13
Feb

Das Gstaad Festival Orchestra mit Seong-Jin Cho

Schweizer Präzisions

Es kann auch eine Bürde sein, den Warschauer Chopin-Wettbewerb gewonnen zu haben. Alle wollten nun Werke Chopins von ihm hören, so beklagte sich Seong-Jin Cho in einem Interview, nachdem er 2015 den 1. Preis beim wohl wichtigsten Klavierwettbewerb der Welt errungen hatte. Doch habe er eigentlich immer mit Vorliebe vor allem Mozart, Beethoven und Brahms gespielt. Und mit welcher Kompetenz er das tut, hat der 25-Jährige Südkoreaner – in seiner Heimat mittlerweile auf ähnliche Weise ein Star wie sein Kollege Lang Lang in China – nun auf eindrucksvolle Weise beim Meisterkonzert im Beethovensaal gezeigt.
Das fünfte gilt als Beethovens technisch anspruchsvollstes Klavierkonzert wie auch als jenes, bei dem Solo- und Orchesterpart am engsten verzahnt sind – eine Art konzertante Symphonie, getragen von einem emphatischen Gestus, wie man ihn in der Geschichte dieser Gattung bis dahin nicht gekannt hat. Gleich in der Eingangskadenz mit dem rauschenden Einstieg des Solisten kündigt sich dieser neue Tonfall an, der freilich auch von seiten des Orchesters getragen werden muss. Und das war an diesem Abend im gut gefüllten Beethovensaal in idealer Weise gegeben. Als wollten sie sich gegenseitig übertrumpfen, stürmten Cho und das vom Stuttgarter Ex-GMD Manfred Honeck geleitete Gstaad Festival Orchestra gleich im Kopfsatz los. Mal zärtlich, mal kämpferisch, aber immer leidenschaftlich warfen sie sich die motivischen Bälle zu, in der Plastizität der Darstellung war das ein schon fast theatral auftrumpfender Beethoven, der das revolutionäre Potential dieser gern als klassisch verharmlosten Musik mitreißend offenbarte.
War hier schon deutlich geworden, dass das aus Orchestermusikern und ausgewählten Studenten formierte Orchester ein gut geöltes Schweizer Präzisionsensemble ist, dann nutzte Manfred Honeck nach der Pause in Dvoráks neunter Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ dessen Qualitäten noch extremer aus. Honeck hielt das Orchester hier an der ganz kurzen Leine, jeden Reibungsverlust unterbindend. Eine ähnlich durchgeformte, metrisch bewegliche Phrasierung hört man allenfalls gelegentlich von amerikanischen Toporchestern – insgesamt war das bezwingend und nur manchmal wirkte es ein bisschen eitel, nach dem Motto: hört her, was wir können. Am Ende Jubel und Brahms´ Ungarischer Tanz Nr. 1 als Zugabe.

 

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