
Das klang schon toll und zeigt, was heute machbar ist. Freilich kann man sich angesichts des gigantischen materiellen und finanziellen Aufwands, der da getrieben wird schon fragen, ob High End auf diesem Niveau nicht auch mit weniger Material- und Geldeinsatz zu verwirklichen ist. Dass das gehen kann, zeigt beispielsweise

 

 

Brodmann

Es ist ja kein Geheimnis, dass deren Lautsprecher seit der High End 2012 ganz oben auf meiner persönlichen Liste stehen. Seit ich die fabelhaften VC7 mein eigen nenne, ist für mich das Thema Lautsprecher erst mal erledigt, daran kann auch Tidal nichts ändern. Und da die Wiener Firma ihr komplettes Lautsprecherprogramm dabei hatte, war ein Besuch hier natürlich Pflicht. Brodmanns Spitzenmodell, die JB 205, war allerdings nicht in der Vorführung, sondern stand im Foyer des MUC neben einem Flügel der Firma, die ja auch hochwertige Klaviere baut.

Brodmann JB 205 mit Flügel

Brodmann JB 205 mit Flügel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nun war der Brodmann-Raum, anders als der etwa von TIDAL, wohl nicht in erster Linie als Hör-, sonder eher als Ausstellungsraum konzipiert. Zwar konnte man drei komplette Anlagen hören – darunter auch die VC7 – allein die räumlichen Verhältnisse verhinderten aber, dass die Lautsprecher ihr wirkliches Potential zeigen konnten. Der Andrang bei Brodmann war trotzdem groß, allmählich scheint sich herumgesprochen zu haben, dass hier Außergewöhnliches geboten wird. Beispielhaft konnte man das am kleinsten Lautsprecher von Brodmann, der FS aus der Festival-Reihe hören. Die grade mal schuhkartongroße Box – Gewicht je 10kg, Preis pro Paar unter 3000 € –  dürfte, was Dynamik und tonale Stimmigkeit anbelangt, das Gros der auf der Messe vorgestellten Boxen an die Wand spielen, ganz egal welcher Preisklasse, und das, obwohl man keine Tiefbassorgien von ihr erwarten kann. Bei vielen Besuchern sorgten die Minis denn auch für Ahs und Ohs – manche konnten zunächst gar nicht glauben, dass hier wirklich die kleinsten Lautsprecher spielten. Angesteuert wurden sie von einer sehr hochwertigen Kette von Electrocompaniet mit 2 Monoblöcken, was mit zu der überzeugenden Vorstellung beigetragen haben dürfte.

Brodmann mit den kleinen FS

Brodmann mit den kleinen FS im Vordergrund

 

 

Wilson Audio

Rappelvoll war die Bude bei Wilson, was wohl vor allem an dem gigantischen Werbeaufwand der Amerikaner liegen dürfte. Optisch erinnern mich die Kisten immer etwas an Müllcontainer, was nicht nur an der Plastikrollen liegt, auf denen sie stehen. Klanglich? Nun ja, für mich ist das irgendwie Brachial-Hifi: alles ist etwas zu dick aufgetragen, dazu klingen Stimmen – wieder einmal – deutlich verfärbt. Bei der Vorführung des Modells „Sasha“ wurde einem ein Bassgitarrengewitter um die Ohren gehauen, gefolgt von einem Show-Orchesterstück, ganz gut aufgelöst und räumlich, aber auf Dauer nervig. Wie bei überwürztem Essen hat man schnell genug davon.

 

En passant 

Kurz reingeschaut und reingehört habe ich bei diversen Ausstellern, hier zusammengefasst noch einige  Eindrücke.

(Schlecht) klingende Hundeknochen: Kharma

(Schlecht) klingende Hundeknochen: Kharma

Einen Besuch bei Kharma konnte ich mir einfach nicht verkneifen, obwohl das schon im Vorjahr nicht erquicklich war. Aber die im Hundeknochendesign aufwartenden und nach wirklich gar nichts klingenden Monsterboxen sind einfach zu schräg, als dass man sie igorieren könnte.

 

 

043

AYON: Wer will an den Marterpfahl?

