Das Joshua Redman Quartet bei den Jazz Open Stuttgart
In der Sparda Welt am Hauptbahnhof finden, neben dem BIX, schon seit vielen Jahren die hochklassigsten Konzerte innerhalb der Jazz Open statt. Dies war auch am Donnerstagabend der Fall, als der amerikanische Saxofonist Joshua Redman mit seinem Quartett dort gastierte und das fachkundige Publikum – man sah viele bekannte Gesichter der Stuttgarter Jazzszene – beim Schlussapplaus förmlich aus den Sitzen riss. Seit über 30 Jahren ist Redman schon unterwegs. Er hat mit fast allen Größen wie Brad Mehldau, Pat Metheney oder Charlie Haden gespielt und mit seinem aktuellen Quartett eine Band der Superlative zusammengestellt. Im Zentrum steht die Rhythmusgruppe. Da ist der Schlagzeuger Nazir Ebo, der Power und Punch mit irrwitziger Differenziertheit kombiniert, und das in bestem Zusammenspiel mit Philip Norris, einem hoch virtuosen Kontrabassisten, der neben treibenden Bassläufen im Kollektiv bei seinen Soloeskapaden Linien spielt, bei denen alles Schwerfällige von dem großen Instrument abzufallen scheint. Und natürlich verfügt Redman selbst über das gesamte Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten. Sein Ton kann lyrisch und fein singen, doch in kollektiven Improvisationen steigert er sich mitunter in fast rauschhafte Kulminationen. Unterstützt wird er dabei von Paul Cornish am Klavier, der neben dem harmonischen Fundament auch exzentrische Soli einflicht, die weitab sind vom Skalengenudel minder begabterer Jazzkollegen.
Das Wunder dabei ist, dass selbst so hoch komplexe, rhythmisch verschachtelte Stücke wie „A Message to Unsend“ aus seinem letzten Album „Words Fall Short“ völlig leicht und selbstverständlich klingen – die Schwierigkeiten sind hier völlig transzendiert in einem Zusammenspiel von absoluter Homogenität, das weit mehr ist als die Summe seiner Teile. Alle hören aufeinander und reagieren auf das, was die anderen Musiker vorgeben. Im Zentrum steht aber immer das Kollektiv.
Gut eineinhalb Stunden spielt diese fabelhafte Quartett, am Ende sind die Musiker ebenso erhitzt wie das Publikum. Eine Zugabe gibt es, in der sich jeder nochmal nach Gusto profilieren kann. Was für ein Konzert!
