8
Jul

Ernst Mantel feiert im Renitenz sein 30-jähriges Bühnenjubiläum

Feinripp unterm Dinnerjacket

Nein, so kennt man Ernst Mantel eigentlich nicht. Mit weißem Dinnerjacket, Stehkragenhemd (unter dem sich aber das Feinrippunterhemd deutlich abzeichnet) und mit schwarzer Fliege entert er im Stil amerikanischer Entertainer die Bühne des Renitenztheaters, auf der zuvor schon die Musiker der Tobias Becker Bigband Platz genommen und das Publikum im Saal mit swingenden Music-Hall-Rhythmen aufgewärmt haben. „Die Mantel-Gala“ heißt das Programm, mit der das Ex-Kleine-Tierschau-Mitglied, das sich in den letzten Jahren mit seinem Duo „Ernst &Heinrich“ sehr erfolgreich in der Kabarett- und Comedyszene etabliert hat, sein dreißigjähriges Bühnenjubiläum feiert – und da dürfen etwas Glanz und Glamour ja schon sein. Aber Mantel wäre nicht der begnadete Komiker, würde er nicht auch diese Rolle parodieren: indem er selbstverliebt den Kopf nach hinten wirft oder verzückt den Blick nach unten auf seine tänzelnden Füße wirft, macht er schnell klar, dass er auch mit dieser Rolle nur spielt. Die Wandlungsfähigkeit, mir der Mantel in verschiedenste Rollen schlüpfen kann, ist eine seiner Stärken – das wird auch an diesem Abend deutlich, an dem er einige seiner komödiantischen Stationen Revue passieren lässt. Dazu zählen frühe Lieder aus seiner Tierschau-Zeit, aber auch aktuelle Songs aus seinen Solo- und Duoprogrammen wie „Scheissabach“ oder „No me hai“, zu dem dann sein Duopartner Heiner Reiff auf die Bühne kommt. Dazu gibt es eine kleine Diaschau mit Bildern aus der Tierschauzeit, als Mantel so legendäre Figuren wie den „Lurchi“ oder den „Heulenspiegel“ verkörpert hat. Seine beiden Ex-Kollegen sind darauf aber nirgends zu sehen – der Riss zwischen ihnen muss groß sein.

Erstaunlich, dass auch die Bigband-Arrangements jener im typischen Mantel-Moritatenstil konzipierten Songs wie „Dr Anfang“ ziemlich gut funktionieren. Gegen Ende – Mantel hat sein Dinnerjacket inzwischen abgelegt – servieren dann noch die famosen Vokalkünstler der Gruppe „Die Füenf“ ihr zwerchfellerschütterndes Lebensmittelmedley. Natürlich mit dem Klassiker „Schuhsohlenleder“.
(Stuttgarter Zeitung)

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