 

 

 

 

 

Die Tendenz zu immer größeren Boxen zeigte sich auch bei der Firma Ayon: Riesige Pfähle im Baumstammdesign nach dem Motto „big is beautiful“, klanglich Richtung Wilson mit einer Tendenz zum Boosten. Auf den ersten Höreindruck klingt das ganz gut, auf den zweiten vermisst man aber eine nachvollziehbare Bühnenabbildung, Instrumente wie Stimmen waren trotz SItzen im Sweet Spot kaum zu orten.

Dan d´Agostino präsentierte seine Verstärker im Personenwaagendesign mit Lautsprechern von Sonus Faber – warum das nun derart matt und langweilig klang, ob´s an der Elektronik oder den Lautsprechern oder dem Raum lag – keine Ahnung.

 

Spacy, spacy...Göbel

Spacy, spacy…Göbel

Gute Chance auf den Titel des hässlichsten Lautsprechers könnte man dem Modell Epoque Reference von Göbel zugestehen, die so ein bisschen nach Raumschiff Enterprise aussehen. Über den Klang will ich mich nicht weiter auslassen….

 

 

Zum Schluss aber noch ein Tipp: die Koax-Lautsprecher der Firma  KAOS mögen vielleicht etwas antroposophisch aussehen, klingen aber dafür richtig gut.

033

17
Mai

High End in München 2012 Besuchsbericht

BASS ODER WAS?

Selbst wenn man nicht wissen sollte wo das MUC in München-Freimann genau zu finden ist: man braucht sich einfach an den Plakatwänden mit der Hifi-Werbung orientieren. Wenn dann noch vermehrt unauffällig gekleidete Männer mit bedruckten Plastiktüten auftauchen,  auf denen „Dynaudio“ oder „B&W“ steht, kann man sicher sein: es ist nicht mehr weit sein zur High End. So war es auch an dem regnerisch-kühlen Sonntag, an dem ich nach München kam. Es war mein dritter Besuch bei der Riesenmesse, die wieder einen Rekord verbuchen konnte, was die Zahl der Aussteller anbelangt. Von Accustic Arts bis Zen Sati war wirklich fast alles vertreten, was in der Szene Rang und Namen hat, mit den bekannten, dafür umso bedauerlicheren Ausnahmen: Accuphase etwa sucht man hier schon immer vergebens. Enttäuscht war ich auch, dass Magnepan diesmal nicht vertreten war, zu gerne hätte ich den neuen Flächenstrahler 3.7 gehört.

Da ich nur einen Tag Zeit hatte, war bei über 350 Ausstellern jedenfalls jeder Versuch, hier auch nur alle Aussteller mit Hörstudios abzuklappern, von vornherein obsolet. Ein paar Pflichtbesuche hatte ich auf meiner Liste. Der Rest sollte sich ergeben.

DYNAUDIO

In der Hoffnung, endlich einmal das legendäre Topmodell „Consequence Ultimate Edition“ hören zu können, machte ich mich also zuerst auf zu DYNAUDIO ins Atrium der Halle 3. Und gleich ein langes Gesicht, als ich erfahren musste, dass sie die Consequence gar nicht mitgebracht hatten. Stattdessen wurde die neue drahtlose XEO vorgestellt – eine schöne Sache für designorientierte Zeitgenossen, die sich ihre Lofts nicht mit Kabelsträngen verschandeln lassen wollen (einen Netzanschluss brauchen die Dinger freilich trotzdem noch…aber vielleicht gibt es ja bald eine Akkuversion). Und das klang auch wirklich nicht schlecht – bisschen dünn vielleicht. Aber für den echten High Ender eher uninteressant. Interessanter war dann die Vorführung in der Chord-Box mit der Confidence 4, die ja nun auch schon einige Jahre auf dem Buckel hat und die mir in den bisherigen Vorführungen nie wirklich zusagen wollte. Diesmal aber wurde sie von zwei fetten Monoblöcken angesteuert, und plötzlich legte die Box jene Qualitäten an den Tag, die ich bisher vermisst hatte: Schöne Klangfarben vor allem, aber auch einen wirklich konturierten Bass. Ob die C4 tatsächlich auch so eine Mimose ist, was Verstärker anbelangt, wie meine Confidence 5? Die ich freilich gegen die C4 nicht tauschen würde. Wie aus gut informierten Kreisen bekannt wurde, bastelt DYNAUDIO derzeit an den Confidence-Nachfolgemodellen. Da kann man nur hoffen, dass die neuen nicht mehr das Klammeraffendesign der aktuellen Serie aufweisen.

