31
Jul

Mnozil Brass beim Abschlusskonzert der Ludwigsburger Schlossfestspiele

Begnadete Spaßvögel

Auch der Ludwigsburger Festspielintendant war bei seiner kleinen Ansprache vor Beginn des Konzerts schon vom Humor-Virus angesteckt. Er bitte um Verständnis, ließ Thomas Wördehoff das Publikum wissen, dass störungsfreies Telefonieren aufgrund der zu erwartenden Lautstärke der Musik an diesem Abend leider nicht möglich sei. Leonhard Paul, der langhaarige Zottel unter den drei Mnozil Brass-Posaunisten, übersetzte Wördehoffs Rede parallel dazu in eine ziemlich lustige Gebärdensprache, was das Publikum im ausverkauften Theater im Forum gleich in die rechte Champagnerlaune brachte. Warming-up nennt man sowas im Showbiz.
Das Publikum liebt die schräge Bläsertruppe aus Wien. Ihre Konzerte sind regelmäßig ausverkauft und so lag der Gedanke nicht fern, auch das Abschlusskonzert mit Mnozil Brass zu gestalten – ein spektakulärerer Schlusspunkt lässt sich kaum setzen unter eine insgesamt ziemlich erfolgreiche Festspielsaison.
Doch auch wenn die Auftritte von Mnozil Brass in der Regel eine sichere Bank sind, so gab es diesmal einige Unwägbarkeiten – galt es doch, auch das Orchester der Ludwigsburger Festspiele mit zu beteiligen. Das hätte durchaus danebengehen können. Ging es aber nicht.
Das lag vor allem an der intelligenten Dramaturgie des Abends, die das Orchester humoristisch mit einband, ohne den Musikern Ungebührliches abzuverlangen. Zwar wurde die Dirigentin Julia Jones schon mal von Trompeter Robert Rother über die Schulter gelegt und strampelnd abtransportiert. Auch einer Geigerin wurde nachhaltig zum Verhängnis, dass sie bei Leonhard Pauls Orchesterbegehung im Weg saß. Ansonsten aber machte das Orchester, was es am besten kann, nämlich Musik – selbst wenn das an diesem Abend etwas anders ablief als sonst. Mit Gioacchino Rossinis Ouvertüre zu Wilhelm Tell begann das Programm zunächst ganz konventionell. Der Solocellist spielte ausdrucksvoll, molto vibrato, die Stimmung tendierte zur Besinnlichkeit. Doch alsbald waren erste Störtöne aus dem Off zu hören, ehe ein Mnozil Brassler nach dem anderen die Bühne enterte und sie im Kollektiv damit begannen, dem Orchester das Heft aus der Hand nehmen. Es ist wirklich so: wenn diese sieben Virtuosen, aufgereiht auf der Rampe, fortissimo in den Saal blasen, dann hat ein Orchester schon lautstärkemäßig kaum noch eine Chance.
Doch die fabelhaften Sieben sind eben auch begnadete Spaßvögel.
Manchmal sind ihre Nummern purer Slapstick: wie der Olympiawettkampf in slow motion mit der zwerchfellerschütternden Synchronschwimmeinlage zu den Klängen des Donauwalzers. Oder das Posaunenduell zwischen Zoltan Kiss als goldkettenbehängtem Macho und dem „braven“, von ihm in die Ecke geblasenen Gerhard Füssl. Doch wenn Leonhard Paul als Krönung eines großartig lakonischen Soloauftritts mit je einem Fuß einen Posaunenzug und je einer Hand die Trompetenventile seiner Kollegen bedient und ihm dann noch der Stuhl weggezogen wird, auf dass er, quasi freischwebend, mit jeder Extremität ein Instrument spielend, in der Luft hängt, dann hat das fast zirkusreife Qualitäten. Von den musikalischen Qualitäten ganz zu schweigen.
Denn da macht Mnozil Brass so schnell niemand was vor. Jeder ist ein Spitzenkönner auf seinem Instrument, und zusammen sind sie eine Wucht. Sensationell ihre Version von Zawinuls „Birdland“, in der auch das Orchester stimmig eingebunden ist, ein Kabinettstückchen das Arrangement des Queen-Klassikers „Bohemian Rhapsody“ mit den Falsett-Gesangseinlagen.
Klar, dass das Publikum am Ende aus dem Häuschen war. Und hoffentlich auch klar, dass Mnozil Brass im nächsten Jahr wieder verpflichtet wird. Gell, Herr Wördehoff?

(StZ)

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