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21
Jun

TIDAL PREOS-D

Wie ich auf meinem Bericht von der High End 2013 in München beschrieben habe, war ich von der Vorführung der Firma TIDAL AUDIO stark beeindruckt: eine Gesamtperformance, wie ich sie in dieser Perfektion noch kaum einmal – vielleicht noch nie – gehört habe. Frappierend war dabei vor allem die ungeheure Durchsichtigkeit des Klangbilds, eine fast schon unheimliche Neutralität, die sich weit von allem anderen abhob, was sonst so auf der Messe zu hören war – Brodmann  ausgenommen, die ihre Lautsprecher allerdings klanglich nur suboptimal präsentierten.

TIDAL AUDIO PREOS-D

TIDAL AUDIO PREOS-D

Auf jeden Fall nahm ich mal Kontakt auf zu Jörn Janczak, dem Gründer und Chef von TIDAL, dessen Firma in Hürth bei Köln sitzt. Am Telefon wurde schnell klar, dass wir, was die Ansichten über Hifi anbelangt, auf der gleichen Wellenlänge sind – was mich angesichts der Vorführung auch nicht wunderte. Auf jeden Fall schlug mir Herr Janczak vor, doch mal eine seiner Vorstufen auszuprobieren.

Vorstufe, nun gut. In meinem Bericht über die Accuphase C-3800 habe ich ja meiner Begeisterung über dieses Gerät ausreichend Ausdruck verliehen, das immerhin als eine der weltbesten, wenn nicht als DER beste Vorverstärker überhaupt gilt. Die C-3800 würde ich behalten bis ans Ende meiner Hifi-Tage. Dachte ich.

Jedenfalls kam ein paar Tage später ein Flight Case mit dem Preos-D an – ja tatsächlich, die OVP von TIDAL Geräten sind massive Flight Cases, die wahrscheinlich einen Sturz vom Hochhaus überstehen würden. Darin war ein schwarzes Kästchen mit einem Anschaltknopf, einem Lautstärkeregler und einem Eingangswahlschalter: der Preos-D.

Der heißt so, weil er, im Gegensatz zum Vorgängermodell Preos, auch einen integrierten D/A Wandler hat. Davon aber später mehr. Jedenfalls schloss ich den Preos-D mal über Cinch (XLR-Eingänge besitzt er nicht) an meinen DP-700 und dann symmetrisch an die M-2000 an, nicht ohne hier zuvor die Phasenlage umzukehren – Accuphase verwendet bekanntermaßen eine andere XLR-Belegung.

Was dann passierte, damit hätte ich niemals gerechnet. Denn es war, als ob man nicht nur einen, sondern gleich mehrere Schleier weggezogen hätte: meine Brodmann VC7 lebten förmlich auf, das Klang besaß plötzlich eine ungekannte Transparenz, bis in den letzten Winkel durchhörbar und aufgefächert, als könnte man in den Aufnahmeraum regelrecht hineinsehen, bzw. -hören. Ich legte, wie immer in solchen Fällen, einige meine Lieblings-CDs ein, die ich seit Jahren in- und auswendig kenne: „My Song“ von Keith Jarretts Quartett mit Jan Garbarek aus den 70er Jahren, Billy Joels „Turnstiles“, auch einige Klassik-CDs aber der Eindruck blieb immer derselbe. Als hätte man die letzten Unschärfen aus dem Klang entfernt, erschienen Stimmen und Instrumente völlig realistisch, in ihren natürlichen Dimensionen. Mehrere Querchecks mit der C-3800 bestätigten das Ergebnis. Die C-3800, so unwahrscheinlich mir das zunächst selber schien, legt tatsächlich eine Art Weichzeichner über den Klang, zoomt sie dezent auf, sodass das Klangbild etwas fülliger, runder wird. Es ist im Grunde dasselbe, was ich in meinem Hörbericht über die A-200 geschrieben habe. Nicht dass das nicht gut klingen würde, ich vermute gar, dass viele Hörer diesem farbigen Klang den Vorzug geben würden. Aber das ehrlichere, in meinem Verständnis audiophilere Klangbild vermittelt der Preos-D.

Und damit nicht genug. Denn auch der Vergleich der Wandler des DP-700 mit dem DAC des Preos brachte dasselbe Resultat: nicht in dem Umfang wie bei der Vorstufe, aber dennoch deutlich wahrnehmbar, ist auch die Auflösung des Preos-DAC dem Wandler des DP-700 überlegen.

Ich muss zugeben, dass ich einigermaßen erschüttert war, nicht zuletzt deshalb, als ich von der Neutralität von Accuphase eigentlich immer überzeugt war. Aber Accuphase-Geräte besitzen – das macht der Vergleich deutlich – offenbar eine klangliche Signatur, die darin besteht, den Klang etwas runder, voller zu machen, ein kleines bisschen anzufetten.

So äußerlich unspektakulär der Preos wirkt, der Aufbau hat es in sich. Er hat nicht nur eine integrierte Stromreinigung, sodass der Einsatz von Power conditionern überflüssig wird (ja, sie wirken sogar als Dynamikbremse, ich habe es ausprobiert), auch eine referenzverdächtige Phonovorstufe ist mit an Bord. Der Listenpreis des  Preos-D liegt bei knapp über 23.000 Euro, was viel ist. Doch die C-3800 kostet in Deutschland 31.000, und das ohne DAC, Stromaufbereitung und Phonoteil. Allerdings mit Holzgehäuse.

Wichtig: Da ich seit Ende 2013, mein eigenes Wohnraumstudio concert audio betreibe und damit eine Vermischung von privaten mit geschäftlichen Interessen nicht auszuschließen ist, habe ich mich daher entschlossen, diesen privaten Audiophilie-Blog ab 2014 auf allgemeine Themen zu beschränken, d.h. es gibt von mir keine weiteren Beiträge über Produkte mehr  – diese stehen ab jetzt auf meinem Blog auf concert audio.
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