Irgendwie süß: Dynaudio XEO, drahtlos

 

 

 

 

 

 

 

 

BACKES & MÜLLER

Und weil ich schon mal da war, schaute ich gegenüber mal bei BACKES & MÜLLER rein. Nein, das ist keine Firma für Bäckereibedarf, sondern der deutsche Aktivboxenpionier, aber das wissen Sie ja schon längst. Vielleicht weiß aber nicht jeder, dass B&M zusätzlich zu seinen riesigen Standboxen wie der BM 35 oder BM 50 seit einiger Zeit auch noch Subwoofer anbietet, die ebenfalls Übermannsgröße haben. Solche wurden dann im Verbund mit der BM 35 vorgeführt, dabei kam eine Perkussionsaufnahme zum Einsatz, auf der auch – wie der Vorführer betonte – eine Pauke mit einem Durchmesser von 1,5 m zu hören war. Was man aber hörte, klang eher wie das Umstürzen eines erlegten Tryannosaurus Rex in einer Dolbyversion von Jurassic Park. Oder ein veritables Erdbeben der Stärke 7,5. Die Besucher im gut gefüllten Studio jedenfalls schienen sehr beeindruckt, und das war dann auch eine Erfahrung, die ich im weiteren Verlauf des Tages immer wieder machen sollte: nichts kommt so gut (an) wie Bass. Je mehr Bass, desto besser, bis die Trommelfelle wackeln und die Magenwände vibrieren.
Abschließend noch zu B & M: Nicht, dass diese Boxen schlecht klingen, weder die präsentierte BM 35 noch die größere BM 50, die früher schon mal gehört habe, aber irgendwie werd ich mit den Kisten auch nicht wirklich warm. Wie die allermeisten dieser sogenannten Superlautsprecher finde ich auch hier den Klang etwas zu sehr auf Effekt und Wirkung getrimmt. Stimmen erscheinen wie aufgezoomt, ein spektakulärer Breitwandsound ohne wirkliche Feinauflösung. Wie bei überwürztem Essen, das auf den ersten Bissen toll schmeckt, entwickle ich da schnell einen gewissen Überdruss und war nach einer Viertelstunde Hören froh, wieder draußen zu sein. Aber wem´s gefällt…….

 

 

 

 

 

 

 

 

AUDIONEC

Ganz anders als bei AUDIONEC. Dessen Entwickler Jörg Klein hatte diesmal nicht seine ganz große „Answer“, sondern die etwas abgespeckte Version seines außergewöhnlichen Schallwandlers mit konventionellem Basstreiber anstelle des Dipolstrahlers mitgebracht. Die Mittel- und Hochtontreiber allerdings sind die selben wie bei jenem Modell, das einige Fachmagazine im letzten Jahr als die beste Vorführung der gesamten Messe ausgezeichnet haben, angesteuert wird die auch optisch ungewöhnliche Box von einem digitalen Musikserver mit integriertem DSP-System zur Raumanpassung. Ganz anders als bei B & M verführt dieser Lautsprecher sofort zum Hinhören. Stimmen werden in natürlichen Dimensionen und absolut sauber abgebildet, man nimmt auch sehr feine Strukturen wahr, auch die Raumabbildung erscheint stimmig. Einzig eine ganz leichte Überbetonung, vielleicht auch leichte Unpräzision im oberen Bassbereich trübte das insgesamt sehr schöne Klangbild – möglicherweise macht das ja den Unterschied zur deutlich teureren „großen“ Version.

