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Feb

Eclat Festival Stuttgart 2013 Abschlusskonzert

Nichts geht über Lachenmann

Gerade setzten die Streicher des Arditti Quartetts zum finalen Unisono in Wolfgang Rihms neuem Streichquintett an, da tüdeldüdelte er herein, wie ein vorlauter Einwurf aus der klassisch-romantischen Gegenwelt: ein Peer-Gynt-Handyklingelton. Als Abschluss des diesjährigen Eclat-Festivals war das eine Pointe, wie sie wohl John Cage gefallen hätte: schwang doch für den Zen-Dialektiker im Yin ebenso immer das Yang mit wie im Zeitgenössischen die Tradition latent präsent ist. Auf diese bezieht sich auch Rihm in seinem Streichquintett „Epilog“: Es beginnt mit jenem C-Dur-Akkord, mit dem Schuberts großes Vorbild endet. In seiner Auftragskomposition für Eclat evoziert Rihm mit schillernden Akkordflächen zunächst eine traumhaft-surreale Atmosphäre. Alsbald aber wird die zarte Textur von jenen Pizzicati zerlöchert, die sich die beiden Cellisten – Jean Guihen Queyras ergänzte das Arditti Quartett als Gast – zuwerfen. Auf dem Höhepunkt expressiver Verdichtung nimmt das Stück den Gestus des Anfangs wieder auf. Ein solide gemachtes Werk und ein standesgemäßer Abschluss für die Ägide Hans-Peter Jahns, der nach 30 Jahren die Leitung des Eclat-Festivals an Björn Gottstein und Christine Fischer abgibt.

Den Höhepunkt des Abschlusstages bildete gleichwohl ein Werk von Rihms kompositorischem Antipoden: Helmut Lachenmann. „Concertini“, 2005 uraufgeführt, kann durchaus als eine Art opus summum des Altmeisters betrachtet werden. Zwei aus dem RSO gebildete, vom kurzfristig eingesprungenden Matthias Herrmann gut koordinierte Ensembles waren dazu auf der Bühne und hinter den Zuhörern im T1 des Theaterhauses platziert – Raumklangmöglichkeiten, die Lachenmann in diesem Werk ebenso konsequent nutzt wie das Klangpotential der Instrumente, das er wahrscheinlich eingehender erforscht hat als jeder andere Komponist. Dabei geht er für die „Concertini“ weit über jene negative Ästhetik hinaus, mit der er einst „affirmative“ Klänge weitgehend ausgeschlossen hat. Streicher dürfen das tun, was ihre Bezeichnung vorgibt, Bläser ebenso, und auch die in „Salut für Caudwell“ noch ausschließlich auf Schaben, Schnarren und Schlagen reduzierte Gitarre darf sich hier in einer nachgerade virtuosen Kadenz austoben. Gefällig sind die Concertini dennoch nicht. Zwar bezieht Lachenmann auch so etwas wie Tonhöhenstrukturen mit ein, von Melos aber ist das weit entfernt. Die Differenziertheit, mit der dieses gewaltige, allenfalls ein wenig zu lange Werk die Übergangszustände zwischen Geräusch und Ton ausleuchtet und dabei immer neue, überraschende Möglichkeiten klanglicher Kombinatorik eröffnet, ist trotzdem überwältigend.

In dem Konzert am Sonntagnachmittag konnte man zuvor ein Panorama zeitgenössischen Komponierens hören: etwas überambitioniert Josep Sanz´ Versuch einer Dekonstruktion des Musters Klavierkonzert, nachhaltig fesselnd dafür Natalia Gaviolas introspektives Duo für Cello und Akkordeon mit Jean-Guihen Queyras und Teodoro Anzellotti als kongenialen Interpreten. Dazu ein etwas altmeisterlich anmutendes Quasi-Cellokonzert von Manuel Hidalgo und – wie eine Insel der Kontemplation inmitten all der Klangwogen – Martin Smolkas Akkordeonstück „Lamento metodico“. Das klang fast wie Arvo Pärt. (StZ)

 

 

 

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