20
Nov

Das zweite Sinfoniekonzert des Staatsorchesters Stuttgart

Ein Fest der Farben

„Maronenfarbiges in Blau“ ist das Bild von Mark Rothko untertitelt, das im Programmheft zum 2. Sinfoniekonzerts des Staatstheaters abgebildet ist. Allein, das ganze Heft ist in Schwarzweiß gedruckt und Rothkos Bild damit eher eine Etüde in Grau – was vermutlich nicht im Sinne des Dramaturgen gewesen sein dürfte.

Umso bunter geriet dafür das Konzert an diesem sonnigen Novembermorgen. Was nicht zuletzt am Programm lag, hatte man doch mit Debussys „Prélude à l´après-midi d´un faune“ und „La Mer“ zwei der schillerndsten Orchesterpartituren ausgewählt, dazu ein Werk von Toru Takemitsu, in dem sich der Komponist auf Debussys „La Mer“ bezieht. Ergänzt wurden diese Werke durch Bachs Konzert BWV 1060 für 2 Klaviere – wobei satztechnische Details darauf hindeuten, dass es sich dabei vermutlich um die Bearbeitung eines (verschollenen) Doppelkonzerts für zwei Melodieinstrumente handelt. Das Stück nun wirkte ein wenig wie ein Fremdkörper innerhalb des ansonsten sehr konsistenten Programms. Zum einen, weil es mit dem aufs Maritime zielenden Konzertmotto nichts zu tun hatte, zum anderen ob der etwas diffusen Klanglichkeit, die sich nicht zuletzt durch die beiden eng aneinander geschobenen Steinway-Flügel ergab. Dem GrauSchumacher Piano Duo gelang es so vor allem im dritten Satz nicht immer, die Stimmverläufe hinreichend plastisch werden zu lassen, dazu trieb Sylvain Cambreling das Staatsorchesters gerade hier mit einer gewissen Atemlosigkeit voran.

Dafür war die Aufstellung der beiden Flügel als quasi zweimanualiges Rieseninstrument in Takemitsus „Quotation of Dream – Say Sea, Take Me!“ in Verbindung mit dem sehr harmonisch agierenden Klavierduo die Bedingung für ein ausgesprochen klangsinnliches Erlebnis. Partikelhaft lässt Takemitsu in diesem Werk Zitate aus Debussys La Mer aufscheinen (das man rein dramaturgisch vielleicht besser davor gespielt hätte), und auch ästhetisch steht der Japaner dem französischen Sensualisten nahe: organisch, quasi absichtslos entwickelt sich seine Musik und bildet dabei immer wieder neue Klangtexturen, wobei der Klaviersatz mal in den Orchesterklang amalgamiert, mal in Kontrast dazu gesetzt erscheint.

Für solcherart Mixturen hat Cambreling ein Händchen, und auch die beiden Werke Debussys gelangen ihm an diesem Morgen sehr überzeugend. Das „Prélude à l´après-midi d´un faune“ in seiner schwebenden Entspanntheit vielleicht noch etwas besser als La Mer, das man sich klanglich hier und da noch etwas trennschärfer hätte vorstellen können. Dennoch: mal mit feinem, mal mit gröberem Pinsel zeichnend, den atmosphärischen Wendungen der Musik immer auf der Spur, feierte Cambreling mit dem technisch glänzend agierenden Staatsorchester ein veritables Farbenfest. Schwarzweiß blieb – zum Glück – bloß das Programmheft. (STZN)

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