Klingt harmonisch: AUDIONEC

 

 

 

 

 

 

 

 

 

NOLA SPEAKERS

Den Vogel abgeschossen, was Aufwand und schiere Größe anbelangt, hatte in diesem Jahr wohl die Firma NOLA SPEAKERS. Vielleicht lag es an der schieren, einschüchternden Abmessungen des GRAND REFERENCE IV SYSTEMS, dass sich immer nur eine Handvoll Mutiger trauten, sich in die zwei Reihen vor den riesigen vier Türmen zu setzen. Dabei war die Performance durchaus eine Erfahrung wert. Ich habe jedenfalls noch keine elektroakustische Simulation erlebt, die die Dimensionen einer Kirchenorgel derart glaubhaft wiederzugeben vermochte wie diese Lautsprechermonster. Das war schon toll. Was die anderen Musikbeispiele angelangt: da gilt dasselbe wie für B & M . Falls sich unter den werten Lesern Ölscheichs oder russische Oligarchen befinden sollten: das wäre ein Spielzeug für Ihre Paläste, günstig dazu. Das Pärchen kostet, ohne Elektronik, 238000 Dollar. Für die Nordost Odin-Verkabelung kommen leicht noch mal 100 000 dazu. Dafür ist sie aus Silber.

Oligarchenspielzeug: Nola Grand Reference

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ISOPHON

Etwas billiger wird es da bei ISOPHON: deren Spitzenmodell Berlina RC 11 gibt es schon für 150 000 Euro, das ist dann schon etwas für den Musikliebhaber mit schmalerem Geldbeutel. Nein, im Ernst: ich frage mich wirklich, wie Stereoplay-Chefredakteur Holger Biermann dieses Monstrum als „besten Lautsprecher der Welt“ bezeichnen konnte. Dass das Ungetüm hässlich ist, spielt dabei eine untergeordnete Rolle – wenngleich es ja auch möglich sein sollte, Riesenlautsprecher zu bauen, die nicht das Wohnzimmer verschandeln. Nun mögen die akustischen Bedingungen auf der Messe vielleicht nicht optimal gewesen sein (aber welcher Hörraum ist schon perfekt?), dass aber die Tonalität dieser Box nicht stimmt, das hört man eigentlich sofort. Denn dieser Lautsprecher bringt vor allem eines: Bass. Stimmen klingen darüber, als hätte man beim Equalizer den Bassbereich gleich um mehrer Dezibel angehoben, was das Klangbild komplett aus dem Lot bringt. Holger Biermann beschwörte in seinem euphorischen Testbericht als Qualität dieser Box, sie eröffne die „Welt unter 20 Hertz„,die „Welt der subsonischen Details und der kleinen Aufnahme-Unfälle“, was ich nicht im Entferntesten nachvollziehen kann. Musikalisch spielt sich in diesem Bereich kaum etwas Relevantes ab, und es gibt nicht ohne Grund bei manchen Verstärkern einen Subsonic-Filter, um genau diese störenden Aufnahmefehler auszublenden. Des weiteren beschrieb Biermann eine „Klarheit über das gesamte Spektrum“, wie er sie noch nie gehört habe. Na ja. Ich habe da schon weitaus Besseres gehört.

Isophon Berlina

 

 

 

 

 

 

 

 

 

BRODMANN ACOUSTICS

Zum Beispiel die Lautsprecher der Wiener Firma BRODMANN, für mich die Entdeckung dieser Messe. Es war schon später Nachmittag und ich war einigermaßen erschöpft, als ich eher aus Zufall in den Hörraum geriet, aus dem doch tatsächlich klassische Musik zu hören war. Die Musik war eher leise, man befand sich gerade in einem Gespräch, aber ich nahm sofort eine Qualität wahr, die ich bis dahin nur in Ansätzen erleben durfte: Authentizität. Da klang eine Geige nach Geige und nicht, wie sonst, nach Lautsprecher. Eben nach Original und nicht nach Reproduktion, was ja doch das eigentliche Ziel von High End sein sollte. Ich hörte einige Stücke, Orchestermusik, auch eine Bluesband, doch der Eindruck blieb derselbe: eine absolut realistische Klanglichkeit ohne jede Verfärbung, stimmige Größenverhältnisse, dazu Dynamik und Impulsschnelligkeit. Fantastisch.

