22
Mai

„Kashimoto, Bohórquez & Friends“ bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen

Zum Luftanhalten

Eigentlich ist so ein Streichoktett ja fast ein Orchester. Jede Stimme ist doppelt besetzt, da fehlt eigentlich nur noch der Kontrabass. Im Ludwigsburger Ordenssaal nun hatten sich unter dem Titel „Kashimoto, Bohórquez & Friends“ acht Weltklassestreicher zusammengetan, die kein festes Ensemble bilden und sich vielleicht auch deshalb bei Schostakowitschs „Zwei Stücken für Streichoktett“ und dem Oktett von Niels Wilhelm Gade sehr engagiert ins Zeug legten. Nun ist man in kaum einem anderen Saal dichter an den Musikern dran als im Ordenssaal, der gerade bei Kammermusik seine akustischen Qualitäten ins beste Licht rücken kann. Und da die Musiker nicht nur auf der sprichwörtlichen Stuhlkante musizierten, sondern auch noch über exquisite Instrumente verfügen, war diese erste Programmhälfte ein Genuss für Liebhaber erlesenen Streicherklangs: in üppigsten Farben leuchtend das hochromantische, orchestral angelegte Trio von Gade, mit Hochspannung ausmusiziert die Stücke von Schostakowitsch.
Den Kontrapunkt zum romantischen Überschwang bildete nach der Pause Schnittkes „Hymnus II“ für Cello und Kontrabass. Musik der größtmöglichen Reduktion, die den Fokus auf den einzelnen Ton und dessen expressives Potential richtet und sich am Ende quasi ins Jenseits auflöst: immer kürzer wird der Abstand des Cellistenfingers zum Steg und immer höher das Flageolett, bis am Ende nur noch der Bogen dazwischenpasst. Zum Luftanhalten.
Ein eher konventionelles Vergnügen danach Schuberts Forellenquintett, zumal die Musiker den Dauerbrenner zwar erneut mit großer Emphase und technisch profund, aber auch ein wenig pauschal musizierten. Umso spannender geriet dafür das nicht programmierte Encore: Dem Festivalmotto „Ins Ungewisse…“ entsprechend waren dies drei Stücke für Cello und Violine von Jörg Widmann, die Claudio und Oscar Bohórquez in ihrem anspielungsreichen Schalk grandios auf den Punkt brachten. Dem Applaus nach zu urteilen, hat´s auch dem Publikum gefallen.

(STZN)

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