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Apr

Wolken-Cocktail

Geschüttelt, nicht gerührt, so ordert James Bond seinen Martini. Das ist traditionell so seit jenen seligen Zeiten, wo die Kriege noch kalt und die Bräute dafür umso heißer waren. Auf jeden Fall kommt es bei besagtem Getränk entscheidend auf die Mischung zwischen Wodka und Vermouth an – mit der Marke Martini, die Möchtegern-Agenten wie wir gerne konsumieren, hat der Drink sowenig zu tun wie ein Polo mit einem Aston Martin. Es gibt also Dinge, die sich trotz dramatischer Verschiebung der geopolitischen Großwetterlage offenbar niemals ändern. Das ist nicht nur irgendwie tröstlich, sondern damit haben wir auch schon pfeilgenau unser Stichwort angesteuert: Den Wetterbericht.

Es verhielt sich in jenen seligen Zeiten nämlich so, dass man sagte, wenn weder Dauerregen noch ungetrübte Azurbläue anstand, es werde „heiter bis wolkig“. Das verstand ein jeder sofort. Ein paar Wölkchen vielleicht, damit musste man bei dieser Auskunft rechnen, aber die bedrohlichen Tiefs, die blieben da, wo sie hingehörten: in der finsteren Sowjetunion oder meinetwegen auch über Ostberlin, wo sie abregnen konnten, soviel sie wollten und wo auch ein James Bond nur so lange blieb, wie es zu Erledigung seines Auftrags unbedingt nötig war. Ansonsten bevorzugte der bekanntlich wärmere Regionen wie die Cote d´Azur: Da ist es in der Regel sonnig, oder doch zumindest heiter bis wolkig.

Doch nicht nur die Sowjetunion gibt es nicht mehr. Auch Formulierungen wie „heiter bis wolkig“, die uns in all den Jahren lieb geworden waren, scheinen aus dem Sprachschatz unserer Wetterberichtler getilgt. Heutzutage wollen uns stattdessen fuchtelnde Kommentatoren in schlecht sitzenden Sakkos weismachen, es gebe morgen „einen Mix aus Sonne und Wolken“. Das muss man sich mal wörtlich vorstellen. Vermouth und Wodka lassen sich ja trefflich mixen, aber Sonne und Wolken? Wie soll das gehen? Man nehme 3cl Sonne auf 4cl Wolken, rühre, pardon, schüttle…

Für stilbewusste Nostalgiker ist das fast so schlimm, wie es für James Bond gewesen sein muss, als er in „Golden Eye“ seinen Aston mit einem Z3 des Sponsors BMW tauschen musste. Er hat das zum Glück hinter sich. Uns bleiben bloß Martinis.

(Stuttgarter Zeitung)