17
Jun

Mnozil Brass bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen

Es geht um die Wurst

MnozilWar das eben nicht ein Thema aus dem Tannhäuser? Und das ist doch aus dem Parsifal, oder nicht? Für ihr neues Programm „Hojotoho“  hat sich die Wiener Anarchobläsertruppe Mnozil Brass tief in das Werk Richards Wagners gewühlt und aus den Fundstücken eine zweistündige Revue gebastelt, die auch den im Dechiffrieren geübten Wagnerkenner gelegentlich auf falsche Fährten führen kann: denn was da in der Ouvertüre so verdächtig holländert und lohengrint, hat der Mnozil-Posaunist Leonhard Paul einfach im Wagner-Stil nachkomponiert. Doch nicht bloß auf diese Weise schlagen Mnozil Brass den Hörerwartungen beständig Schnippchen, denn auch originaler Wagner erfährt die erstaunlichsten Wendungen. Da kippt der Walkürenritt in Klezmer, die Meistersingerouvertüre in einen Hollywoodsong, Wolframs Lied an den Abendstern wird gar zu einem Schlager, der hier von einem lederbehosten Siegfried mit Karohemd gesungen wird.
Das szenische Korsett ist eher locker gestrickt: es geht da kreuz und quer durch Wagners Oeuvre, vom Gral nach Nibelheim, weiter zum Venusberg, nebenbei schaut man auch mal bei Aida in Ägypten vorbei, doch werden dramaturgische Klippen mittels komödiantischem Geschick locker umschifft. Und es gibt da ja noch dieses Ding, das, quasi als requisitäres Leitmotiv, die Szenen zusammenhält: die Wurst, um die es bekanntlich bei Wagner immer geht, ist hier nämlich wirklich eine, und so wird das aus dem Urgrund des Rheins aufsteigende Es-Dur-Wabern quasi ein Brotzeit-Präludium. Grandios.
Auch sonst ist das (im Übrigen von der Stadt Bayreuth in Auftrag gegebene) Programm eine Riesengaudi, die, neben Slapstick und Situationskomik, vor allem wegen ihrer musikalischer Brillanz begeistert. Denn Mnozil Brass sind ein Blechbläserensemble mit einer Spielkultur und technischen Perfektion, wie es sie weltweit kaum ein zweites Mal geben dürfte. Das Publikum im ausverkauften Ludwigsburger Forum jedenfalls kannte am Ende kein Halten mehr, und dass Mnozil Brass das Programm am 07. JuIi dortselbst wiederholt, dürfte für viele kein Trost sein: auch dieser Abend ist längst ausverkauft.    (StZ)

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