27
Jun

Isabelle Faust und Kristian Bezuidenhout spielten bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen

Zwischen Alt und Neu

Man kann viele Belege aufzählen für den neuen Geist, der mit dem Intendanten Thomas Wördehoff bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen eingezogen ist: dazu gehört auch, dass sich die Programme der Konzerte eben nicht mehr zufällig aus dem Tourneeplan der Interpreten ergeben, sondern aus einer künstlerischen Idee entwickelt sind. So hat sich Wördehoff für die diesjährigen Schlossfestspiele speziell Künstler gesucht, die aus dem Spannungsverhältnis von Werken alter und neuer Musik erhellende Programmkonstellationen bilden können.
Wie Isabelle Faust. Die Geigerin ist sowohl eine preisgekrönte Bachinterpretin, kennt sich aber auch mit zeitgenössischer Musik bestens aus und war insofern die ideale Wahl für das Konzert im Ordenssaal, das den Bogen schlug von Bachs Sonaten für Violine und Cembalo über György Kurtágs „Signs, Games and Message“ bis zu Helmut Lachenmanns „Toccatina“ für Violine solo. Ihr Partner am Cembalo für die Bachsonaten war dabei kein Geringerer als Kristian Bezuidenhout: er gilt als der international zurzeit wohl gefragteste Hammerklavierspieler, ist aber auch ein hervorragender Cembalist. Und Kompetenz ist hier gefordert, hat Bach in diesen sechs Sonaten das Cembalo doch aus seiner bloßen Begleitfunktion erlöst: der komplexe, mit der Solostimme auf vielfältige Weise korrespondierende Satz weist es als gleichberechtigten Partner der Violine aus, selbst wenn diese dynamisch naturgemäß weit größere Möglichkeiten hat als das Cembalo, das Lautstärke nur durch Verdichtung des Tonsatzes erzielen kann – ein Handicap, das Bezuidenhout aber mittels ungemein differenzierter Agogik wieder wettmachte. Und da es auch Isabelle Faust an artikulatorischer Fantasie nicht fehlen ließ, entwickelte sich im gut besetzten Ordenssaal ein Duomusizieren der animierendsten Art. Dem Puls der Musik folgend, spürten Bezuidenhout und Faust jeder harmonischen Wendung nach, schwungvoll und konturiert in den schnellen, fugierten Sätzen und mit nachhaltig berührenden Momenten in den großartigen Adagios: ein Wunder an Beseeltheit das Adagio der 1. Sonate mit den von Isabelle Faust innig ausgesungenen Sextenketten.
Die vier kurzen Sätze von Kurtág für Solovioline fügten sich stimmig in diesen Kontext: expressive, hoch komprimierte musikalische Aphorismen, die sich auf Vergangenes beziehen, ohne ihre Zeitgenossenschaft zu verleugnen und damit weitaus souveräner wirken als Lachenmanns Schabe-, Klopf- und Klöppelstück „Toccatina“ mit seiner zeittypischen, schon heute überholt wirkenden Vermeidungsästhetik. (StZ)

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