Beiträge der Kategorie ‘Tonträger’

Das Artemis Quartett spielt Brahms

02.
Okt..
2015

Pochendes Herz

cd_brahms2015

Im Juli dieses Jahres starb der Bratscher des Artemis Quartetts Friedemann Weigle – wie man nun erfahren hat, litt er seit langem an bipolarer Depression. So ist die jüngste CD des Artemis Quartetts mit den zwei Quartetten Nr. 1 op. 51 & Nr. 3 op. 67 von Johannes Brahms auch zu einer Art Vermächtnis für den Bratscher geworden, der seit 2007 Mitglied des erfolgreichsten (und wohl auch besten) deutschen Streichquartetts gewesen ist. Ihre herausragenden Qualitäten zeigen die Vier auch in dieser Aufnahme. Drängend, ja emphatisch ist ihr Zugriff in den Kopfsätzen, den bei Brahms gern vernachlässigten romantischen Überschwang betonend ohne die formalen Entwicklungsprozesse aus dem Blick zu verlieren. Alles ist beständig im Fluss, jede Stimme belebt und in Bewegung, bar jeglicher nivellierenden Routine, wie man sie auch von berühmten Streichquartetten gelegentlich hören muss. Selbst das unscheinbarste kleine Motiv wird noch auf seinen Gehalt abgeklopft – man höre nur die schwebenden Pizzicati im Trio von op. 67/3. Die langsamen Sätze sind keine idyllischen Refugien ungetrübten Espressivoglücks – man spürt auch hier die latente Nervosität eines pochenden romantischen Herzens. Technisch makellos, ist diese Aufnahme aber auch klanglich beeindruckend: Es gibt – oder muss man sagen: gab – wohl kein anderes Quartett mit einer derartigen Fülle an Klangfarben– und texturen. Ihre anstehenden Herbsttermine bestreitet das Artemis Quartett ohne Bratsche: Die Pianistin Elisabeth Leonskaja wird seine Partnerin bei Klavierquartetten von Brahms und Schumann sein.

Johannes Brahms
Streichquartette Nr. 1 op. 51 & Nr. 3 op. 67
Erato/Warner 2564612663

Isang Enders spielt Bachs Solosuiten

18.
Jan..
2015

Keine Angst vor Höhenlagen

bachWas für Pianisten Beethovens 32 Sonaten, bedeuten Bachs sechs Solosuiten für Cellisten: eine künstlerische Reifeprüfung. Anders als für Klavier ist aber das Repertoire für Cello solo sehr überschaubar, sodass fast jeder bedeutende Cellist die sechs Suiten im Laufe seiner Karriere ein- (oder mehrmals) aufgenommen hat. Wer sich als junger Cellist dieser Aufgabe stellt, sieht sich also mit einer einschüchternden Fülle exzellenter Aufnahmen von Rostropowitsch bis Queyras konfrontiert. Da heißt es eine eigene Deutung zu finden – und das gelingt dem 26-jährigen deutsch-koreanischen Cellisten Isang Enders ausgezeichnet, der einen sehr persönlichen, überzeugenden Weg jenseits „romantischer“ und “historisch informierter“ Musizierauffassung wählt. Von Enders´ Kenntnis barocker Aufführungspraxis zeugen vor allem die Couranten und Bourrées, die er mit tänzerischem Duktus und differenzierter Artikulation spielt. Doch vor allem für die Préludes findet er sehr individuelle Lösungen, ohne dabei ins Manirierte abzugleiten: so nimmt sein spielerischer und frischer Zugang zum Prélude C-Dur ebenso gefangen wie der natürliche musikalische Fluss im c-Moll-Prélude. Und selbst die gefürchteten Höhenlagen im Eröffnungsstück der letzten Suite in D-Dur (die Bach für ein fünfsaitiges Instrument geschrieben hat) bewältigt Enders imponierend. Fast metaphysisch ist sein Zugang zu den Sarabanden, die er mit größter Versenkung spielt, auratisch verklärt. Nicht zuletzt auch wegen der überragenden Klangqualität ist diese Neueinspielung eine Bereicherung des Repertoires.