Schaut man sich die Boxen genauer an, fällt einiges auf. Nicht nur, dass die Mitteltöner auf der Seite angebracht sind – es gibt keinen, zumindest keinen sichtbaren, Basstöner. Tatsächlich ist das Prinzip dieser Lautsprecher einigermaßen ungewöhnlich. Entwickelt wurde es von dem Akustiker Hans Deutsch für die Firma Bösendorfer, jenem legendären Klavierhersteller, dessen Lautsprechersparte 2008 von Brodmann übernommen wurde. Statt auf konventionelle Basschassis und eine Dämmung der Box setzt Deutsch auf sogenannte Hornresonatoren und Acoustic Boards – das heißt,  die Luft zwischen dem steifen Gehäuse und den Soundboards wird zum phasenkorrekten Schwingen angeregt. Wer sich genauer dafür interessiert, findet die technischen Details auf der Brodmann-Website.

Ich gebe aber gerne zu, dass mich diese schlanken, eleganten Lautsprecher nicht nur akustisch fasziniert haben. Auch optisch sind sie eine Wucht: Es sind Möbelstücke mit einer derartig überragenden Verarbeitung, wie ich sie bei Lautsprecherboxen nie zuvor gesehen habe. Die Klavierlackoberflächen der sensationell schönen Furniere (hier war das Modell Vienna Classic VC7 ausgestellt) bilden einen wohltuenden Kontrast zum Gros der konfektionierten MDF-Kisten, die man sonst zu sehen bekommt.

Siehe auch meinen neuen Bericht!

Brodmann VC7

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

EN PASSANT

In einige Hörstudios habe ich noch mehr oder weniger kurz reingehört. Beeindruckt hat mich dabei die Vorführung des dänischen Herstellers Vitus Audio, die ihre Monoendstufen SS-101 der Signature Reihe an einer Focal Maestro Utopia präsentierte. Sehr erfreulich die Dezenz dieser Kette, die ungemein präzise und sauber spielte, tonal etwas kühl, aber nicht harsch, knochentrockener Bass. Alle Achtung.

Im Gegensatz zu der amerikanischen Firma LAWRENCE, deren Boxen im Violinen- bzw. Cellodesign mir, Bassüberhöhung inklusive, einfach zu sehr nach Lautsprecher klangen. Über das Design kann man auch sehr unterschiedlicher Meinung sein. Warum in aller Welt soll ein Lautsprecher wie ein Streichinstrument aussehen? Das Motto „Beauty is only the beginning“ lässt sich da auch als unfreiwillige Ironie lesen. Freilich: ein ganzes Orchester aus lauter Lautsprechern! Das wäre doch ein Traum für manchen klammen Stadtkämmerer.

Interessant der Besuch bei FÖRSTER AUDIOTECHNIK. Die Vorführanlage des bayerischen Herstellers bestach durch eine selten zu hörende, sehr anspringende Natürlichkeit und trocken-luftigen Bass. Die Höhen recht weich, insgesamt eher grundtönig abgestimmt, wobei mir die letzte tonale Stimmigkeit im Mitteltonbereich noch fehlte. Sollte man weiter im Auge behalten.

Lustig der Besuch bei KHARMA, einem Hersteller, der seine Zielgruppe der Jaguarfahrer und Golfspieler fest im Visier hat: das Studio sah aus wie eine Luxury Business Lounge, mit Plüschsesseln, Leder und Fotos von hübschen Hostessen. Die Lautsprecher klangen auch nicht schlecht. Bisschen zischige S-Laute, etwas Loudness. Aber sonst…

Eine ähnliche Zielgruppe dürfte auch die amerikanische Firma ABSOLARE anpeilen: Verstärker mit Lederverkleidung!! Darauf muss man erst mal kommen.

Versäumt habe ich leider die Vorführung der Signature Lautsprecher von T & A, die mich interessiert hätte, aber nach meinem ausgiebigen Besuch bei BRODMANN blieb einfach keine Zeit mehr.

Meine letzte Vorführung, und die darf nicht unerwähnt bleiben, war die der KEF Blade. Ich gebe ja zu, dass ich ein Faible für Traditionshersteller wie KEF habe, und mit der Blade habe die einen echten Knaller gelandet – selbst wenn ich die ebenfalls ziemlich basslastige Boxenskulptur wohl nicht gegen meine Dynaudios tauschen würde. Wer die Abbildungsgenauigkeit und Dynamik dieser Box aber gehört hat, versteht, warum manche das Koaxprinzip so nachhaltig verfechten. Für Pop und Rock ganz sicher ein Hammer.

