7
Jul

Das Stuttgarter Staatsorchester unter Cornelius Meister

Für Herz und Hirn

Da wurde es ziemlich eng auf der Bühne des Beethovensaals. Allein acht Hörner und fünf Trompeten verlangt Richard Strauss für seine Sinfonische Dichtung „Ein Heldenleben“, dazu eine massive Streicherbesetzung und allerhand Schlagwerk, und so war inmitten des Staatsorchesters gerade noch Platz für seinen – zum Glück recht schmal gebauten – Chefdirigenten Cornelius Meister. Nun kann eine solche Riesenbesetzung leicht massiv klingen. Die Klangbalance auch im Fortissimo zu wahren zählt hier also zu den vornehmlichsten Aufgaben des Dirigenten. Doch selbst wenn es Meister, etwa in der dramatischen Schilderung der Fährnisse, die der Held zu überwinden hat, schon mal dezent krachen ließ – dröhnend oder gar ungeschlacht geriet es nie. Meister, das beweisen auch seine Operndirigate immer wieder aufs Neue, hat ein Gespür für die Austarierung der Orchestergruppen und verfügt auch über die Fähigkeit, an den entsprechenden Stellschrauben zu drehen. So geriet dieses wirkungsmächtige, von Strauss mit allerlei selbstreferentiellen Bezügen gespickte Stück zu einem vertitablen Orchesterfest, nicht zuletzt auch wegen der famosen Konzertmeisterin Elena Graf, die den Solopart im zweiten Satz mit geradezu verzehrender Intensität gestaltete.
Kein Wunder, dass das Orchester am Ende dieses letzten Sinfoniekonzerts der Spielzeit gefeiert wurde, hatte doch auch die erste Programmhälfte schon Außergewöhnliches geboten. Begonnen hatte es mit „Vís-szín-tér“ von Márton Illés, einem Auftragswerk der Staatsoper, an der Illés in der aktuellen Konzertsaison „Composer in focus“ ist. In den drei Sätzen treibt der ungarische Komponist, der unter anderem bei Wolfgang Rihm studiert hat, die klangliche Ausdifferenzierung des Orchestersatzes auf die Spitze. Jenseits von Kategorien wie Melodie oder Harmonik entwickeln sich die Klänge quasi organisch, wobei der Untertitel „Aquarelle“ auf das Ausfransen und Verschwimmen der Klangflächen hinweist, die der Komponist hier mit größter Subtilität aus den Klangmöglichkeiten Orchesterinstrumenten amalgamiert. Strukturell bietet das Werk zumindest beim ersten Hören kaum Orientierungspunkte – man muss sich, sozusagen im Sinne des Zen, ganz auf das einlassen, was im Hier und Jetzt passiert.
In dieser Hinsicht macht es einem Frank Martin mit seinem Concerto für 7 Blasinstrumente, Pauken, Schlagzeug und Streicherorchester leichter. Das Werk ist eine zeitgenössische Wiederbelebung des barocken Prinzips des Konzertierens, bei dem Soloinstrumente gegenüber einem Orchester ihre virtuosen Fähigkeiten demonstrieren. Musik, die Herz und Hirn gleichermaßen anspricht und die zu hören insofern ein großes Vergnügen war, als sich sowohl Solisten wie Orchester auf Martins rhythmisch dominierte Musik mit spürbarer Begeisterung und technischer Brillanz einließen. Am Ende zählt: das Kollektiv.

STZN

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