9
Feb

Die Abschlusskonzerte des Festivals ECLAT

Zahlen fürs Sparen

Gut, wenn man Missverständnissen vorbeugen kann. So wies Johannes Kreidler vor der Aufführung seines „Bolero“ beim Abschlusskonzert des Festivals ECLAT das Publikum darauf hin, dass sein Stück keinesfalls als Kommentar zur Orchesterfusion zu vestehen sei. Auf die Idee hätte man in der Tat kommen können. Denn Kreidlers Bearbeitung von Ravels Klassiker bestand schlicht darin, sämtliche Melodiestimmen zu streichen, sodass nur noch das Korsett übrig blieb. Nun kann man gute Gründe finden, das Ganze entweder ganz interessant oder völlig bekloppt zu finden – es gab am Ende sowohl Buhs wie freundlichen Applaus. Dass aber der SWR neuerdings für das (Ein-)Sparen und Kürzen auch noch bezahlt – das „Werk“ war ein Kompositionsauftrag des SWR – ist auf jeden Fall eine kuriose Volte.
Vor allem die Streicher des RSO dürften sich dabei ähnlich unterfordert gefühlt haben wie zuvor beim „sackbut concerto“ von Benedict Mason mit Mike Svoboda als Solisten. Masons Intention war, wie es im Programmbuch heißt, „alles, was wir mit Musik verbinden“ obsolet erscheinen zu lassen: „Kontext, Konsequenz, Entwicklung und Kunstfertigkeit“. Dies darf als gelungen betrachtet werden.
Beim folgenden „Ceux à Qui“ von Ramon Lazkano passte ebenfalls alles zusammen: der gestelzt-verschwurbelte Einführungstext zu der sich in zerfaserten Klanggesten und Wortfetzen spannungslos dahinziehenden Musik.
Mit Gordon Williamsons „Unhinged“ und Márton Illès´ „Tört – szin – tér“ hatte man sich die besten Stücke bis zum Ende des von Rupert Huber dirigierten Konzerts aufgespart, und beide Werke bewiesen sowohl einen handwerklich gekonnten Umgang mit dem Orchesterapparat wie eine stringente, allein hörend sich vermittelnde Konzeption. Williamsons Stück überzeugte mit einer plastischen, an Malerei erinnernden Textur, als Musik des permanenten Übergangs, mit changierenden, glissierenden Klangflächen. Noch avancierter das dreisätzige Stück des Ungarn Illès, das den durchbrochenen Satz zum Stilprinzip erhebt und das Orchester als klingenden Organismus adelt. Nie gehörte Klänge – schillerndes Pizzicatoprasseln, Atemholen, faszinierende Klanggesten – innerhalb einer stimmigen Faktur: das Versprechen des „Neuen“ in der Neuen Musik, hier wurde es einmal eingelöst.
Demgegenüber waren die drei Werke des Nachmittagskonzerts mit dem Ensemble ascolta allesamt blass geblieben: Sebastian Clarens Quartett „Ich öffne“ wirkte ebenso formlos und überfrachtet wie Alberto Posadas „Anklänge an Francois Couperin“, trotz Florian Hölschers hoch kompetenter Ausführung. An Pierluigi Billones „Ebe und anders“ schließlich zeigte sich in Grundübel vieler Werke neuer Musik: das Auswalzen einiger weniger Ideen. Immerhin konnte man dabei lernen, dass ein Cello wie ein Rennwagen klingen kann. (StZ)

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