31
Jan

Philipp Scharri im Theaterhaus

Kochen bei Kants

Es wird heute ja viel gemeckert darüber, dass es keine geistreiche Unterhaltung mehr gebe, was ja auch stimmt: dass Dumpfbacken wie Mario Barth ganze Stadien füllen, zeigt das klägliche Niveau, auf das sich der Massengeschmack in puncto Humor eingependelt hat. Umso schöner, dass es junge Künstler gibt, die nicht die üblichen Klischees bedienen wie der gebürtige Rheinländer Philipp Scharri, der seine Zelte mittlerweile in Stuttgart aufgeschlagen hat. Er wurde bekannt als Poetry Slammer, 2009 gewann er darin sogar die deutsche Meisterschaft. Sein Programm „Der Klügere gibt Nachhilfe“, das er nun im Theaterhaus zum Entzücken eines begeisterten Publikums gegeben hat, geht aber weit darüber hinaus: denn auf der einen Seite ist Scharri ein brillanter Zeitgeistdiagnostiker, der in seinen im Balladenton vorgetragenen, zum Teil selbst am Klavier begleiteten Suaden manches von dem auf die Pointe bringt, was uns an alltäglichem Wahnsinn so passiert: ob es nun um Twittern geht, Beziehungsmissverständnisse oder den Zwang zur Originalität, mit der Friseure ihre Betriebe titulieren. Ähnliches machen andere zwar auch, aber kaum einer mit einer derartigen Virtuosität: denn Scharri ist ein Verseschmied von Wilhelm-Busch-Format, der Tinnituspfeifen auf Minibusreifen reimt und auch noch inhaltlich schlüssig zusammenkriegt. So richtig brillant wird der studierte Germanist Scharri aber, wenn er mit Bildungsgut jongliert. In „Kochen bei Kants“ etwa lässt er die Philosophen von Platon bis Wittgenstein zum Gockelbraten antreten, worauf Fragen von beträchtlicher Relevanz aufgeworfen werden: schmeckt auch ein Huhn, wenn es keiner probiert?

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