24
Nov

Die Stuttgarter Philharmoniker mit Martin Stadtfeld

Sinfonische Grundversorgung

Müsste man sich auf ein sinfonisches Basisrepertoire verständigen, dann gehörte Beethovens 6. Sinfonie unbedingt dazu. Dabei ist die „Pastorale“ ja auch vor allem deswegen berühmt, weil sie als sogenannte Programmmusik hörendes Verstehen ermöglicht, ohne dass man dabei die Sonatenhauptsatzform ständig im Hinterkopf haben müsste: Vogelgezwitscher, Donnergrollen – das bekommt man selbst als musikalischer Laie mit. Dass die Pastorale trotz ihrer Beliebtheit relativ selten auf Konzertprogrammen auftaucht, dürfte wohl damit zusammenhängen, dass man damit als Orchester schwer etwas gewinnen kann: jeder kennt sie, und angesichts der Vielzahl hervorragender Aufnahmen hängt die Latte hoch. Umso dankbarer muss man sein, wenn sich die Stuttgarter Philharmoniker in ihrem Abokonzert der Großen Reihe zur sinfonischen Grundversorgung bekennen. Unter der Leitung des gebürtigen Stuttgarters Ulrich Kern als Gastdirigent durfte man im Beethovensaal eine respektable Interpretation hören, die den Fokus auf eine plastische, eher mit dem farbsatten Pinsel als dem Konturenstift gezeichnete Darstellung der Szenen gerichtet hatte, beginnend mit dem stimmungsvoll ausgespielten Eintreffen der Landleute und kulminierend in einer eindrucksvoll drastischen Gewitterszene.
Dagegen ist die Ouvertüre zu Étienne-Nicolas Méhuls Oper „Uthal“ musikalische Durchschnittskost, wie sie im 18. Jahrhundert häufig auf Programmen zu finden war: effektvoll, aber in der Wahl der musikalischen Mittel konventionell – kreuzbieder im Vergleich zu Beethoven, dessen Rang als führender Komponist seiner Zeit auch durch seine revolutionären Klavierkonzerte belegt ist. Das Konzert Nr. 1 C-Dur op.15, eigentlich als zweites komponiert, steckt voller musikalischer Überraschungen und ist immer wieder aufs Neue bestechend in seiner Verbindung von Witz, Poesie und Ernsthaftigkeit. Allerdings hätte es an diesem Abend einen besseren Interpreten verdient gehabt als Martin Stadtfeld. Der 39-Jährige Pianist verfügt weder über die Anschlagsvariabilität noch die rhythmische Sicherheit für diese komplexe Musik. Die Ecksätze hämmerte er monochrom hart herunter und verlor dabei immer wieder das Metrum aus dem Blick, wodurch Ulrich Kern alle Hände voll zu tun hatte, das sinfonische Ganze zusammenzuhalten. Vor allem im Rondo dann kein Anflug von Esprit, gar Eleganz – eine verschenkte Chance angesichts der Vielzahl toller junger Pianisten.

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