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5
Mai

Dynaudio Confidence 5 – eine Hymne an die Diva

 

“If you can find them used, buy them, pity the person who is selling them, it just does not get much better then this” schrieb ein des Englischen nicht so mächtiger Besitzer der C5 im amerikanischen audioreview.com, aber man versteht was er meint. Und das kann ich nur unterstreichen.

Wer wirklich audiophile, und das heißt für mich unverfärbt klingende Lautsprecher sucht, der kommt um Dynaudio nicht herum. Eines meiner Hifi-Erweckungserlebnisse hatte ich als Jugendlicher, als ich in einem Hifiladen in Reutlingen Boxen probehörte. Unter all den Boliden stand auch eine schlanke Contour 1.8, und als der Verkäufer sie, nachdem ich alles Mögliche von Canton bis Heco gehört hatte,  anschloss, wurde mir klar, dass es also doch möglich ist, was ich bis dahin bezweifelt hatte: dass Lautsprecher authentisch klingen können. Leider waren die Boxen damals finanziell für mich nicht erschwinglich. Mein erster Highend-Lautsprecher war dann viele Jahre später die Contour 3.3, auch heute noch eine sehr gute Box, die nur den Makel einer etwas schwammig-aufgeblähten Basswiedergabe hat. Was, wie mir scheint, ein Grundproblem des Bassreflexprinzips ist.  Andererseits erreicht man damit ordentliche Wirkungsgrade, und damit sind wir schon bei der Confidence 5, die mit 83db eine der wirkungsgradschwächsten Boxen auf dem Markt ist. Das liegt, wie mir ein Dynaudiotechniker auf einer Messe mal erklärt hat, zum einen an den riesigen Magnetspulen, die darin verbaut sind,  zum anderen am so genannten “Compound”-System mit einem äußeren und einem inneren, unsichtbaren Basstreiber. Die C5 produziert knochentrockene und sehr präzise Bässe, aber dazu ist viel Verstärkerpower nötig.

Aber Power ist beileibe nicht das einzige, was die C5 braucht. Immer wieder liest man von enttäuschten C5-Besitzern, die die Boxen trotz aller Versuche einfach  nicht zum Klingen bringen. In der Tat ist sie eine Diva, die auf nicht optimale Elektronik oder Kabel regelrecht beleidigt reagiert und dann einfach kühl und bassschwach klingt. So war es  auch bei mir. Meine erste Erfahrung war deprimierend, als ich es wagte, die C5 probehalber mit  meinem damaligen Vollverstärker Accuphase  E-406 zu verbinden – mit zweimal 170 Watt an 4 Ohm nicht gerade ein Schwächling, der die Contour 3.3 lässig beherrschte. Aber nix für die C5! Dünn und blass klang sie, ich war erst mal enttäuscht und kehrte reumütig zu meinen Contour zurück.

Nachdem ich mich etwas über die Probleme informiert hatte, kaufte ich dann ein günstiges gebrauchtes Paar C5 zum längeren Testen – immerhin hatte ich bis dahin verstärkermäßig aufgerüstet und befeuerte sie mit einer Accuphase P-450, vorgeschalten eine Vorstufe C-2400. Das war immerhin schon eine Verheißung! Wie bei einem hochpixeligen Bild, dem es noch an Leuchtkraft fehlt, wurde das Potential der C5 deutlich.  Aber beileibe noch nicht richtig präsent: eine gewisse Kühle war immer noch nicht vertrieben, die Farben waren etwas fahl, die Dynamik ordentlich, aber nicht wirklich anspringend.  Es half nichts, mehr Power musste her. Mit der Accuphase P-650 (ja, ich bin Accuphase-Fan!) zeigte die Box dann schon richtig, was sie konnte: Auflösung,  Dynamik, Klangfarben, schnelle Impulsverarbeitung -  was man sich als Audiophiler wünschen kann. Aber eben, und darauf kommt es an, nie übertrieben: klangliche Effekthascherei ist, was ich an vielen sogenannten Toplautsprechern nicht mag (siehe auch Hörbericht von der Highendmesse Stuttgart). Die C5 zeigt, was auf dem Tonträger drauf ist, nicht mehr und nicht weniger. Das Begeisternde an der Box ist, dass ihr Potential dabei grundsätzlich unbegrenzt erscheint – bis heute reagiert die C5 auf jede Veränderung der Kette hochsensibel, stellt Schwächen wie Stärken schonungslos dar.  Wenn aber alles stimmt (sie hing bei mir an einer Kette mit Accuphase PS-500, DP-700, C-3800 und M-2000), dann ist der Klangraum, den diese Box aufspannt, einfach hinreißend. Man schließt die Augen und vergisst, dass man einer technischen Wiedergabe lauscht. Der Lautsprecher selbst verschwindet völlig,  Stimmen und Instrumente scheinen im Raum zu stehen, ein Orchester wirkt dreidimensional aufgestellt, jede Instrumentengruppe lässt  sich mit Leichtigkeit orten. Impulse kommen mit frappierender Direktheit, die Tonalität kann kaum besser sein, Stimmen und Instrumente erscheinen auch größenmäßig richtig abgebildet.

Die Basswiedergabe bliebt freilich der Schwachpunkt der C5.  Zwar reicht der Bass tief hinab, an Druck lässt er aber deutlich zu wünschen übrig – selbst meine M-2000 Monoblöcke haben daran nicht grundsätzlich etwas geändert. Auf lange Sicht kommt man so am Erwerb eines Subwoofers nicht vorbei, ich betrieb die C5 zuletzt mit viel Erfolg mit einem Dynaudio Sub 500.

