18
Dez

Der Württembergische Kammerchor in der Leonhardskirche

Labsal für die Ohren

Die Deutschen seien im vorweihnachtlichen Kaufrausch, so ist zu lesen, und wer sich in diesen Tagen in die Stuttgarter Innenstadt begibt, sieht den Befund bestätigt. Überfluss allenthalben, zumindest für jene, die es sich leisten können, wobei für viele das Problem darin bestehen dürfte, überhaupt materielle Bedürfnisse zu finden, die noch geweckt werden können. Als Heinrich Schütz 1648 seine Geistliche Chormusik schrieb, hatten die Menschen andere Sorgen. Der Dreißigjährige Krieg war gerade zu Ende gegangen und hatte ein verwüstetes Land hinterlassen. Viele Menschen lebten in bitterster Armut, auch Schütz selbst, der später sein Leben als „nahezu qualvolle Existenz“ beschrieben hat, litt unter der allgemeinen Depression.
In den 29 Motetten der Geistlichen Chormusik freilich ist von dieser Verzweiflung nichts zu spüren. Schütz beweist in dieser klangsinnlichen Musik seine Souveränität in der alten Schule des Kontrapunkts, lässt aber die Einflüsse des neuen konzertierenden Stils hörbar werden, den er in Italien kennengelernt hatte. Wer diese Werke heute aufführen möchte, hat die Wahl. Die fünf- bis siebenstimmigen Sätze lassen sich solistisch oder chorisch singen, man kann sie, wie es Schütz intendierte, a cappella oder mit einer Generalbassbegleitung aufführen. Dieter Kurz und sein Württembergischer Kammerchor haben sich für ihr Konzert am Freitagabend in der Leonhardskirche für letztere Variante entschieden und dem Organisten Peter Schleicher die Ausführung des Generalbasses auf der Truhenorgel überantwortet. Eine klanglich überzeugende Lösung, wurde der kompakte Klang des Chors dadurch dezent unterfüttert und getragen. Elf Motetten hatte Kurz ausgewählt, zwischen denen Schleicher kurze, stilistisch passende Orgelstücke spielte, allesamt prächtig gesungen von einem der nach wie vor besten Chöre der Stadt, vorbildlich in seiner Textverständlichkeit und Klangbalance. Ein kostbares Konzert, wie eine Oase im Weihnachtsrummel und Labsal für die Ohren.

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