Bach: Cello Suites. Isang Enders. Berlin Classics. 2 CDs.

Susanne Lang spielt Klavierwerke von Evgenij Gunst

04.
Okt..
2014

Lohnende Entdeckung

GunstEs ist keine Schande, den Namen Evgenij Gunst noch nie gehört zu haben. 1877 in Moskau geboren, wo er sich als Komponist und Musikschriftsteller in den Kreisen der Skrjabinisten bewegte, emigrierte Gunst nach der russischen Revolution nach Paris, wo er 1950 verarmt starb. Erst 2010 begann die Sichtung seiner hinterlassenen Manuskripte, darunter auch eine große Anzahl Klavierwerke. Die junge, aus Speyer stammende und in Basel lebende Pianistin Susanne Lang legt mit ihrer CD „Wanderer zwischen den Welten“ nun ein beeindruckendes Porträt des fast vergessenen Komponisten Gunst vor, dessen Biografie durchaus typisch ist für viele in die Emigration gezwungene russische Künstler. Eine Biografie, die in der Entwicklung von Gunsts kompositorischem Stils gespiegelt ist. Frühe Werke wie die beiden Sonaten op. 8 und op. 10 erinnern in ihrer vollgriffig-virtuosen Faktur an russische Zeitgenossen wie Rachmaninov und Skrjabin, in der „Romance sans paroles“ op. 2 scheint sogar etwas chopineske Melancholie durch. Die späteren, in Paris geschriebenen Werke wie die „Douze Miniatures“ op. 28 zeigen in ihrem luziden Satz und ihrer bildhaften Pointierung dagegen deutlich Einflüsse von Debussy und Ravel. Auch wenn pianistisch mit dieser Einspielung das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, so gestaltet Susanne Lang die technisch mitunter äußerst anspruchsvolle Musik Gunsts bravourös und mit großer Sensibilität. Ihr Klavierspiel ist weniger titanisch als differenziert, alles ist im Fluss und klanglich fein ausgehört. Eine lohnende Entdeckung.

Evgenij Gunst. Wanderer zwischen den Welten. Susanne Lang, Klavier. Oehms Classics 899.

Sophie Karthäuser singt Poulenc

23.
Juni.
2014

Die ganze Welt in einem Lied

Das Kunstlied ist in der Krise. Konzerte sind oft schlecht besucht, das Repertoire ist längst abgesteckt, aufregend Neues nicht in Sicht. Oder doch? Hört man die neue, wunderbare CD der belgischen Sopranistin Sophie Karthäuser mit Lieder von Francis Poulenc, kann man durchaus Hoffnung haben für die ehrwürdige Gattung Sänger/in plus Klavier. Man kennt  Sophie Karthäuser vor allem aus der Alte-Musik-Szene: Bach, Haydn, Mozart, das ist gemeinhin ihre Welt. Dass sie aber auch eine großartige Liedinterpretin ist, zeigt sie mit den „Mélodies“ des hierzulande immer noch leider viel zu wenig bekannten Francis Poulenc. In einer Zeit, in der die Tonalität längst abgeschafft schien, hat ihr Poulenc noch einmal zu einer späten Blüte verholfen, und das enorm weite Spektrum seiner Tonsprache vermittelt die Liedauswahl auf dieser Platte eindrücklich: da steht Quasi-Naivität („La courte paille“) neben surrealistisch verrätselten Szenen in den Zyklen nach Gedichten von Paul Éluard oder Guillaume Apollinaire, übermütiger Witz („Fetes galantes“) neben Walzerpreziosen wie „Les chemins d´amour“.  Und wie Poulenc für jedes Gedicht einen anderen kompositorischen Zugang wählt, findet Sophie Karthäuser dafür den jeweils passenden Tonfall, bei dem sie ihr Begleiter Eugene Asti am Klavier kongenial unterstützt. Karthäusers Deklamation ist vorbildlich, die Palette ihrer Klangfarben scheinbar unerschöpflich, in erster Linie aber dient ihr vokale Technik als Mittel zum Zweck. Innerhalb weniger Minuten eine ganze Welt entwerfen: das gelingt ihr mit diesen Liedern.