Edel, edel. KHARMA

KEF BLADE

Lautsprechendes Streichorchester: LAWRENCE

29
Mrz

Besuchsbericht „High End on tour“ im Stuttgarter SI-Centrum am 13.März 2011

Hatte leider nur 3 Stunden Zeit, um die Minimesse zu besuchen, hier ein kurzer Bericht.

Der Besucherandrang am Sonntag nachmittag war erheblich, die zum Teil winzigen Vorführräume dementsprechend meist überfüllt (Hotelzimmer!), überall wuselten Leute mit Firmenanstickern rum.

Aber der Reihe nach:

Zunächst kurz in die Cantonvorführung eines „Reference“-Modells, das nicht nur atemberaubend hässlich aussieht, sondern auch so klingt. Die klangliche Abstimmung scheint vorwiegend auf Effekt ausgelegt (wie bei den meisten der gehörten LS, aber dazu gleich mehr..),  Canton ist offenbar immer noch ein Anhänger von Loudnessfrequenzgängen. Bei den Hifizeitschriften kriegt man dafür offenbar immer noch Höchstbewertungen. Also schnell wieder raus und rein zu meiner geliebten Firma

Dynaudio, die die Confidence 4 mit Chord-Elektronik in der Vorführung hatte.  Dynaudio ist für mich ja der Inbegriff authentischer Audiophilie insofern, als auch die kleinsten Regalboxen in der Regel dem Anspruch größtmöglicher Neutralität verpflichtet sind (die Car-Hifi-LS übrigens auch, ich erfreue mich jeden Tag daran). Meine ersten echten Highendboxen waren ein Paar Contour 3.3, immer noch ein Vorbild an Natürlichkeit.  Aber dann das! Die Confidence 4 klang, den Beteuerungen des Vorführers zum Trotz, befremdlich harsch und merkwürdig dünn. Die Bühnenabbildung war ordentlich, aber die Klangfarben unnatürlich, auch an Auflösung bin ich von Dynaudio Besseres gewohnt. Ob sich die Firma, was ein Desaster für jeden echten Audiophilen wäre, dem Zeitgeist angepasst hat?

Dazu würde passen, was ich in der Vorführung von Audio Components erlebt habe. Hier stand eine extrem aufwendige und teure Anlage mit  Spectral Elektronik (CD: Spectral SDR400 / Pre: Spectral DMC 300SS / End: Spectral DMA 260 ) und dem Lautsprecher Magico V3, eine Box, die immerhin an die 30 000 Euro kostet und die von etlichen Fachmagazinen Referenzstatus bescheinigt bekommen hat.
Tja, und was soll man sagen? Spektakulär klang das schon irgendwie. Extrem weite und tiefe Bühne, detailreich, dynamisch, zunächst konnte man beeindruckt sein. Aber nach kurzer Zeit nervte die Überpräsenz im Hochton, die gesungene S-Laute zischen ließ. Alles war um eine Nuance übertrieben: die Höhen zu hell, die Bässe zu fett. Eine typische Angeberbox auf, zugegeben, hohem Niveau.
Dass das die meisten offenbar nicht merken, lässt sich wohl nur damit erklären, dass das Gros der Menschen Musik nur noch technisch vermittelt zu hören gewohnt ist. Im Zeitalter der technisch produzierten Musik scheint das Empfinden für natürlichen Klang weitgehend abhanden gekommen zu sein –  wer keine echte Geige gehört hat, weiß auch nicht, wie sie klingen muss.

Lindemann "Dixie"

Lindemann BL-10

Eine positive Überraschung gab es aber dann doch noch: eher aus Zufall geriet ich in der Vorführraum des kleinen deutschen Herstellers  Lindemann Audiotechnik. Hier spielte eine bescheiden aussehende Kette mit Lindemann-Elektronik und den kompakten Monitorlautsprechern BL-10. Und siehe da: endlich hörte man Musik, wie sie klingen muss. Sensationell, was diese Minilautsprecher (Paarpreis allerdings auch an die 10000 €, wenn ich es recht in Erinnerung habe) an Auflösung und Körper in den Raum stellten, impulsiv, präzise, ohne jede Schärfe. Ein kleiner Trost.