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18
Feb

Musica Antiqua Köln spielt Werke von Johann Friedrich Meister

Musikalischer Lustgarten

Die letzte Veröffentlichung der Musica Antiqua Köln

Man weiß nur wenig über Johann Friedrich Meister, schon das Geburtsdatum 1638 ist nicht gesichert. Sicher ist, dass er Kapellmeister am Hofe von Ferdinand Albrecht zu Braunschweig-Lüneburg war und nach einem Zerwürfnis mit dem Herzog nach Lübeck flüchtete, später kam er als Organist in Lüneburg unter. Dort dürfte er auch die 12 Triosonaten komponiert haben, die das Ensemble Musica Antiqua Köln nun quasi posthum, d.h. fünf Jahre nach seiner Auflösung auf den Markt bringt. Dessen Leiter Reinhard Goebel hat ja während seiner über dreißigjährigen Karriere so manch vergessenen Repertoireschatz ans Licht befördert, mit den sechs der bereits 2004 vom WDR aufgenommenen Meister-Sonaten ist ihm aber nun nochmal ein echter Coup geglückt. Dies ist betörende, stilistisch höchst individuelle Musik, in der deutsche Kontrapunktkunst und mediterrane Klangsinnlichkeit aufs Schönste zueinander finden. „Il giardino di piacere“, Lustgarten, hat Meister seinen Zyklus betitelt, und das passt wunderbar. Spielerisch leichthändig geht Meister mit den etablierten Satzformen um: man findet da geradezu lakonisch knappe Fugen, kaum eine Minute lang – als wolle er beweisen, dass er den Kontrapunkt beherrscht, den Hörer aber nicht mit langen Durchführungen quälen will. Dafür kann sich Meister siebeneinhalb Minuten in der Ausschmückung des harmonischen Gerüsts einer Sarabande verlieren, von denen man keine Sekunde missen möchte. Und auch die drei Streicher der Musica Antiqua samt Cembalist zeigen, warum sie nicht ohne Grund lange Jahre eine Referenz unter den Alte-Musik-Ensembles waren: feiner und klangsinnlicher kann alte Musik kaum klingen. (Stuttgarter Zeitung)

Johann Friedrich Meister: Il giardino del piacere.

Musica Antiqua Köln, Reinhard Goebel.

Berlin Classics