Dennoch: an die Qualität dieser Box, in der Dynaudio die vermutlich besten Chassis eingebaut hat, die sie jemals produziert haben,  kommen die aktuellen Dynaudio-Modelle (zumindest die,  die ich gehört habe), kaum heran. Die Confidence C4 klang bei einer Vorführung harsch und merkwürdig unharmonisch, auch die Evidence- Modelle überzeugen mich nicht – abgesehen davon, dass ich sie ultrahässlich finden. Einzig die Sapphire gefiel mir bei der Vorführung auf der High-End in München vor 3 Jahren sehr gut -  ein Eindruck, den sie dann beim Hörtest beim Händler vor Ort in einem kleinen Studio aber nicht bestätigen konnte. Aber vielleicht lag´s ja an der Elektronik (T&A)? Die Consequence habe ich leider noch nicht gehört. Wer sie kennt und einordnen kann, möge sich gerne melden!

Der heutige Preis der Confidence 5, sofern man eine findet, ist  annehmbar – neu kostete sie, je nach Furnier, um die 10 000 €,  gebraucht muss man, je nach Furnier, heute zwischen 2400 und 3000 Euro auf den Tisch legen.

Epilog Juli 2012

Da das Bessere der Feind des Guten ist, wurde in meiner Anlage die Confidence 5 nun nach einigen schönen Jahren von einem anderen Lautsprecher verdrängt. Ich konnte es mir lange nicht vorstellen, aber die BRODMANN VC7 ist der Dynaudio tatsächlich in allen Belangen deutlich überlegen. Dazu ist sie verstärkerunkritisch und braucht keine Subwooferunterstützung. Die Confidence 5 bleibt aber nach wie vor ein exzeptioneller Schallwandler.

 

29
Mrz

Besuchsbericht “High End on tour” im Stuttgarter SI-Centrum am 13.März 2011

Hatte leider nur 3 Stunden Zeit, um die Minimesse zu besuchen, hier ein kurzer Bericht.

Der Besucherandrang am Sonntag nachmittag war erheblich, die zum Teil winzigen Vorführräume dementsprechend meist überfüllt (Hotelzimmer!), überall wuselten Leute mit Firmenanstickern rum.

Aber der Reihe nach:

Zunächst kurz in die Cantonvorführung eines “Reference”-Modells, das nicht nur atemberaubend hässlich aussieht, sondern auch so klingt. Die klangliche Abstimmung scheint vorwiegend auf Effekt ausgelegt (wie bei den meisten der gehörten LS, aber dazu gleich mehr..),  Canton ist offenbar immer noch ein Anhänger von Loudnessfrequenzgängen. Bei den Hifizeitschriften kriegt man dafür offenbar immer noch Höchstbewertungen. Also schnell wieder raus und rein zu meiner geliebten Firma

Dynaudio, die die Confidence 4 mit Chord-Elektronik in der Vorführung hatte.  Dynaudio ist für mich ja der Inbegriff authentischer Audiophilie insofern, als auch die kleinsten Regalboxen in der Regel dem Anspruch größtmöglicher Neutralität verpflichtet sind (die Car-Hifi-LS übrigens auch, ich erfreue mich jeden Tag daran). Meine ersten echten Highendboxen waren ein Paar Contour 3.3, immer noch ein Vorbild an Natürlichkeit.  Aber dann das! Die Confidence 4 klang, den Beteuerungen des Vorführers zum Trotz, befremdlich harsch und merkwürdig dünn. Die Bühnenabbildung war ordentlich, aber die Klangfarben unnatürlich, auch an Auflösung bin ich von Dynaudio Besseres gewohnt. Ob sich die Firma, was ein Desaster für jeden echten Audiophilen wäre, dem Zeitgeist angepasst hat?

Dazu würde passen, was ich in der Vorführung von Audio Components erlebt habe. Hier stand eine extrem aufwendige und teure Anlage mit  Spectral Elektronik (CD: Spectral SDR400 / Pre: Spectral DMC 300SS / End: Spectral DMA 260 ) und dem Lautsprecher Magico V3, eine Box, die immerhin an die 30 000 Euro kostet und die von etlichen Fachmagazinen Referenzstatus bescheinigt bekommen hat.
Tja, und was soll man sagen? Spektakulär klang das schon irgendwie. Extrem weite und tiefe Bühne, detailreich, dynamisch, zunächst konnte man beeindruckt sein. Aber nach kurzer Zeit nervte die Überpräsenz im Hochton, die gesungene S-Laute zischen ließ. Alles war um eine Nuance übertrieben: die Höhen zu hell, die Bässe zu fett. Eine typische Angeberbox auf, zugegeben, hohem Niveau.
Dass das die meisten offenbar nicht merken, lässt sich wohl nur damit erklären, dass das Gros der Menschen Musik nur noch technisch vermittelt zu hören gewohnt ist. Im Zeitalter der technisch produzierten Musik scheint das Empfinden für natürlichen Klang weitgehend abhanden gekommen zu sein -  wer keine echte Geige gehört hat, weiß auch nicht, wie sie klingen muss.

Lindemann "Dixie"

Lindemann BL-10

Eine positive Überraschung gab es aber dann doch noch: eher aus Zufall geriet ich in der Vorführraum des kleinen deutschen Herstellers  Lindemann Audiotechnik. Hier spielte eine bescheiden aussehende Kette mit Lindemann-Elektronik und den kompakten Monitorlautsprechern BL-10. Und siehe da: endlich hörte man Musik, wie sie klingen muss. Sensationell, was diese Minilautsprecher (Paarpreis allerdings auch an die 10000 €, wenn ich es recht in Erinnerung habe) an Auflösung und Körper in den Raum stellten, impulsiv, präzise, ohne jede Schärfe. Ein kleiner Trost.