Francis Poulenc. Les Anges musicien. Harmonia Mundi.

Christina Pluhar und das Ensemble L´Arpeggiata mit Musik von Henry Purcell

17.
März.
2014

Barockes Fest

cd-cover-purcell-pluhar-music-for-a-while-100~_v-image480q_-86e76969c4c6eae737b1aecd7f2fc4c32e479f73Musikalische Crossoverexperimente über Genre- und Stilgrenzen hinweg gab und gibt es viele. Viele davon scheitern, einige gelingen ganz gut, aber wirklich Begeisterndes findet sich selten darunter: meist bleibt als Ergebnis weniger als die Summe seiner Teile. Der erste, der versucht hat, Barockmusik mit Elementen des Jazz anzureichern, war wohl Jacques Loussier, der begnadete Bach-Synkopierer. Viel weiter als Loussier (und auch weiter als die meisten anderen) geht nun die Lautenistin Christina Pluhar, die zusammen mit ihrem fabelhaften Ensemble L´Arpeggiata Musik des englischen Barockkomponisten Henry Purcell quasi als Improvisationsvorlage nimmt – und damit tiefer in deren Kern eindringt als manch historisch-kritischer Originalklängler.
Dabei kommt den Musikern der Umstand zugute, dass Purcells Musik – ähnlich wie Jazzstandards – oft auf bestimmten wiederkehrenden Akkordfolgen (Changes) beruht, über die sich dann trefflich improvisieren lässt. Zwar flicht Wolfgang Muthspiel an der Gitarre ab und an mal ein paar blue notes ein, lässt Gianluigi Trovesi seine Klarinette keck aufjaulen. Doch die Jazzelemente drängen sich nie in den Vordergrund, sondern wirken, als seien sie aus Purcell´s Musik selbst entwickelt. Virtuosität und Spielfreude, gepaart mit einem tiefen Verständnis um historische Musikpraxis münden hier in ein musikalisches Fest, wie man es lange nicht auf Tonträgern gehört hat. Auch wenn das Jahr noch jung ist – diese Scheibe kann jetzt schon als eine der besten Neuerscheinungen des Jahres gelten. Und eine meiner Lieblingsplatten ist sie schon jetzt.

Music for a while. Improvisations on Henry Purcell. Christina Pluhar. Ensemble L´Arpeggiata.

Konzerttipp: Am 03. 07. spielt das Ensemble L´Arpeggiata bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen.

Das Uri Caine Ensemble spielt Werke von George Gershwin

28.
Juni.
2013

Caine

Durch den Fleischwolf gedreht

Uri Caine und George Gershwin, das liegt nahe. Biografisch, da für beide New York zur zweiten Heimat wurde, vor allem aber stilistisch: denn Gershwin verschmolz in seinem Werk ebenso stimmig Elemente des Jazz mit Formen klassischer Musik wie sich der Grenzgänger Caine seit jeher in beiden Genres zuhause fühlt.

Die CD hebt an mit dem berühmtesten Gershwinmotiv, dem Klarinettenglissando aus der „Rhapsody in Blue“, das dann alsbald in eine Uptempo-Soloimprovisation in Caines typisch rustikalem Klavierstil mündet. Ist Caines Verarbeitung des Originals hier vergleichsweise moderat, so nimmt er mit seinem Ensemble andere Gershwinklassiker ziemlich auseinander, wobei er für jedes Stück eine anderen originellen Zugang findet. In „But not for me“ legt er musikalische Schichten derart raffiniert übereinander, dass man meint, das Stück in verschiedenen Versionen gleichzeitig zu hören, „Love is here to stay“ wird mit Methoden der Neuen Musik quasi durch den Fleischwolf gedreht. Das alles mit viel Witz und musikalischem Esprit. Spannend!

Uri Caine Ensemble. Rhapsody in Blue. Winter&Winter.

