9
Feb

Das Staatsorchester beim 4. Sinfoniekonzert

Über den Orbit

„Einen milden Spätsommerabend“ solle man sich vorstellen als atmosphärischen Hintergrund zu Claude Debussys „Jeux“ – so der Dirigent Duncan Ward, der dann auf dem Podium noch die Handlung des Balletts umriss, für die Debussy seine wohl avancierteste Partitur geschrieben hat. Spätsommer? Nicht gerade leicht angesichts eines eher kalten Wintermorgens im – immerhin gut beheizten – Beethovensaal. Allerdings gelang es dem britischen Dirigenten zusammen mit dem bestens disponierten Staatsorchester, die amouröse Szenerie um den jungen Tennisspieler und zwei kapriziöse Mädchen allein durch musikalische Mittel derart plastisch zu schildern, dass programmatische Erläuterungen eigentlich gar nicht mehr notwendig waren.
Victor Hugos Bonmot, die Musik drücke aus, „was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist“, könnte durchaus als programmatische Idee für dieses 4. Sinfoniekonzert taugen, bei dem neben Debussy noch Werke von Maurice Ravel, Charles Koechlin und Edgar Varèse gespielt wurden. Während Ravels „Shéhérazade“ nach Gedichten von Tristan Klingsor sich in der Phantasmagorie einer orientalischen Welt verliert (mit einer vielfarbig-eleganten Ausführung des Sopranparts durch Rachael Wilson), richtete Koechlin in „Vers la vôute étoilée“ seinen Blick über den Orbit hinaus in die Unendlichkeit des Kosmos: eine grenzsprengende musikalische Studie, mit vagierenden Klangschichten gleich kosmischen Nebeln, die in einer finalen Kulmination wie eine Supernova explodieren, um danach als verglühende Partikel im Raum zu mäandern. Faszinierend. Und während man den Umstand bedauern kann, dass dieses Stück kaum einmal auf Konzertprogrammen zu finden ist, erscheint dasselbe Schicksal bei Edgar Varèses „Déserts“ nachvollziehbar. Denn auch wenn der 1883 geborene Pionier der elektronischen Musik damit seinem Ziel, synthetisch generierte mit natürlich erzeugten Klängen zu verschmelzen, nahe gekommen sein mag: die elektronisch erzeugte Tonspur, die damals avanciert war, kommt einem heute in ihrer Mixtur aus Geisterbahn, Walrossgrunzen und allerlei Geräuschhaftem ziemlich altmodisch – man könnte auch sagen: retro – vor. Auch trägt, daran konnten auch die rot grundierte Saalbeleuchtung und das von Nathanael Carré als Quasi-Prélude stimmungsvoll geblasene debussysche „Syrinx“ nichts ändern, das Klanggebastel kaum über 25 Minuten.

Keine Kommentare vorhanden

Sagen Sie Ihre Meinung, schreiben Sie einen Kommentar!

Ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen und bin damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten, mit dem Absenden dieses Onlineformulars, zweckgebunden zum Kommentieren elektronisch erhoben und gespeichert werden.

Cookie-Einstellung

Bitte treffen Sie eine Auswahl. Weitere Informationen zu den Auswirkungen Ihrer Auswahl finden Sie unter Hilfe. Datenschutz | Impressum

Treffen Sie eine Auswahl um fortzufahren

Ihre Auswahl wurde gespeichert!

Weitere Informationen

Hilfe

Um fortfahren zu können, müssen Sie eine Cookie-Auswahl treffen. Nachfolgend erhalten Sie eine Erläuterung der verschiedenen Optionen und ihrer Bedeutung.

  • Alle Cookies zulassen:
    Jedes Cookie wie z.B. Tracking- und Analytische-Cookies.
  • Nur notwendige Cookies zulassen:
    Technisch notwendige Cookies von dieser Website.
  • Keine Cookies zulassen:
    Es werden keine Cookies gesetzt, es sei denn, es handelt sich um technisch notwendige Cookies.

Sie können Ihre Cookie-Einstellung jederzeit hier ändern: Datenschutz. Impressum

Zurück