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Feb

Mikhail Pletnev spielte in der Meisterpianistenreihe

„Con amabilità“ schrieb Beethoven unter die Akkorde im ersten Takt seiner Sonate As-Dur op.110, was sich als „mit Liebenswürdigkeit“ übersetzen ließe. Was musikalisch genau damit gemeint ist, darüber könnte man lange nachdenken – oder man hört einfach zu, wie Mikhail Pletnev diesen Beginn spielt: unendlich sanft, mit kaum spürbarer Verzögerung setzt er im Beethovensaal diese As-Dur Akkorde wie eine zärtliche Geste. Die Verzögerung, mit der Pletnev die Phrase dann enden lässt, steht freilich nicht in den Noten, wie sich Pletnev auch sonst wenig an die Vortragsanweisungen hält, seien es nun Dynamikbezeichnungen oder Pausenzeichen – aber eben das charakterisiert das Spiel des genialischen Russen, der nun nach einigen Jahren wieder einmal zu einem Solorecital im Rahmen der Meisterpianistenreihe zu Gast war.
Dass Pletnev pianistisch zur obersten Liga zählt, ist bekannt. Einen nuancierteren Anschlag als seinen kann man sich kaum vorstellen, schier unendlich erscheint seine Palette an dynamischen Abstufungen und Klangfarben, wobei ihn weniger Brillanz, sondern mehr ein möglichst großes Spektrum dezent abgetönter Pastellfarben zu interessieren scheint. Dabei kommt ihm sein bevorzugter Flügel von Shigero Kawai entgegen. Der klingt deutlich weicher als der üblicherweise gespielte Steinway, was vor allem im Pianissimobereich berückende Klangwirkungen ermöglicht. Auf der anderen Seite verschwimmen in den raschen Sätzen der beiden Mozartsonaten KV 282 und KV 330 Pletnev manche Figurationen im Weichzeichnerklang – was möglicherweise aber genau seine Absicht ist, denn konturenscharfes, artikulatorisch differenziertes Mozartspiel auf der Basis historisch-kritischer Musizierpraxis ist Pletnevs Sache nicht. Seine Haltung ist eher die eines subjektiven Klangkünstlers, der jeden Takt auf die Goldwaage seines Empfindens legt, was dann gerade bei den beiden Beethovensonaten – neben op. 110 spielte Pletnev am Ende des Konzerts noch die letzte Sonate op. 111 – ein Füllhorn berückend gespielter Stellen ergibt. Dass er bei groß angelegten Formen wie der Fuge von op. 110 oder der Arietta-Variationenfolge von op. 111 in Gefahr läuft, die Dramaturgie aus dem Auge zu verlieren, mag dabei lässlich erscheinen. Wobei ihm möglicherweise die Musik anderer Komponisten doch eher liegt: die zweite der beiden Zugaben, Chopins Mazurka a-Moll op. 67, legte diese Vermutung nahe.

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