Elgars Violinkonzert mit Catherine Manoukian und der Staatskapelle Weimar

22.
Feb..
2013

Wie auf Händen getragen

catherine_manoukian__stefan_solyom__staatskapelle_weimar-elgar_aEine Geschichte, fast zu schön, um wahr zu sein: Eigentlich wollte Stefan Solyom, der GMD der Staatskapelle Weimar, die kanadische Geigerin Catherine Manoukian für ein Prokofjew-Projekt verpflichten. Die allerdings plädierte derart nachdrücklich für das Violinkonzert von Edwar Elgar, dass Solyom schließlich nachgab. Während der gemeinsamen Arbeit merkten Dirigent und Geigerin dann, dass sie nicht nur musikalisch harmonieren: kurze Zeit später waren sie verheiratet.
Die Aufzeichnung des Konzerts aus der Weimarhalle jedenfalls ist nun als CD erschienen, und selbst wenn es kitschig klingen mag – dass sich Dirigent und Geigerin emotional zugetan sind, meint man tatsächlich hören zu können. Denn Stefan Solyom trägt die hierzulande noch wenig bekannte Catherine Manoukian wie auf Händen über die Klippen dieses quasi-sinfonischen Riesenwerks. Das 50 Minuten lange Violinkonzert klingt wie ein Abgesang auf die Spätromantik: Von den Turbulenzen der einbrechenden Moderne noch nicht tangiert, entfaltet das 1910 von Fritz Kreisler als Solisten und dem Komponisten am Pult uraufgeführte Werk ein herbstliches, quasi-brahmssches Melos. Dazu kommen eine kräftige Prise imperialer Pomp und blühende Kantilenen. Das kann ein Fest für einen Solisten sein – sofern der die nötige technische und gestalterische Souveränität mitbringt. Wie Catherine Manoukian. Mit ihrem samten schimmernden, tragenden Ton, der perfekt zum ebenfalls eher dunkel timbrierten Klang der Weimarer Staatskapelle passt, spielt sie sich virtuos und mit viel Formgefühl durch die ornamentalen Wucherungen des Stücks: was Elgar allein im knapp 20-minütigen dritten Satz an Material aufbietet, würde anderen Komponisten für ein ganzes Konzert reichen. Dabei verlieren Dirigent wie Solistin in Elgars melodischen Abschweifungen nie den großen Bogen aus dem Blick: die Spannung ist bei dieser auch klangtechnisch gut gelungenen Live-Aufnahme fast mit Händen zu greifen.

Edwar Elgar: Violinkonzert h-Moll op. 61. Catherine Manoukian, Staatskapelle Weimar, Ltg. Stefan Solyom. Berlin Classics 0300429BC. 1 CD.

Khatia Buniatishvili spielt Werke von Chopin

05.
Nov..
2012

Bebend vor Ausdruckswillen

 

Mit ihrer Liszt-CD hat sie im letzten Jahr aufhorchen lassen – nun hat Khatia Buniatishvili eine CD mit Werken von Fréderic Chopin auf den Markt gebracht, mit der die 25-jährige Pianistin aus Georgien den Ruf bestätigt, zu den interessantesten Persönlichkeiten der jüngeren Pianistengeneration zu gehören. Was ihr vulkanisches Temperament und ihre zirzensische Technik anbelangt, erinnert Buniatishvili an die junge Martha Argerich: geradezu bebend vor Energie und Ausdruckswillen, fegt sie wie ein Orkan durch schnelle Sätze wie das Finale aus der Sonate b-Moll oder das Allegro Vivace des zweiten Klavierkonzerts f-Moll. Bei letzerem assistiert ihr das Orchestre de Paris unter Paavo Järvi: eine nachgerade ideal erscheinende Liaison, sind sich Dirigent und Solistin doch offenbar einig in ihrem Bestreben um distinkten Audruck. Da klingt nichts einfach hingespielt, und wenn Khatia Buniatishvili beim Stretta-Schluss des f-Moll-Konzertes nochmal das Tempo anzieht und die rasenden Figurationen geradezu Funken stieben, ist man fast geneigt, den Atem anzuhalten. Mag sein, dass sie (noch) nicht alles kann. Oberstimmenkantilenen wie im Seitensatz der Marche funèbre klingen mitunter etwas dünn und wenig körperhaft, und manchmal, wie im cis-Moll-Walzer op.64/2 laufen ihre Finger auch mal schneller, als es das Metrum verträgt. Doch das Grave aus der b-Moll-Sonate spielt das zierliche Energiebündel bewegend, mit herber Größe und gebrochenem Pathos. Langweilig ist das nie.

