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Mrz

Besuchsbericht „High End on tour“ im Stuttgarter SI-Centrum am 13.März 2011

Hatte leider nur 3 Stunden Zeit, um die Minimesse zu besuchen, hier ein kurzer Bericht.

Der Besucherandrang am Sonntag nachmittag war erheblich, die zum Teil winzigen Vorführräume dementsprechend meist überfüllt (Hotelzimmer!), überall wuselten Leute mit Firmenanstickern rum.

Aber der Reihe nach:

Zunächst kurz in die Cantonvorführung eines „Reference“-Modells, das nicht nur atemberaubend hässlich aussieht, sondern auch so klingt. Die klangliche Abstimmung scheint vorwiegend auf Effekt ausgelegt (wie bei den meisten der gehörten LS, aber dazu gleich mehr..),  Canton ist offenbar immer noch ein Anhänger von Loudnessfrequenzgängen. Bei den Hifizeitschriften kriegt man dafür offenbar immer noch Höchstbewertungen. Also schnell wieder raus und rein zu meiner geliebten Firma

Dynaudio, die die Confidence 4 mit Chord-Elektronik in der Vorführung hatte.  Dynaudio ist für mich ja der Inbegriff authentischer Audiophilie insofern, als auch die kleinsten Regalboxen in der Regel dem Anspruch größtmöglicher Neutralität verpflichtet sind (die Car-Hifi-LS übrigens auch, ich erfreue mich jeden Tag daran). Meine ersten echten Highendboxen waren ein Paar Contour 3.3, immer noch ein Vorbild an Natürlichkeit.  Aber dann das! Die Confidence 4 klang, den Beteuerungen des Vorführers zum Trotz, befremdlich harsch und merkwürdig dünn. Die Bühnenabbildung war ordentlich, aber die Klangfarben unnatürlich, auch an Auflösung bin ich von Dynaudio Besseres gewohnt. Ob sich die Firma, was ein Desaster für jeden echten Audiophilen wäre, dem Zeitgeist angepasst hat?

Dazu würde passen, was ich in der Vorführung von Audio Components erlebt habe. Hier stand eine extrem aufwendige und teure Anlage mit  Spectral Elektronik (CD: Spectral SDR400 / Pre: Spectral DMC 300SS / End: Spectral DMA 260 ) und dem Lautsprecher Magico V3, eine Box, die immerhin an die 30 000 Euro kostet und die von etlichen Fachmagazinen Referenzstatus bescheinigt bekommen hat.
Tja, und was soll man sagen? Spektakulär klang das schon irgendwie. Extrem weite und tiefe Bühne, detailreich, dynamisch, zunächst konnte man beeindruckt sein. Aber nach kurzer Zeit nervte die Überpräsenz im Hochton, die gesungene S-Laute zischen ließ. Alles war um eine Nuance übertrieben: die Höhen zu hell, die Bässe zu fett. Eine typische Angeberbox auf, zugegeben, hohem Niveau.
Dass das die meisten offenbar nicht merken, lässt sich wohl nur damit erklären, dass das Gros der Menschen Musik nur noch technisch vermittelt zu hören gewohnt ist. Im Zeitalter der technisch produzierten Musik scheint das Empfinden für natürlichen Klang weitgehend abhanden gekommen zu sein –  wer keine echte Geige gehört hat, weiß auch nicht, wie sie klingen muss.

Lindemann "Dixie"

Lindemann BL-10

Eine positive Überraschung gab es aber dann doch noch: eher aus Zufall geriet ich in der Vorführraum des kleinen deutschen Herstellers  Lindemann Audiotechnik. Hier spielte eine bescheiden aussehende Kette mit Lindemann-Elektronik und den kompakten Monitorlautsprechern BL-10. Und siehe da: endlich hörte man Musik, wie sie klingen muss. Sensationell, was diese Minilautsprecher (Paarpreis allerdings auch an die 10000 €, wenn ich es recht in Erinnerung habe) an Auflösung und Körper in den Raum stellten, impulsiv, präzise, ohne jede Schärfe. Ein kleiner Trost.