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Mrz

Holger Falk singt Lieder von Hanns Eisler

Im Dienst der Revolution

 

Selbst musikalisch Interessierten fällt zu Hanns Eisler auf die Schnelle meist nur das „Solidaritätslied“ ein, das dieser Ende der 20er Jahre für den Film „Kuhle Wampe“ komponiert hatte. Dabei hat der 1962 in Ostberlin gestorbene Eisler ein umfangreiches Werk hinterlassen, Klavier- und Orchesterwerke, Kammermusik, vor allem aber: Lieder. Fast so viele wie Schubert hat Eisler geschrieben – über 500 insgesamt – wobei er ein ziemlich einzigartiges Talent für hymnentaugliche Melodien besaß. Kein Zufall, dass neben dem Solidaritätslied und der DDR-Nationalhymne „Auferstanden aus Ruinen“ jene „Kinderhymne“ besonders bekannt geworden ist, die nach der deutschen Wiedervereinigung als gesamtdeutsche Nationalhymne immerhin diskutiert wurde.
Was es aber alles zu entdecken gibt in Eislers reichem Liedschaffen, das zeigten nun der Bariton Holger Falk und der Pianist Steffen Schleiermacher mit ihrem von der Hugo-Wolf-Akademie veranstalteten Konzert im Hospitalhof, bei dem ihnen von der FAZ-Musikredakteurin Eleonore Büning der Preis der Deutschen Schallplattenkritik für die erste CD ihrer Gesamtaufnahme von Eislers Liedern überreicht wurde.
Dabei war der von Schleiermacher launig moderierte Abend nicht nur musikalisch insofern ein Genuss, da Holger Falk mit seiner wandlungsfähigen Stimme souverän zwischen den Modi Moritatensprechgesang, Balladenton und Kunstlied changierte. Die aus verschiedenen Schaffensphasen Eislers gewählten Liedblöcke erlaubten auch erhellende Einblicke in Eislers Biografie: Zeit seines Lebens verstand sich Eisler als politischer Komponist, der in den frühen, meist in Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht entstandenen proletarischen Kampfliedern und Theaterliedern die Revolution befördern wollte und sich dann in den „Neuen Deutschen Volkslieder“ nach Texten des DDR-Staatsdichters Johannes R. Becher auf fragwürdige Art staatstragend gab. Schleiermachers Verdikt, Eisler sei eine „unbekannte Berühmtheit“ – am Ende des Konzerts galt es zumindest für das Publikum nicht mehr.

 

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