Khatia Buniatishvili: Chopin.

Sony Classical 88691971292

Das Artemis Quartett spielt Schubert

05.
Nov..
2012

Ungemütlich

Es ist noch gar nicht lange her, dass das Artemis Quartett seinen epochalen Beethovenzyklus vorgelegt hat, und auch das nun erschienene Doppel-Album mit den drei späten Quartetten Franz Schuberts wirft ein neues Licht auf diese Meisterwerke der Gattung. Vielen gilt Schubert als todesaffiner, lyrisch versonnener Melodiker mit einem Hang zum wienerisch Gemütvollen. Ganz und gar ungemütlich ist dagegen der Zugriff des Artemis Quartetts: das schlägt schon in den Eingangstakten des Quartettes D810 „Der Tod und das Mädchen“ einen erregten, beunruhigenden Ton an, der sich durch das ganze Werk zieht und selbst in lyrischen Stellen latent spürbar bleibt. Das berühmte Thema des zweiten Satzes klingt hier nicht nach Trauermarsch, sondern weht wie ein melancholischer Hauch herein, was den Eindruck des Flüchtigen, Vergänglichen unterstreicht. Im „Rosamunde“-Quartett D804 erscheint der Tonfall gar noch rauer, auswegloser. Jede Geste, jede Nuance wird dabei vom Artemis Quartett (das auch technisch Maßstäbe setzt) mit einer Radikalität ausgespielt, die die immer noch weit verbreiteten Formen „gepflegten“ Kammermusizierens als pure Bequemlichkeit entlarvt. Grandios, wie dabei die für Schubert typischen Abschweifungen formal gebändigt erscheinen, eingebettet in einen stimmigen Erzählfluss, der den Anfang vom Ende her denkt. Das gilt in noch stärkerem Maße für das groß angelegte G-Dur Quartett D887 und dessen mäandernde thematische Mutationen. Vollendete Quartettkunst!

Schubert. String Quartets. Artemis Quartett. Virgin Classics. 2 CDs.

Ori Kam spielt die 12 Fantasien von Telemann

10.
Mai.
2012

Zwischen Divertissement und Kunstfertigkeit

Würde man die bachschen Partiten und Sonaten für Solovioline nicht so gut kennen, man könnte da beim Hören ins Grübeln kommen: dieses kunstvoll gesetzte Grave e-Moll mit seinen kontemplativen Linien, ist es nicht vielleicht doch ein Werk des Thomaskantors? Nein, Georg Philipp Telemann hat das Stück als ersten Satz seiner sechsten von insgesamt zwölf Fantasien für Violine solo komponiert. 1735 hat Telemann, selber ein hervorragender Geiger, diesen Zyklus veröffentlicht – etwa 15 Jahre nach Bachs epochalem Solowerk. Immer wieder findet man in den drei- oder viersätzigen Fantasien Sätze, in denen man bachsche Vorbilder herauszuhören meint, insgesamt aber sind diese Fantasien leichtgewichtiger, gefälliger angelegt – was nicht gegen ihre Qualität spricht. Dass man diese Platte mit so großem Vergnügen hört, liegt aber auch an dem Bratscher Ori Kam, der den Zyklus nun für sein Instrument transponiert und komplett eingespielt hat: mit golden lasiertem Klang, bestechender Intonation und viel Gespür für die  ambivalente, zwischen Divertissement und Kunstanspruch changierende Haltung dieser Musik.

Telemann. 12 Fantasies for solo viola.

Berlin Classics. Vertrieb Edel.